Serie-A-Kicker treten in den Streik

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15 Jahre nach dem ersten Streik in der Serie A verweigern Italiens Fußballer wieder die Arbeit. Der Streit um den neuen Lizenzspielervertrag legt den "Calcio italiano" lahm und bringt viele auf die Barrikaden.

Wie zuvor schon in Spanien ruht nun auch zum geplanten Saisonauftakt dieses Wochenende in der Serie A der Ball.

Nicht wegen nicht gezahlter Spielergehälter wie in der Primera Division, sondern wegen zweier Lappalien im neuen Lizenzspielervertrag, einer Menge Eitelkeiten und vielen Streithähnen, die nach einem wochenlangen Konfrontationskurs unfähig zum Kompromiss waren.

Die "Tifosi" sind wütend, Fußballverbandschef Giancarlo Abete "zutiefst enttäuscht", NOK-Chef Gianni Petrucci aufgebracht und die Politik alarmiert.

Kurioser Streik

"Das ist der ungewöhnlichste Streik in der Geschichte des Landes", sagte Italiens Sport-Staatssekretär Rocco Crimi am Freitag. Erst hatte die Spielergewerkschaft (AIC) offiziell ihren lange angedrohten Streik ausgerufen, dann sagte der Fußballverband (FIGC) den ersten Spieltag ab.

Alle Appelle waren verhallt. "Streikt nicht!", hatte die "Gazzetta dello Sport" noch am Freitag im Namen der Fans gefleht und der wohl auch um seine Werbeeinnahmen fürchtende Pay-TV-Sender Sky hatte die Spieler gemahnt: "Verratet eure Tifosi nicht!"

Die Fronten aber sind derart verhärtet, dass Verbandschef Abete nun zurecht sogar einen längeren Streik befürchtet. Bis zur zweiten Runde am 10. September bleiben zwei Wochen, um die Gemüter abzukühlen.

Nicht gut für den Sport

Dazwischen muss Teamchef Roberto Donadoni mit seinen "Azzurri" zwei EM-Qualifikationsspiel mit Spielern ohne Liga-Spielpraxis bestreiten.

Viel schlimmer aber ist der von Petrucci beklagte Imageschaden für den italienischen Sport. Er warf den Kontrahenten "Unfähigkeit" und "Egoismus" vor.

Vor allem der Tonfall der immer mehr zur Schlammschlacht verkommenden Auseinandersetzung sei "inakzeptabel", betonte Staatssekretär Crimi.

Mitten in der dramatischen Finanzkrise schauen die Italiener fast angewidert auf den Hauptstreitpunkt: Die Vereine verlangen, dass die sonst netto bezahlten Profis eine geplante Solidaritätssteuer in Italien selbst zahlen.

Streit um Steuern

Für die Kicker sind das Peanuts, auf die Liga insgesamt käme eine Sondersteuer von über 50 Millionen Euro zu. Die Spieler sagen: Selbstverständlich zahlen wir unsere Steuern, im Lizenzspielervertrag fixieren wollen sie es aber nicht.

"Warum?", fragt Liga-Präsident Maurizio Beretta. Als Verbandschef Abete der Liga bei seinem letzten Vermittlungsversuch am Donnerstag eine Bürgschaft des Verbands in Höhe von 20 Millionen Euro für nicht steuerliche Spieler anbot, lehnte die Liga trotzdem ab.

Auch einen von der AIC am Freitag noch offerierter Übergangsvertrag für ein Jahr wischte die Liga vom Tisch.

Nebenher geht es auch noch um die Trainingsfrage. Die Clubs wollen ihre Kader in Gruppen aufgeteilt trainieren können. Die Spielergewerkschaft lehnt dies ab, weil sie eine Abschiebung in Ungnade gefallener Spieler befürchtet.

Mit etwas gutem Willen wären beide Fragen lösbar. Die Verhandlungen aber gipfelten in einer Machtprobe. Für die Liga mit ihren sich gegenseitig mit Polemik überbietenden Vereinsfürsten ging es am Ende nur noch ums Prinzip und für die Profi-Gewerkschaft um ihre Glaubwürdigkeit.

2010 hatten sie zweimal Streiks ausgerufen und knickten zweimal ein. Jetzt blieb sie hart.

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