Klose: Mehr "Sein" als "Schein"

Aufmacherbild
 

Miroslav Klose - Der stille Torjäger

Aufmacherbild
 

Er ist kein Mann großer Worte. Präpotente Ankündigungen, Verhöhnung des Gegners, Eskapaden oder Pfauengehabe a la Stefan „Tiger“ Effenberg sind einfach nicht seine Art.

Miroslav Klose ist ein ruhiger Zeitgenosse und gehört somit einer Gattung an, die im heutigen Profifußball vom Aussterben bedroht ist. Immer mehr wird das Getöne auf und neben dem Platz Teil des Fußballs wie Tore, Fouls und Laufarbeit.

Doch der deutsche Nationalstürmer zeigt bereits seit über einer Dekade, dass man in diesem Geschäft auch bestehen kann, ohne ein Selbstdarsteller zu sein.

Anfang in der Pfalz

Seine ersten Schritte im bezahlten Fußball machte der in Oppeln (Polen) unter dem Namen Miroslaw Marian Kloze geborene Angreifer beim FC 08 Homburg in der Regionalliga. Nach nur einem Jahr führte ihn sein Weg zum 1. FC Kaiserslautern. Zuerst in der Amateurmannschaft wurden die Verantwortlichen des Profikaders in der Pfalz sehr schnell auf den damals 21-Jährigen aufmerksam.

Mit der Empfehlung von 25 Toren in 50 Spielen für die Amateure kam Klose im April 2000 zu seinem ersten Bundeligaeinsatz für die „Roten Teufel“ und debütierte bereits ein Jahr später, genauer gesagt am 24. März 2001, in der deutschen Nationalmannschaft. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, wohl nicht einmal der Stürmer selbst, welch glorreiche Zeiten auf ihn in der schwarz-rot-goldenen Auswahl zukommen sollten.

Mittlerweile kennt jeder die Zahlen, die den 182 Zentimeter großen Nationalspieler zu einer unvergesslichen Größe in der deutschen Fußballgeschichte avancieren lassen. Mit 112 Länderspielen hat nur Lothar Matthäus (150) öfter den deutschen Teamdress getragen. Mit 62 Toren ist er hinter dem legendären Gerd Müller (68) der zweitbeste Torschütze in der DFB-Historie. Mit seinen 14 Toren bei Weltmeisterschaften liegt er gemeinsam mit dem eben genannten „Bomber der Nation“ auf Rang zwei der erfolgreichsten WM-Torschützen aller Zeiten. Vor ihm nur der Brasilianer Ronaldo, der mit 15 Toren einen Treffer mehr auf dem Konto hat.

Die Jubelgeste, mit der Klose seiner Familie dankt

Familie als großer Rückhalt

Es ist vielleicht auch kein Zufall, dass seine Zwillinge während der Saison auf die Welt kamen, in welcher Klose zum bisher einzigen Mal Bundesliga-Torschützenkönig wurde.

Die Familie gibt dem Nationalstürmer den nötigen Rückhalt, für den er sich mittels einer bestimmten Geste beim Torjubel bedankt. Dabei streckt er drei Finger in die Luft, während Daumen und Zeigefinder einen Kreis bilden.

Längst hat das Bekenntnis zur Familie den legendären „Klose-Salto“ als Jubelpose abgelöst. Die Bedeutung ist tiefgründig: Die drei Finger stehen für Frau Sylwia und die beiden Söhne Luan und Noah. Der Kreis soll den Zusammenhalt der Familie und gleichzeitig den Ehering symbolisieren.

Vertrauen, Familie und Tore – Drei Schlagworte die unmittelbar mit der Karriere von Miroslav Klose verbunden sind.

Nach seinen zwei durchwachsenen Jahren bei den Bayern, wagte Klose mit 33 Jahren nochmals den Schritt ins Ausland und fand in Rom bei Lazio seine neue Heimat.

Neuer Klub, alte Stärke

Als Star-Transfer und Heilsbringer wurde er in der ewigen Stadt gefeiert. Zumindest in den ersten sechs Liga-Spielen wurde Klose den Ansprüchen mehr als gerecht. Die italienische Presse überschlug sich mit Superlativen.

"Klose macht die letzten großen Lazio-Stürmer Vieri und Crespo vergessen", huldigt der römische „Corriere dello Sport“ dem Deutschen.

 „Ruhig, nie vorlaut, ein Vorbildprofi und charismatischer, bescheidener Champion", schrieb das Lokalblatt „Il Messaggero“ über den neuen Lazio-Angreifer.

Bei all den Ausführungen über seine ruhige und zurückhaltende Art, wirkt die Tatsache, dass Klose in einem Musikvideo der Band Room77 mitwirkte, eher befremdlich.

Dass es sich bei Room77 um die Rockkapelle seines damaligen Mannschaftskollegen Andreas Görlitz handelte und der Erlös der Single einem wohltätigen Zweck zu Gute kam, macht die Sache schon eher verständlich. Darüber hinaus ist der Auftritt des Angreifers gemeinsam mit Mario Gomez und Philipp Lahm gelinde gesagt reichlich unspektakulär.

Spektakulärer wurde es da schon als Klose am vergangenen Sonntag im Römer Derby den Sieg für seinen neuen Klub Lazio über den Stadtrivalen AS Roma fixierte. In der 93. Minute traf der "Deutsche Panzer", wie er zu Beginn in Italiens Presse spöttisch genannt wurde, mit einem platzierten Schuss in die untere Ecke zum 2:1-Endstand. Es war bereits der vierte Treffer im sechsten Meisterschaftsspiel für Klose.

Die ewige Stadt, beziehungsweise der Teil, der Lazio die Daumen drückt, liegt dem Stürmer zu Füßen. Klose selbst lässt der ganze Trubel um seine Person aber relativ kalt.

Ganz nach dem Motto, welches seine Karriere perfekt beschreibt:

Mehr „Sein“ als „Schein“

Sebastian Rauch

Abhängig vom Vertrauen in seine Person

Trotz der beeindruckenden Zahlen war der Bundesliga-Torschützenkönig aus der Saison 2005/06 nicht immer unumstritten.

Sowohl bei Werder Bremen (2004-2007) als auch später bei Bayern München (2007-2011) hatte Klose seine Durchhänger. In seiner letzten Saison an der Weser kam er „nur“ auf 13 Saisontore und konnte in elf aufeinanderfolgenden Spielen nicht anschreiben. In seiner Abschiedssaison bei Bayern München verbuchte der Nationalstürmer in 20 Bundesligaspielen lediglich ein Tor, im Jahr zuvor war die Statistik mit 25 Spielen und drei Treffern nur unmerklich besser.

Ein genauerer Blick hinter die Kulissen lohnt sich, sind die Gründe für die „künstlerischen Pausen“ doch nicht im fußballerischen Können des Besagten, als viel mehr in dessen Psyche zu suchen.

Wie eingangs erwähnt ist Klose ein Mann, der großes Brimborium um seine Person nicht braucht. Ebenso mag es der mittlerweile 31-Jährige nicht, wenn in seinem Umfeld Dinge aus dem Lot geraten. Klose ist harmoniebedürftig wie kaum ein anderer Profi auf dem internationalen Parkett. Seine Leistungen auf dem Platz hängen unmittelbar mit dem Vertrauen in seine Person zusammen.

Hat er nicht die volle Rückendeckung, leidet seine Leistung auf dem Patz darunter.

Schwere Zeiten in Bremen und München

Als die Spekulationen um einen möglichen Wechsel von Bremen nach München die Runde machten und der Stürmer von den eigenen Fans im Stadion angefeindet wurde, brachte das den Vollblut-Stürmer aus dem Tritt. Die schon erwähnte Durststrecke im grün-weißen Trikot war die Folge.

Als Mario Gomez bei den Bayern unterschrieb, wurde Klose zum Reservisten. In den wenigen Einsätzen von Beginn an konnte der Stürmer auch nicht überzeugen. Das mangelnde Vertrauen des Trainers in seine Fähigkeiten und das Gefühl des Atems der Konkurrenz im Nacken nahm dem Stürmer die Leichtigkeit und seinen Torinstinkt.

Ein Gegenbeispiel: In der Nationalmannschaft ist Klose trotz verschiedenster Konkurrenten seit Jahren unumstritten. Obwohl zahlreiche Kritiker die Aufhebung der Stammplatzgarantie Kloses forderten, hielt Bundestrainer Jogi Löw an ihm fest. Der Stürmer zahlte das Vertrauen mit Toren zurück.

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen