Dragovic: "Ich will ja immer besser werden"

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Österreichs Legionäre geizen aktuell nicht mit Erfolgsstorys, jene von Aleksandar Dragovic gehört fraglos zu den außergewöhnlichsten.

Der Innenverteidiger gehörte mit seiner starken Leistung beim Testspiel gegen Finnland nicht nur zu den ÖFB-internen Gewinnern, sondern sorgt bekanntlich auch mit dem FC Basel für Furore.

In der Champions League schaltete man in der Gruppenphase Manchester United aus, nun bietet der „Riesen-Töter“ mit dem 1:0-Hinspielsieg dem großen Favoriten FC Bayern Paroli.

In der Schweizer Meisterschaft ist dem FCB seit diesem Wochenende der Titel kaum noch zu nehmen. Ohne den gesperrten Wiener wurde Verfolger FC Luzern 3:1 besiegt. Der Vorsprung in der Tabelle beträgt damit bei einem Spiel weniger bereits vorentscheidende neun Punkte.

„Was zurzeit in Basel abgeht, ist phänomenal“

„Der FC Basel ist an diesem Nachmittag nur ein FCB light, eine Mannschaft, die mehr von ihrer Aura als von ihrem Fußball lebt“, beschreibt die „Neue Zürcher Zeitung“, dass dem Aushängeschild des Schweizer Fußballs aktuell selbst schwächere Leistungen reichen, um sich gegen die nationale Konkurrenz durchzusetzen.

Dragovic ist für gewöhnlich ein fixer Bestandteil dieser Aura. „Was zurzeit in Basel abgeht, ist einfach phänomenal. Das hätte keiner gedacht. Die Euphorie in der Stadt ist einfach riesig“, schildert der frühere Austrianer, der am Dienstag seinen 21. Geburtstag feiert, im Gespräch mit LAOLA1 den Basler Ausnahmezustand.

Der 15. Meistertitel der Vereinsgeschichte ist den Rheinstädtern also kaum mehr zu nehmen, für Dragovic wäre es eineinhalb Jahre nach seinem Wechsel vom Verteilerkreis in die Super League sein zweiter.

„Wie ein Lotto-Sechser“

Nachdem zum Zeitpunkt des Transfers vielleicht einige den Kopf schüttelten, warum es das Abwehr-Talent in das Nachbarland verschlägt, kann man inzwischen getrost feststellen, dass es der richtige Schritt war.

„Ich habe schon darauf gehofft, dass es gut wird, aber dass es so gut kommt, hätte keiner gedacht“, sieht Dragovic selbst seine eigenen Erwartungen übertroffen.

„Seit es den Verein gibt, hat der FC Basel noch nie so ein gutes Jahr gespielt. Das ist jetzt wie ein Lotto-Sechser, aber man muss man Boden bleiben, darf keinen Höhenflug haben. Gegen die Bayern hatten wir jetzt einmal einen Teilerfolg. Wir wollen in der Champions League weiterkommen und Meister werden, dann werden wir sehen, ob wir das Jahr noch besser machen können.“

„Die Fans würden uns gerne in den Himmel heben“

Der 15-fache ÖFB-Teamspieler bezeichnet die „Weltklasse-Stimmung“ innerhalb der Mannschaft als Erfolgsgeheimnis. Im Prinzip ist die Elf rund um den alternden Star-Stürmer Alexander Frei zumindest der nationalen Konkurrenz jedoch qualitativ überlegen.

Auch Top-Stars wie Mario Gomez kochen nur mit Wasser

Was in der 170.000-Einwohner-Stadt aufgebaut wurde, ist ohnehin bemerkenswert genug. Weniger als 25.000 Zuschauer haben in dieser Saison noch nicht den Weg in den St. Jakobs-Park gefunden.

„Basel war schon immer fußballverrückt, aber jetzt würden uns die Fans gerne in den Himmel heben“, erzählt Dragovic, betont in Erinnerung an den etwas holprigen Saisonstart jedoch, dass die Ansprüche mit den Erfolgen gestiegen sind:

„Es kann auch sehr schnell in die andere Richtung gehen. Am Anfang der Saison waren wir am Boden zerstört, lagen nur auf dem achten Platz, da wollten sie uns auf gut Deutsch gesagt umbringen.“

„Gut, dass ich noch Defizite habe“

Für die Weiterentwicklung des Legionärs war Basel der richtige Zwischenschritt. Für Trainer Heiko Vogel gehört er in seiner Altersstruktur zu den Besten in Europa. Bei allen Fortschritten ortet Dragovic bei sich selbst jedoch noch genügend Luft nach oben:

„Wir haben bei Basel einen eigenen Spielaufbau und ein eigenes System, und darin fühle ich mich sehr, sehr wohl. Ich kann mich aber sicher noch im Zweikampf verbessern, und wenn ich mir den Kopfball gegen Bayern München anschaue, muss ich auch daran arbeiten. Den muss ich einfach machen.“

Nachsatz: „Aber ich will ja immer besser werden. So gesehen ist es auch gut, dass ich noch Defizite habe.“

„Gomez und Rooney haben auch nur zwei Beine“

Wie lange ihn sein aktueller Arbeitgeber trotz Vertrags bis 2015 noch halten kann, steht in den Sternen. Früher oder später wird vermutlich der Lockruf aus einer größeren Liga erfolgen. Gut auf die ganz großen Stars dieses Sports vorbereitet sollte er nach den Erfahrungen in Basel sein:

„Die kochen auch nur mit Wasser. Ich habe immer schon gesagt: Der Unterschied zu den Großen ist nicht so groß – außer bei einem Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo, das sind Ausnahmen.“

Dass er vor anderen Kalibern nicht in Ehrfurcht erstarrt, hat Dragovic bewiesen: „Ein Mario Gomez oder ein Wayne Rooney sind Topstars und haben sicherlich ihre Fähigkeiten, aber im Endeffekt haben sie auch nur zwei Beine. Sie machen nur jeden Pass noch konzentrierter, das sind nur kleine Details.“

„Nicht Champions League, sondern Detail-Liga“

Details sind nicht nur in der Schweiz ein gutes Stichwort. Je höher das Level, desto detailverliebter geht es zu.

„Unser Trainer in Basel hat immer gesagt, für uns heißt es nicht Champions League sondern ‚Detail-Liga‘. Es kommt auf kleine Details an, wer gewinnt. Darum hat er das richtig gesagt“, findet der Wiener.

Der erst 36-jährige Vogel ist übrigens ein Mitglied der neuen deutschen Trainer-Generation. Kam er als Aktiver nicht über den rheinland-pfälzer Provinzverein SV Edenkoben hinaus, macht der frühere Assistent von Thorsten Fink nach dessen Abgang zum Hamburger SV als Chefcoach eine gute Figur.

Nicht nackt durch die Kärntner Straße

Keine gute Figur will Dragovic in der Wiener Kärntner Straße machen. Seine angebliche Ankündigung, bei einem Aufstieg gegen die Bayern nackt durch selbige zu laufen, bescherte ihm sogar im deutschen Boulevard Schlagzeilen.

Durchaus ungewollt, wie er etwas genervt versichert: „Ich habe ein kleines Späßchen gemacht und die Kronen Zeitung hat es wieder ein bisschen übertrieben.“

Ganz müssten die Touristen in der Wiener Einkaufsmeile im Fall der Fälle aber nicht auf ihn verzichten, wie er mit einem Augenzwinkern ankündigt:

„Schauen wir: Wenn wir weiterkommen, renne ich vielleicht mit einer kurzen Hose durch die Kärntner Straße…“

Peter Altmann

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