Violettes Niemandsland

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Die Florentiner Lilie soll wieder blühen

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Es ist nicht lange her, da warf die AC Fiorentina beinahe den großen FC Bayern aus der Champions League.

Im Achtelfinale der Spielzeit 2009/10 setzten sich die Münchner letztendlich nur aufgrund der Auswärtstorregel bei einem Gesamtscore von 4:4 durch.

So unglücklich das letzte Auftreten des Florentiner Klubs in der Königsklasse auch war, sehnen sich die Tifosi nach dieser Zeit.

Die Aktualität in der Stadt am Arno sieht anders aus. Vorbei sind die Jahre, in denen man unter Trainer Cesare Prandelli zwei Mal die Champions League und 2008 das Halbfinale des damaligen UEFA-Cups erreicht hat.

Sinisa Mihajlovic, Nachfolger des nunmehrigen Italien-Teamchefs, scheiterte an den zu großen Fußstapfen und musste nach knapp 15 Monaten im Amt seinen Hut nehmen. Zwölf Punkte aus zehn Spieltagen und Tabellenrang 13 waren den Verantwortlichen rund um Präsident Mario Cognigni zu wenig.

Hoffnungsträger Delio Rossi

Seit 7. November hat nun Delio Rossi das Sagen auf der violetten Trainerbank, doch scheint der große Umschwung weiter auf sich warten zu lassen.

Einem beachtlichen 0:0 gegen Meister AC Milan am zwölften Spieltag folgte eine Woche darauf mit dem 0:2 in Palermo der nächste Rückschlag.

Die Niederlage war doppelt so bitter für Rossi, der von 2009 bis 2011 selbst in der sizilianischen Hauptstadt tätig war. Nach diesen zwei weiteren sieglosen Spielen findet sich die „Viola“ mittlerweile auf dem 16. Tabellenrang wieder, nur drei Punkte entfernt von der Abstiegsregion.

Beunruhigung macht sich breit

„Wir befinden uns in einer negativen Situation, ein bisschen wie die AS Roma, aber wir wollen reagieren und sie am Sonntag schlagen“, spricht Verteidiger Manuel Pasqual in der „Gazzetta dello Sport“ gleich den nächsten Gegner an.

Der 29-Jährige ist einer der vielen Florentiner mit Nationalteam-Erfahrung. Mit Riccardo Montolivo, Alberto Gilardino, Stevan Jovetic oder Juan Vargas tragen zudem einige Spieler, die zum Besten gehören, was die Serie A zu bieten hat, den violetten Dress mit der Lilie.

Dass die Kaderstärke nicht der derzeitigen Tabellen-Situation entspricht, ist unbestritten. Schon vor der Entlassung von Mihajlovic machte der Vorstand klar, dass die Verantwortung für Niederlagen nicht beim Trainer allein liegt. Vielmehr sei man von den Leistungen einiger Spieler enttäuscht.

Die Personalie Montolivo

Neo-Trainer Rossi versucht nun, rechtzeitig vor dem Duell mit der Roma das vorhandene Potential mithilfe intensiver Trainingseinheiten und Freundschaftsspielen unter der Woche wieder auszuschöpfen.

Anstatt sich voll auf die angestrebte Trendwende zu konzentrieren, stören allerdings wieder allbekannte Transfergerüchte das ohnehin schon gebeutelte Mannschaftsgefüge.

Oberstes Objekt der Begierde ist Mittelfeld-Regisseur Montolivo. Italiens Top-Vereine, allen voran Juventus Turin, unternehmen die nächsten Versuche, den 26-Jährigen bereits in der Winterpause zu verpflichten.

„Wir respektieren die Entscheidung der Fiorentina, Riccardos Dienste bis zum Ende der Saison in Anspruch zu nehmen“, beurteilt Montolivos Manager Giovanni Branchini einen vorzeitigen Abgang seines Schützlings als schwierig.

Geld oder Leben?

Der Vertrag des 31-fachen Internationalen läuft im Sommer aus. Die letzte Chance, aus dem vielleicht wertvollsten Spieler noch Kapital zu schlagen, wäre also in der Winterübertrittszeit.

Doch nötiger als Millionen scheint der Verein momentan Punkte zu haben. Und für diese soll eben auch Montolivo sorgen.

Der Sohn einer deutschen Mutter und ehemalige Fiorentina-Kapitän dürfte einem Verbleib nicht abgeneigt sein.

Schließlich will auch er nicht mit ansehen, wie das Erbe seines Mentors Prandelli in Florenz völlig verblasst.


Christian Eberle

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