Titelkampf mit geänderten Vorzeichen

Aufmacherbild
 

Die französische Fußball-Meisterschaft startet am Samstag mit vier Favoriten in die neue Saison.

Titelverteidiger OSC Lille, Olympique Marseille, Olympique Lyon und das mit katarischem Geld aufgerüstete Paris St. Germain werden nach Expertenmeinung den Titel unter sich ausmachen.

Rotstift regiert

PSG schwimmt dabei gegen den Trend. Denn die meisten französischen Clubs befinden sich derzeit auf Sparkurs.

115 Millionen Euro betrug das kumulierte Defizit aller Ligue-1-Vereine in der vergangenen Saison.

Der einstige Serienmeister Lyon, der zwischen 2002 und 2008 alle sieben Meisterschaften gewonnen hat, musste ein Minus von 35 Millionen Euro hinnehmen.

Olympique Marseille, Meister des Jahres 2010, benötigte einen 20-Millionen-Zuschuss seiner milliardenschweren Eigentümerin Margarita Dreyfus.

PSG dank Petro-Dollar obenauf

PSG schreibt seit Jahren jede Saison einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe, ist aber vorläufig seine finanziellen Sorgen los.

Der neue Besitzer heißt "Qatar Sports Investments" des Kronprinzen von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani. Das 31-jährige IOC-Mitglied besitzt dank Erdöl und Erdgas im Emirat über nahezu grenzenlose Mittel.

Eine seiner ersten Amtshandlungen war es, Leonardo, den ehemaligen Trainer von Inter Mailand, als Sportchef zu verpflichten. Dieser befindet sich seither auf Einkaufstour.

Leonardo im Kaufrausch

Über 80 Millionen Euro hat PSG bereits ausgegeben, davon 42 Millionen für den argentinischen Internationalen Javier Pastore. Und es dürfte noch mehr werden.

Die Transferfrist läuft erst zu Monatsende ab und einiges spricht dafür, dass Leonardo Wege und Spieler finden wird, um die 150 Millionen Euro, die ihm für Verpflichtungen zur Verfügung stehen, auszugeben.

Für Dimitar Berbatow (Manchester United) und den 20-jährigen brasilianischen Internationalen Ganso (FC Santos) wurden Angebote abgegeben.

Neu bei PSG: Sirigu (l.) und Sissoko

Lyon und Marseille zum Zuschauen verpflichtet

Wie sich das neu formierte Paris St. Germain entwickelt, ist die spannendste Frage zu Saisonbeginn. Der Druck auf Trainer Antoine Kombouare ist auf jeden Fall groß. Alles andere als der dritte Meistertitel, der erste seit 1994, wäre eine Enttäuschung.

Marseille und Lyon, die in den letzten Jahren jeweils auch auf dem Transfermarkt den Ton angaben, sind mehr oder weniger zum Zuschauen verdammt.

Lyon verzichtete bisher ganz auf Neuzugänge und musste sogar den Abgang von Jeremy Toulalan nach Malaga hinnehmen - der wie PSG in katarischen Händen ist.

Neue Stadien haben Priorität

Marseille und Lyon sind in einer ähnlichen Situation. Bei beiden sind in den kommenden zwei Jahren keine großen Spieler-Investitionen zu erwarten.

Priorität hat der Bau beziehungsweise die Renovierung der jeweiligen Stadien, in denen auch bei der EM 2016 Spiele ausgetragen werden sollen.

In Lyon entsteht eine neue Arena, in Marseille wird das Velodrome modernisiert, überdacht und leicht vergrößert.

Marseille-Fans "unterstützen" PSG

Trotzdem fühlen sich Marseille und Lyon für das Meisterrennen gerüstet, und auch der OSC Lille, der bereits ab 2012 in seinem neuen Stadion spielen wird, ist nicht chancenlos. Die Nordfranzosen hatten überraschend ihren ersten Meistertitel seit 1954 geholt.

Zumindest mittelfristig wird PSG aber der Maßstab sein. Oder wie es unter PSG-Fans heißt: "Immer, wenn ein Marseille-Fan tankt, finanziert er Paris St. Germain."

Tatsächlich ist der katarische Einfluss auf den französischen Fußball groß. Der Sender Al Jazeera, der bereits die internationalen TV-Rechte an der Ligue 1 hält, hat sich für die Periode 2012 bis 2016 auch einen Teil der nationalen Rechte gesichert.

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen