Schon wieder ein Heilsbringer

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Ein neuer Lavezzi, kein neuer Maradona

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Neapel hat einen neuen Heilsbringer.

Schon wieder.

Das Muster ist bekannt: Ein dribbelstarker Offensivspieler, vorzugsweise von geringer Körpergröße, kommt in die Küstenstadt und die Tifosi flippen völlig aus.

Seit Diego Maradona das San Paolo 1991 verlassen hat, wird verzweifelt nach seinem Nachfolger gesucht. Ungeachtet dessen, dass die Fußstapfen, die der Argentinier hinterlassen hat, wohl niemals ausgefüllt werden können.

Laut Pandev kann er ein Messi werden

In diesem Sommer hat es Lorenzo Insigne getroffen. Mit seinen 1,63 Metern um zwei Zentimeter kleiner als „El Diez“, technisch unheimlich beschlagen und torgefährlich. Ideale Voraussetzungen, um unrealistische Erwartungen zu schüren.

Diese werden dann auch noch von Goran Pandev befeuert. Der Mazedonier sagt über seinen neuen Mitspieler: „Er erinnert mich an Lionel Messi, in der Art wie er spielt und dribbelt. Auch wenn Messi der Beste der Welt ist. Ich denke, er hat die Chance, eine Karriere wie das Barcelona-Phänomen zu haben.“

Und Neapel steht kopf. Messi! Näher ist noch keiner an Maradona herangekommen.

Insignes Glück

Insignes Glück: Er kommt aus Frattamaggiore, der neapolitanischen Provinz.

Zudem hat er seit seinem 15. Lebensjahr für den SSC Napoli gespielt. Der 21-Jährige kennt das Umfeld und dessen teils utopische Erwartungshaltungen.

Seine wahre Aufgabe

Gekommen ist der Rechtsfuß nämlich nicht, um als Reinkarnation Maradonas aufzutreten, seine Aufgabe ist es, Ezequiel Lavezzi zu ersetzen. Jenen Mann, der für 26 Millionen Euro an Paris St. Germain verkauft wurde. Auch er war einst ein neuer Maradona, nämlich 2007, als er vom argentinischen Klub San Lorenzo gekommen war.

Die Fußstapfen seines Landsmannes konnte Lavezzi in den fünf Jahren freilich nicht ausfüllen. Aber er wurde zu einem immens wichtigen Bestandteil des SSC.

„Insigne ist anders als Lavezzi!“, findet Pandev. In seinen Augen besser: „In Eins-gegen-Eins-Situationen sind sie sich ähnlich, aber Lorenzo hat ein besseres Auge für das Tor als Ezequiel.“

Tolle Zahlen mit Vorsicht genießen

Dabei hat Lavezzi in der Serie A in 156 Spielen immerhin 38 Mal getroffen. Kein überragender, aber ein respektabler Wert.

Insigne aber eilt der Ruf des ausgezeichneten Vollstreckers voraus. Zwei Jahre Leihzeit hat der Dribblanski zuletzt abseits Neapels verbracht. In der dritten Liga bei Foggia erzielte er 19 Treffer, in der abgelaufenen Saison bei Serie-B-Champion Pescara gelangen ihm 18 Tore und 14 Assists.

Diese Zahlen sind aber mit Vorsicht zu genießen. Bei beiden Klubs spielte der Youngster unter Zdenek Zeman, ein Offensiv-Apostel vor dem Herrn, dessen Teams immer eine Vielzahl an Toren erzielen. „Er war fundamental für meine Entwicklung“, huldigt Insigne seinem Förderer.

Mazzarri bittet um Ruhe

Sein neuer, alter Trainer ist Walter Mazzarri, der ihm am 24. Jänner 2010 beim Auswärtsspiel in Livorno schon eine Einsatzminute in der Serie A schenkte. Der 50-Jährige geht in seine vierte Saison auf der Napoli-Bank. Die Mechanismen im Umfeld des zweifachen Meisters kennt er nur zu gut.

Deshalb will der Coach, der Insigne im neu eingeführten 3-4-1-2 am liebsten neben Edinson Cavani an vorderster Front einsetzt, auch gar nicht zu viel über seinen neuen Schützling sagen.

Und wenn er dann doch über ihn spricht, klingt das so: „Ihm fehlt es nicht an Fähigkeiten, aber er muss beweisen, dass er dem Druck des Umfelds standhalten kann. Er muss am Boden bleiben, konstant seine Leistungen bringen und wir müssen ihn in Ruhe lassen.“

Denn Lorenzo Insigne ist kein Heilsbringer, er wird mit Sicherheit kein neuer Maradona. Was er aber sein kann, ist ein formidabler Ersatz für Lavezzi. Und am Ende des Tages würde das den Ansprüchen der Tifosi in Neapel dann ja vorerst auch genügen.


Harald Prantl

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