"Vom Reden gewinnst du nichts"

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Hütter: "Es ist ein Privileg, hier Trainer zu sein"

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Er kam, sah und siegte bislang.

Adi Hütter gewann seine ersten vier Spiele als Neo-Trainer von Young Boys Bern und hievte den Schweizer Klub von Tabellenrang fünf auf drei.

Der 45-Jährige, der sich nach dem Double-Gewinn einvernehmlich von Red Bull Salzburg trennte und erstmals im Ausland trainiert, ist in der Hauptstadt schnell angekommen.

Im Gespräch mit LAOLA1 schildert der Vorarlberger, wie es zum Engagement kam, an welchen Schrauben er erfolgreich drehte und wohin die Reise von YB und auch seine persönliche führen soll.

LAOLA1: Sie kommen von einem Gespräch mit Sportchef Fredy Bickel. Gab es schon die erste Gehaltserhöhung?

Adi Hütter: (lacht) Nein, nein! Aber klar, der Einstand ist geglückt. Es war nach einem schwierigen Saisonstart wichtig, die Mannschaft wieder in die Spur zu bekommen. Vier Siege in vier Spielen – das war natürlich auch ein gutes Zeichen nach außen.

LAOLA1: Sie mussten nur 55 Sekunden warten, um das erste Tor zu bejubeln.

Hütter: Besser geht es nicht. Dieser Treffer war für die Mannschaft sehr wichtig, wir haben dann auch sehr gut gespielt und 4:0 gegen Vaduz gewonnen. Es war ein guter Start. Das Cup-Spiel war kein einfaches, haben wir aber auch zu Null (2:0) gewonnen. Das bisherige Highlight war das Top-Spiel gegen Basel (4:3) vor einer guten Kulisse mit guter Stimmung. Das war ein toller Abend. Das Derby gegen Thun war bislang das schlechteste Spiel, seit ich bei YB bin, dennoch wurde es 1:0 gewonnen.

LAOLA1: Als der Trainer-Posten bei YB frei wurde, hatten Sie das Gefühl, das wäre etwas für Sie?

Hütter: Ich habe die Trennung mitbekommen und auch darüber nachgedacht. Es war allerdings im ersten Moment für mich nicht realistisch. Zumal ich mir auch Gedanken darüber machte, ob sich nicht etwas in der zweiten deutschen Bundesliga auftun würde. Dann kam der Anruf aus Bern und wir haben erstmals darüber gesprochen. Ich habe mich mit verschiedenen Führungsleuten der Young Boys getroffen, das waren sehr gute Gespräche. In weiterer Folge habe ich mir das Spiel gegen die Grasshoppers angesehen. In der finalen Phase habe ich für mich entschieden, dass ich hierher möchte, weil die Ziele gut zusammenpassen. Es ist ein toller Traditionsverein und die Verantwortlichen haben mir imponiert und ich denke, ich konnte auch punkten. Es passt generell gut zusammen. Viele Trainer wollten hier her, es ist der zweitgrößte Verein in der Schweiz, deswegen ist es auch ein Privileg, hier Trainer zu sein.

LAOLA1: Wie konnten Sie denn punkten?

Hütter: Ich denke mit meiner Art und Weise. Ich habe gesagt, wie ich ticke und auch meine Aussage („Ich bin kein Ausbildungstrainer“) erklärt. Ich habe das sowohl in der Schweiz als auch in Österreich klargestellt. Alleine von der Aussage her kann man das kritisch bewerten, vielleicht hätte ich besser sagen sollen, ich sehe mich ganz klar als Entwicklungstrainer. Man muss ja auch nur meine Trainer-Karriere hernehmen. Da habe ich immer viele junge Spieler eingebaut. Für mich geht es um die Mischung und um die Entwicklung der Mannschaft in allen Belangen. Das war mir auch wichtig, in den Gesprächen mit YB klarzustellen, zumal hier auch auf junge Spieler gesetzt wird und ich auch diese einbaue. Möglicherweise spielen am Wochenende gegen Grasshoppers sechs Junge. Man soll Taten folgen lassen und nicht immer Worte. Zuletzt wurden sechs YB-Spieler für die Schweizer U21-Nationalmannschaft aufgeboten. 

LAOLA1: Uli Forte wurde kurioserweise in Salzburg als Trainer ins Spiel gebracht, nun folgten Sie ihm in Bern. Mussten Sie an vielen Schrauben drehen, um YB zurück in die Spur zu führen?

Hütter: Es war einfach so, dass ich die Mannschaft ängstlich vorgefunden habe. Sie hat viel in die Breite gespielt und nach einem Fehlstart in die Saison ist das auch nachvollziehbar. Ich habe versucht, vom ersten Tag an voranzugehen und allen einzuimpfen, wie ich mir das Fußballspielen vorstelle. Wir haben dann gut gearbeitet und ich muss der Mannschaft ein Kompliment machen, wie schnell sie das umsetzt. Es passt noch nicht alles, aber das gehört in so kurzer Zeit dazu. Es ziehen alle mit und natürlich ist nun auch das Selbstvertrauen wieder da. Wir spielten bisher noch nicht genau so, wie ich mir das vorstelle, aber die Ergebnisse sind in erster Linie wichtig. Sollten wir am Wochenende gewinnen und punktgleich Zweiter sein, wäre das nach wenigen Wochen stark.

Verein Von Bis Spiele Punkteschnitt
RB Juniors 2008 2009 35 1,31
SCR Altach 2009 2012 102 1,91
SV Grödig 2012 2014 75 1,76
RB Salzburg 2014 2015 54 2,09
YB Bern 2015 ? 4 3,00

LAOLA1: Wie lauten Ihre Ziele mit YB für den Rest der Saison? Ist die Meisterschaft realistisch?

Hütter: YB hat Potenzial, aber es geht nun in erster Linie darum, das Team so gut kennenzulernen, um im Winter vielleicht noch an der einen oder anderen Schraube drehen zu können. Ziel muss sein, dass wir kommende Saison international dabei sind und die Lücke zu Basel schließen. Sie sind die klare Nummer eins, da müssen wir näher rankommen. Über Titel will ich nicht reden. Ich bin hungrig nach Titel, aber vom Reden werden wir keinen gewinnen. Die letzte Meisterschaft ist hier 29 Jahre her, von dem her gilt Vorsicht walten zu lassen. Wir müssen gut arbeiten, das Maximum herauszuholen. Außerdem muss man auch realistisch sein: Basel hat neun Punkte Vorsprung auf uns und die Mannschaft ist einfach auch stabil.

LAOLA1: 2016 international spielen, 2017 Meister werden und ab nach Deutschland – Ihre Idealvorstellung?

Hütter: Das Wichtigste ist, Visionen zu haben. Das habe ich schon früher gesagt, dass ich dorthin gerne einmal würde. Aber ich lebe in der Gegenwart. Es geht darum, in den nächsten eindreiviertel Jahren in Bern Top-Arbeit zu verrichten. Wenn das der Fall ist, ist die Chance dafür größer. Wenn nicht, brauche ich gar nicht darüber nachzudenken. Meine ganze Energie steckt im Moment.

LAOLA1: Nach dem Salzburg-Aus in Champions und Europa League sagten nicht wenige: Adi Hütter hat alles richtig gemacht. Haben Sie alles richtig gemacht?

Hütter: Was die anderen sagen, kann ich nicht beeinflussen. Ich für mich habe alles richtig gemacht, sonst hätten wir uns auch in Salzburg nicht auf eine einvernehmliche Trennung geeinigt. Das war für mich zu diesem Zeitpunkt der richtige Schritt, zu allem anderen habe ich nichts zu sagen. Aber wie alles nun gelaufen ist, hat es für mich eine richtige Entwicklung genommen.

 

Das Interview führte Bernhard Kastler

LAOLA1: „Schwarmfußball zum Schwärmen“ habe ich mitunter schon über „YB neu“ gelesen.

Hütter: Für die Artikel kann ich nichts (lacht). Aber ich denke schon, dass ich angekommen bin. Im Verein haben sie auch nach Offensivfußball gelechzt, wir haben in zwei Heimspielen acht Tore geschossen und in vier Spielen drei Mal zu Null gespielt. Es macht richtig viel Spaß, es herrschen professionelle Strukturen mit einem schönen Stadion in einer tollen Stadt vor.

LAOLA1: Wie fällt Ihr erster Vergleich mit Österreich aus?

Hütter: Die Liga ist eine Spur professioneller, vor allem, was die Strukturen bei den Vereinen betrifft. Auch das Niveau und der Stil der Trainer gefallen mir. Sie sind sehr offen und haben mir alles Gute gewünscht. Der entgegengebrachte Respekt hat mir gut gefallen. Es kommen mehr Zuschauer in die Stadien wie in Österreich, Basel hat doch immer über 25.000, bei uns auch über 17.000. Die Dichte in der Liga ist auch enger. Aber Österreich hat sicher in den vergangenen Jahren aufgeholt.

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