Die Soldaten von Veli Kavlak

Aufmacherbild
 

Kult-Figur Veli Kavlak: Am Weg zur Besiktas-Legende

Aufmacherbild
 

Everton, Southampton, Stuttgart, Leicester, Schalke und viele mehr.

Glaubt man der Gerüchteküche, waren dutzende Klubs an Veli Kavlak interessiert. Trotzdem entschied sich der 31-fache Nationalspieler für einen Verbleib bei Besiktas.

„Es gab schon konkrete Gespräche (mit anderen Vereinen, Anm.), aber es war nicht so, dass ich Besiktas für die genannten Klubs verlassen hätte. Das Herz hat einfach nein gesagt“, sagt der Wiener im LAOLA1-Interview.

Kavlak liebt Besiktas und Besiktas liebt Kavlak. Mit seinem aufopferungsvollen Spielstil eroberte der 26-Jährige die Herzen der Anhänger im Sturm. „Bei den Fans kommt er sehr gut an, weil er auf dem Platz immer alles gibt“, erklärt Sertan Günes gegenüber LAOLA1.

Den Kapitän des Wiener Sportklubs verbindet eine enge Freundschaft mit Kavlak. Zudem ist er glühender Besiktas-Fan. „Aus dem Mittelfeld ist er nicht wegzudenken. Er hat sich ein sehr hohes Standing erarbeitet, was als türkischstämmiger Spieler aus dem Ausland nicht so leicht ist.“

„Pro Partie läuft er mindestens 14 Kilometer“

Dieselbe Meinung vertritt auch Kaan Bayazit. „Kavlak ist bei uns eine Kult-Figur“, meint der Gründer des Online-Portals „besiktas-international.com“. „Auf dem Platz kämpft er von Anpfiff bis zum Schluss. Er ist ein sehr leidenschaftlicher Spieler.“

Dabei haftete dem Mittelfeldspieler, der bei Besiktas auf der Sechs zum Einsatz kommt, bei Rapid noch eher das Image eines Offensiv-Künstlers als das einer „Kampf-Sau“ an. Auch Besiktas-Experte Bayazit zeigt sich überrascht von dieser Metamorphose:

„Als er zu uns kam, habe ich ihn kreativer erwartet. Aber er hat sich zu einem komplett anderen Spieler entwickelt. Pro Partie läuft er mindestens 14 Kilometer. Er ist überall auf dem Feld zu finden und sehr wichtig für das Team.“

Offensiv hat Kavlak deswegen nicht mehr so viele Freiheiten, wie noch in seiner Zeit bei Rapid. „In der Saison, als er zu uns wechselte, spielten Stars wie Guti oder Ricardo Quaresma bei Besiktas. Ich denke, da ist er im Offensiv-Spiel schnell an seine Grenzen gestoßen. Deswegen hat er sich auf andere Bereiche konzentriert. Das hat sich bezahlt gemacht.“

Wir sind die Soldaten von Veli Kavlak

Die eingefleischten Besiktas-Fans huldigen dem Ex-Rapidler im Stadion regelmäßig mit einem ganz besonderen Chant. „Wir sind die Soldaten von Veli Kavlak“, singen sie im Chor. Der Spruch, auf Türkisch: Veli Kavlak'ın askerleriyiz, ist als Graffiti auch auf der einen oder anderen Mauerwand in Istanbul zu finden. „Sie sehen ihn als ihren General, der immer alles für sie gibt und für den auch sie alles geben würden“, erklärt Günes.

Kavlak selbst war überrascht, als er zum ersten Mal davon hörte. „Ich fand es sehr interessant, diesen Spruch auch auf Wänden zu lesen. Es macht mich glücklich, dass mein Name in einem solchen Slogan verwendet  wird“, sagt der Mittelfeldspieler in einem Interview mit dem Vereinsmagazin.

Sportklub-Urgestein Günes führt die Popularität seines Freundes in Istanbul auch auf dessen Bescheidenheit zurück. „Er kommt so gut an, weil er keine Starallüren zeigt. Nach dem Spiel macht er Fotos mit den Fans. In der Türkei gilt Besiktas als Verein des Volkes. Veli ist ein Kind des Volkes, er ist einer von ihnen.“

Ein Pizzeria-Besuch als Drahtseilakt

Kavlaks Kult-Status unter der Anhängerschaft hat freilich auch seine Nachteile. Auf der Straße wird der 31-fache ÖFB-Internationale sofort nach Autogrammen und Fotos gefragt.

„Man wird draußen überall erkannt, muss auf jede Aktion aufpassen. Der erste kleine Lapsus in der Öffentlichkeit wird riesengroß in der Öffentlichkeit aufgebauscht“, meint der Wiener gegenüber „ostliga.tv“. Sein Freund Günes fügt hinzu: „Das ist schon ein bisschen stressig, nicht nur für Veli, sondern für die meisten Profis der drei Istanbuler Klubs. Es spricht dich jeder an, vom Blumenverkäufer bis zum zehnjährigen Kind.“

Ein einfaches Abendessen in einer Pizzeria wird dabei schon einmal zum Drahtseilakt. „In der Türkei wollen die Leute immer wissen, was die Fußballer machen. Manchmal bleibe ich lieber zuhause, wenn es nicht gut läuft. Dann ziehe ich mich zurück, um mich selbst aus der Schusslinie zu nehmen“, so Kavlak.

Ruft das Kapitänsamt?

Der 26-jährige Wiener, der im türkischen Fernsehen aktuell auch in einem Werbespot zu sehen ist, hat seinen Vertrag zuletzt bis 2019 verlängert. Er träumt davon, gemeinsam mit Besiktas im neuen Stadion den Meistertitel zu feiern. Die 41.903 Plätze fassende Vodafone Arena, die am Standort des alten Inönü-Stadions direkt am Ufer des Bosporus errichtet wird, soll noch dieses Jahr eröffnet werden.

Besiktas-Kenner Bayazit kann sich vorstellen, dass Kavlak innerhalb der Mannschafts-Hierarchie bald zum Kapitän aufsteigen könnte. „Dafür muss Veli am Platz aber noch ruhiger werden. Er darf sich nicht so leicht provozieren lassen“, spielt der Blogger auf das Derby gegen Galatasaray an, als sich Kavlak zu einer Tätlichkeit gegen Wesley Sneijder hinreißen ließ.

Auch Günes sieht seinen Freund bei Besiktas gut aufgehoben: „Eine Legende ist er noch nicht, aber er ist auf halbem Weg dazu.“

Kavlak tat also gut daran, all den an ihm interessierten Klubs eine Absage zu erteilen.

 

Jakob Faber

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen