"Ich bin der Erste, der sagt, ich bin nicht Ronaldo"

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Gerade einmal acht Serie-B-Spiele durfte György Garics in der abgelaufenen Saison bestreiten.

Von inklusive Aufstiegs-Playoffs 46 möglichen. Das letzte am 24. Jänner beim 2:1-Erfolg bei Virtus Entella.

Man kann beim ÖFB-Teamspieler wohl von einem frustrierten Aufsteiger sprechen, denn sein Anteil an der Rückkehr in die Serie A wurde von seinem Verein künstlich klein gehalten.

Nicht aus sportlichen Gründen, wie Garics versichert: „Ich kann es mir bei allem Respekt nicht erklären. Ich bin der Erste, der sagt, dass ich nicht Ronaldo bin. Aber wenn ich es eigentlich bei jedem Verein geschafft habe, zum Zug zu kommen und mich neun Jahre in Italien behauptet habe, werde ich schon gewisse Qualitäten haben. Wenn man dann von einem Tag auf den anderen gestrichen wird, muss es andere Gründe haben. Ich hatte in den letzten zehn Monaten genügend Zeit, dem nachzugehen. Ich bin schon draufgekommen, aber ich möchte nicht darüber reden, denn mit dem Fußball auf dem Platz hat es eigentlich nichts zu tun.“

„Kann ja keine fußballerischen Gründe haben“

Am ersten Spieltag wurde der 31-Jährige ausgeschlossen, reiste danach zum Nationalteam. Von zuvor vereinbarten Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung wollte man plötzlich nichts mehr wissen: „Seitdem habe ich eigentlich nur mehr gespielt, wenn der andere verletzt war. Deswegen kann das bei allem Respekt ja keine fußballerischen Gründe haben. Wenn du zwei, drei Mal schlecht spielst und der Trainer favorisiert den anderen, okay. Nur wenn du nie spielst, kannst du nicht einmal Fehler machen. Das ist also zu streichen.“

Der Vertrag des Rechtsverteidigers in Bologna läuft noch bis 2016. Auch in der kommenden Saison beim Verein aus der Emilia-Romagna engagiert zu sein, ist für ihn jedoch kein Thema: „Unter diesen Bedingungen möchte ich dort nicht weiter machen.“

Konkrete Gespräche mit den Verantwortlichen gab es noch keine. Bologna weiß auch erst seit der Fixierung des Aufstiegs in dieser Woche, wohin die sportliche Reise geht. „Aber das werden sie wohl wissen und liegt ja auch in ihrem Interesse. Sie hatten das ganze Jahr einen Spieler auf der Gehaltsliste, der nie verwendet wurde. Das wäre ja auch aus unternehmerischer Sicht falsch“, glaubt Garics, dass Bologna ihn ziehen lassen wird.

„Das wäre eine absolute Gemeinheit“

Wenn nicht? „Dann wäre das natürlich eine absolute Gemeinheit, wenn sie mir noch Steine in den Weg legen würden. Das hätte ich mir nicht verdient, weder als Fußballer noch als Mensch. Leider Gottes ist es im Fußball so, aber ich hoffe, dass es nicht so weit kommt, dass es da wirklich rascheln muss. Denn das ist nicht meine Art und Weise. Ich habe noch bei jedem Verein, von dem ich weggegangen bin, offene Türen hinterlassen. Das wäre wirklich das erste Mal. Aber in diesem Job gibt es wahrscheinlich keine Spiegel und die meisten schauen auch nicht rein. Ich kann jeden Tag reinschauen, denn ich habe nichts verbrochen und kein schlechtes Gewissen.“

Darüber, wie es weitergeht, kann der frühere Rapidler somit keine Auskunft geben. „Ich bin für alles offen“, meint er und grinst: „Mir wäre lieber, es wäre September. Dann wüssten wir bereits, was wir in Russland erreicht haben und ich könnte sagen, wie es bei mir ausschaut. Wenn ich die Zukunft voraussagen könnte, wäre es super, aber leider Gottes habe ich keine magische Kugel.“

„Nur exotische Dinge interessieren mich weniger“

Sein wichtigstes Kriterium für einen potenziellen neuen Arbeitgeber: „Ich möchte zu einem Verein, bei dem man mich wirklich will, wo ich wertgeschätzt werde, wie es in meiner Vergangenheit überall der Fall war.“

„Ich habe schon öfter gesagt, dass ich das gerne machen würde. Das ist eine Nostalgie-Geschichte, dass man dorthin zurückkehrt, wo man angefangen hat. Für mich ist Rapid ja nicht nur irgendein Verein. Ich habe dort meine Ausbildung absolviert, und ich habe dem Verein einiges zu verdanken. Es wäre ein schöner Abschluss.“

Sehr wohl ein Kriterium bei der Vereinssuche ist das Nationalteam. Im EURO-Jahr ist naturgemäß jeder Teamspieler darauf bedacht, bei einem Verein unterzukommen, bei dem er höchstwahrscheinlich auch zum Einsatz kommt.

„Der Teamchef hat trotzdem an jedem festgehalten“

Derzeit ist Garics rechts in der Viererkette die Nummer zwei hinter Florian Klein. Dass er trotz mangelnder Spielpraxis weiterhin zum Aufgebot gehört, spreche für die Strategie von Teamchef Marcel Koller:

„Wenn ich mich unter meinen Kollegen umschaue, hat es mehr oder weniger jeden einmal erwischt. Ob Marc Janko, Christian Fuchs oder Robert Almer – jeder hat seine eigene Geschichte. Es ist nicht immer nur oben, manchmal geht es auch nach unten. Es ist eine Qualität des Teamchefs, dass er trotzdem an jedem festgehalten hat und wir dadurch so zusammengewachsen sind. Er hat viel dazu beigetragen, dass die Mannschaft so ein gutes Gefüge hat. Nur so kann man solche Leistungen abrufen.“

So bitter die abgelaufene Saison für Garics war, schlechter kann die kommende für ihn kaum werden. Sollte am Ende seine zweite EURO-Teilnahme stehen, würde er dieses Karriere-Highlight nach den Erkenntnissen dieser Spielzeit definitiv zu schätzen wissen:

„Man lernt aus diesen negativen Geschichten wahrscheinlich mehr als aus den positiven. Menschlich bringt es dich sicher weiter. Und umso schöner wird es dann nächstes Jahr.“

Peter Altmann

Seit 2006 geht Garics seinem Beruf in Italien nach. Über Napoli und Atalanta Bergamo kam er zu Bologna. Das Wunsch-Szenario wäre natürlich ein Verbleib in der Wahlheimat. In seiner aktuellen Situation setzt er sich jedoch nur wenige Grenzen:

„Ob Deutschland, England oder Frankreich – ich bin nicht abgeneigt. Nur exotische Dinge interessieren mich weniger, etwa die arabischen Länder, Russland oder selbst die Türkei. Das würde ich selbst bei einem finanziellen Angebot, zu dem man eigentlich nicht Nein sagen kann, ablehnen. Ich schaue nicht nur aufs Geld. Aber natürlich ist es wichtig, weil es mein letzter Vertrag sein könnte, den ich auf einem gewissen Niveau unterschreibe.“

Nach den jüngsten Erfahrungen ein genaueres Auge darauf zu werfen, wie ein Interessent in der Vergangenheit mit seinen Spielern umgegangen ist, sei schwierig: „Das kann man leider Gottes nie wissen. Ich wurde in Bologna ja auch lange wertgeschätzt und von einem Tag auf den anderen hat sich das geändert. Im Fußball kann das so schnell gehen. Aber ich möchte schauen, dass es zumindest am Anfang passt. Dann liegt es ohnehin an mir, dass ich mit Leistungen zurückzahle, was man von mir erwartet.“

Die Nostalgie-Geschichte Rapid

Eine Rückkehr nach Österreich spielt in den Plänen von Garics derzeit eine untergeordnete Rolle. „Es wäre noch zu früh. Jetzt hätte ich schon noch Lust, dort zu spielen, wo ich seit Jahren bin. Aber man darf im Fußball niemals nie sagen“, meint der Wiener und wiederholt seinen Wunsch, noch einmal das Rapid-Trikot zu tragen:

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