Der LAOLA1-Favoriten-Check zur Serie A

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Wenn am Samstag mit der Serie A die letzte große europäische Liga startet, steht vor allem eine Frage im Raum:

Wer fügt dem ungeschlagenen Meister, Juventus Turin, die erste Liga-Niederlage seit einem Jahr zu?

Alle jagen Juve

Die "Bianconeri" gelten in dieser Spielzeit als Top-Kandidat auf den Titel, auch, weil sich die Dauer-Konkurrenz aus Mailand und Rom im Umbruch befindet.

Neben Inter Mailand, AC Milan, AS Roma und Lazio Rom ist dem SSC Napoli, Udinese Calcio und dem AC Fiorentina einiges zuzutrauen.

LAOLA1 nimmt die Favoriten auf den Scudetto unter die Lupe und wagt eine Prognose für die Saison 2012/2013:

Juventus Turin

Letzte Saison

23 Siege, 15 Unentschieden, keine Niederlage. 68:20 Tore. Italiens Rekordmeister meldete sich nach zwei verheerenden Spielzeiten, in denen man sich jeweils mit Rang sieben zufrieden geben musste, in der abgelaufenen Saison eindrucksvoll zurück und konnte den 28. Serie-A-Titel feiern. Vor allem im neuen Juventus Stadion begeisterten die „Bianconeri“ mit offensivem Fußball. Im Cup war erst im Finale gegen Napoli Endstation, Juve spielte also beinahe eine perfekte Saison.

Transfers

Bei den Abgängen sticht natürlich Alessandro Del Piero, der nach 19 Jahren bei Italiens Rekordmeister keinen neuen Vertrag mehr erhalten hat, heraus. Das 37-jährige Juve-Idol kam zwar noch auf 22 Einsätze, wurde jedoch zumeist nur eingewechselt. Milos Krasic (Fenerbahce Istanbul), Eljero Elia (Werder Bremen) und Weltmeister Fabio Grosso (vereinslos) standen in der letzten Saison fast nie im Kader. Aus österreichischer Sicht ist noch der Abgang von Alexander Manninger erwähnenswert.

Sportdirektor Giuseppe Marotta hat den Kader der „alten Dame“ gezielt in der Breite verstärkt, um die Mehrbelastung durch das internationale Geschäft zu verkraften. Mit Lucio wurde ein erfahrener Mann für die Defensive von Inter Mailand geholt. Aus Udine kamen Kwadwo Asamoah und Mauricio Isla, die das zentrale Mittelfeld um Claudio Marchisio, Andrea Pirlo und Arturo Vidal entlasten sollen. Dazu konnte man Manchester United mit dem 19-jährigen Paul Pogba eines der größten Mittelfeld-Talente Europas abluchsen. Im Angriff will Rückkehrer Sebastian Giovinco nach einer starken Saison bei Parma (15 Tore/16 Vorlagen) endlich auch bei seinem Heimatverein den Durchbruch schaffen.

Prognose: Platz 1

Die Doppelbelastung darf für eine Mannschaft wie Juventus Turin kein entscheidender Nachteil im Vergleich zur Vorsaison sein. Das Stammpersonal der Piemonteser besteht ausschließlich aus Nationalspielern, die es gewohnt sind, auf mehreren Hochzeiten zu tanzen. Durch den breiteren Kader wird man auch die eine oder andere Verletzung kompensieren können. Einziger Nachteil im Vergleich zur Vorsaison wird die Sperre von Antonio Conte sein. Da er allerdings die Mannschaft nur während der Spiele nicht coachen darf und mit Massimo Carrera ein Vertrauensmann diese Aufgabe übernimmt, ist dies wohl zu verkraften. Der Titel in Italien wird nur über Juventus gehen.

AC Milan

Letzte Saison

Der AC Milan spielte eine sehr gute Saison, einzig die starke Performance von Juventus Turin verhinderte eine erfolgreiche Titelverteidigung. Mit vier Punkten Rückstand wurde man immerhin Vizemeister und qualifizierte sich für die Champions League. Großen Anteil daran hatte allerdings der zu Paris abgewanderte Zlatan Ibrahimovic, der mit 28 Toren und zehn Vorlagen sowohl die Torschützen- als auch die Scorerwertung der Serie A anführte.

Transfers

Roma – Zambrotta, Silva, Nesta, Taiwo – van Bommel, Gattuso, Aquilani, Seedorf – Cassano, Ibrahimovic; Oddo, Merkel, Maxi Lopez, Inzaghi. Zugegeben, einige dieser Herren haben ihre beste Zeit bereits hinter sich. Dennoch müsste sich diese Mannschaft vor kaum einem Gegner verstecken. Das Problem ist, dass dies Milans Abgänge sind.

Namhaft verstärkt hat man sich bislang nur mit Riccardo Montolivo von AC Fiorentina sowie Cristian Zapata, der aus Villarreal kam. Außerdem holte man Giampaolo Pazzini (Inter) im Tausch für Cassano.

Prognose: Platz 4

Für Coach Massimiliano Allegri wird die dritte Saison bei den „Rossoneri“ wohl die bislang schwierigste. Der 45-Jährige muss nach dem Aderlass eine neue Mannschaft aufbauen. Bei Cagliari hat Italiens Trainer des Jahres 2011 jedoch schon bewiesen, dass er aus wenig Mitteln viel machen kann. Auch wenn Milan in Italien immer zu den Favoriten gehört, muss man einen Ibrahimovic und einen Silva erst einmal ersetzen. Sollte nicht noch der eine oder andere Kracher verpflichtet werden, wird man nicht zu den Titelkandidaten gehören.

Udinese Calcio

Letzte Saison

Was Francesco Guidolin in den letzten beiden Jahren aus der Mannschaft herausgekitzelt hat, sucht seinesgleichen. Ein vierter und ein dritter Platz standen am Ende für den Verein aus dem Friaul zu Buche. Scheiterte man in der vergangen Spielzeit noch in der CL-Qualifikation am FC Arsenal, so hat man dieses Jahr mit Sporting Braga das vermeintlich leichtere Los gezogen.

Transfers

Wie immer tat sich bei Udine viel über den Sommer. Zahlreiche verliehene Spieler kehrten zurück, eine noch größere Anzahl wurde wieder verliehen. Von den fixen Abgängen sind vor allem Kwadwoh Asamoah und Mauricio Isla hervorzuheben. Mit ihnen verlor Udine zwei Stützen im Mittelfeld an Juventus Turin. Inter Mailand sicherte sich überdies die Dienste von Goalie Samir Handanovic um sechs Millionen Euro.

Eingekauft wurde wie immer vor allem in Südamerika. Für den offensiven Mittelfeldspieler Maicosuel wurden 5,3 Millionen Euro hingeblättert, die beiden defensiven Willians und Allan waren den Klubverantwortlichen je drei Millionen wert. Im Tor soll Rückkehrer Zeljko Brkic, der an Siena verliehen war, den Abgang von Handanovic kompensieren. Ob der 26-Jährige aber in die Fußstapfen des Slowenen treten kann, darf bezweifelt werden.

Prognose: Platz 6

Wie so oft hängt bei den Norditalienern viel davon ab, ob die größtenteils in Europa unbekannten Neuzugänge einschlagen. Sollte dies der Fall sein und Antonio di Natale weiter nach Belieben treffen, so spielt man wieder um die internationalen Plätze mit. Andernfalls droht ein Abrutschen ins Mittelmaß.

Lazio Rom

Letzte Saison

Der vierte Platz war das beste Ergebnis der Römer seit der Saison 05/06, trotzdem nahm Coach Edie Reja seinen Hut und zog damit die Konsequenzen aus den ständigen Querelen mit Lazio-Präsident Claudio Lotito. "Der vierte Platz in der Tabelle genügt vielen nicht. Natürlich haben wir das Ziel der Champions League verfehlt, aber der Kader ist im Januar nicht verstärkt und durch mehrere Verletzungen belastet worden", war Reja auch von der Erwartungshaltung in der Hauptstadt enttäuscht.

Transfers

Die Römer waren bislang auf dem Transfermarkt sehr zurückhaltend. Für fünf Millionen Euro kam der Brasilianer Ederson von Olympique Lyon, und Antonio Candreva wurde erneut von Udine ausgeliehen. Das wars aber schon mit den Einkäufen, denn auch bei Lazio regiert der Rotstift.

Allerdings hat man mit den Rückkehrern Mauro Zarate (Inter) und Sergio Floccari (Parma), die beide letzte Saison verliehen waren, zwei neue Alternativen in der Offensive.

Prognose: Platz 7

Lazios Ziel ist die Champions League. Letzte Saison schrammte man nur knapp daran vorbei, auch weil die Verletzung von Torgarant Miroslav Klose sicher den einen oder anderen Punkt kostete. Mit Zarate und Floccari ist man im Sturm nun deutlich breiter aufgestellt. Allerdings wurde erneut nichts in die Defensive, die mit 47 Gegentoren die meisten der Top Fünf hinnehmen musste, investiert. Auch der Abgang von Reja ist sicherlich nicht als Vorteil zu werten, vor allem, weil der neue Mann, Vladimir Petkovic, bislang nur über Trainererfahrung in der Schweiz und der Türkei verfügt und die rauhe Medienlandschaft in Rom nicht gewöhnt ist.

SSC Napoli

Letzte Saison

Napoli musste der Doppelbelastung durch die erstmalige Teilnahme an der Champions League Tribut zollen und beendete die Saison auf dem fünften Rang, womit die neuerliche Qualifikation für die Königsklasse verpasst wurde. Mit dem Sieg in der Coppa Italia konnte man dennoch einen Titel feiern.

Transfers

Den Abgang von Ezequiel Lavezzi wird man in der Stadt am Vesuv sicher spüren. Immerhin spülte der Transfer 26 Millionen Euro in die klammen Kassen.

Napoli bediente sich beim Ligakonkurrenten AC Fiorentina von wo der Innenverteidiger Alessandro Gamberini und Mittelfeldmann Valon Behrami verpflichtet wurden. Der teuerste Transfer kam bereits im Winter: Für Eduardo Vargas überwiesen die Süditaliener 11,4 Millionen Euro an Club Universidad de Chile. Wurde der Chilene in der Rückrunde noch an das Niveau der Serie A herangeführt, wird er nun gemeinsam mit dem zurückgekehrten Youngster Lorenzo Insigne wohl Lavezzi ersetzen müssen.

Prognose: Platz 3

Seit Walter Mazzarri das Traineramt bei Neapel innehat, beendeten die Süditaliener die Meisterschaft nie auf einem schlechteren als dem sechsten Rang. Bereits in der Supercoppa gegen Juventus Turin zeigten die Süditaliener, dass wieder mit ihnen zu rechnen sein wird. Die Hoffnungen der Fans ruhen auch auf Insigne, der – wie so viele vor ihm – als der neue Maradona gefeiert wird. Ohne die Doppelbelastung durch die Champions League ist für Napoli diese Saison wieder ein Top-3-Platz möglich.

Inter Mailand

Letzte Saison

2011/2012 war eine Saison zum Vergessen für Inter Mailand. Nach einem schwachen Saisonstart entließ man den zu Saisonbeginn geholten Gian Piero Gasperini. Auch sein Nachfolger Claudio Ranieri blieb nicht lange im Amt. Nach der 0:2-Niederlage gegen Juventus im März wurde er durch den erst 36-jährigen Andrea Stramaccioni ersetzt. Am Ende stand Platz sechs, womit die Champions League erstmals seit zehn Jahren ohne Beteiligung der „Nerazzurri“ über die Bühne gehen wird.

Transfers

Der Wechsel von Stamm-Innenverteidiger Lucio zum Rivalen Juventus Turin sorgte für Erstaunen, wurde der Vertrag des Brasilianers doch eigentlich aufgelöst, damit dieser in die Wüste wechseln kann. Mit Ivan Cordoba müssen die Lombarden auf einen weiteren Verteidiger verzichten. Der Kolumbianer beendete nach 12 Jahren und 455 Pflichtspielen bei Inter seine Karriere. Die Ehe zwischen Diego Forlan und Mailand hielt hingegen nur eine Saison. Den Torjäger zog es zurück nach Südamerika zu International Porto Allegre.

Verpflichtet haben die „Nerazzuri“ bislang Torhüter Samir Handanovic von Udine, Palermo-Abwehrspieler Matias Silvestre, sowie Rodrigo Palacio vom CFC Genoa für den Angriff. Um die Kreativabteilung zu unterstützen, kam Cassano vom Lokalrivalen AC Milan im Tausch für Pazzini.

Prognose: Platz 2

Der große Transfer-Kracher blieb noch aus, auch Inter Mailand muss sparen. Allerdings haben die Lombarden bis auf Lucio keine nennenswerten Abgänge zu verzeichnen. Mit Jung-Coach Andrea Stramaccioni scheint nach einem turbulenten Jahr endlich Ruhe bei den „Nerazzurri“ eingekehrt zu sein. Unter seiner Regie mussten die Mailänder in neun Serie-A-Partien lediglich zwei Niederlagen einstecken und qualifizierten sich so noch fürs internationale Geschäft. Gibt es nicht erneut einen Fehlstart, spielt man um den Titel mit.

AS Roma

Letzte Saison

 Vor der Saison 2011/2012 herrschte Aufbruchstimmung in Rom. Mit dem neuen Eigentümer Thomas Di Benedetto und Luis Enrique als Coach war das Erreichen der Champions League das erklärte Ziel. Nach einer durchwachsenen Spielzeit konnte man sich jedoch nicht einmal für die Europa League qualifizieren. Der Spanier schmiss hin, Zdenek Zeman wurde verpflichtet und soll die Roma zurück nach Europa führen.

Transfers

Gabriel Heinze und Juan verließen die Römer in Richtung Heimat. Der 34-jährige Argentinier kickt künftig für die Newells Old Boys, der Brasilianer Juan schnürt seine Schuhe für Internacional Porto Allegere. David Pizarro, der die Rückrunde an Manchester City verliehen war, wechselt zur AC Fiorentina. Weiters kehrt der von Wolfsburg ausgeliehene Verteidiger Simon Kjaer nach Deutschland zurück. Auch Stürmer-Talent Fabio Borini wurde abgegeben, er geht künftig für den FC Liverpool auf Torejagd.

Eingekauft wurde in Italiens Hauptstadt auch. Außenverteidiger Federico Balzaretti kam aus Palermo, der Amerikaner Michael Bradley von Chievo Verona. Im Sturm soll Mattia Destro den Abgang von Borini kompensieren.

Prognose: Platz 5

Mit Zeman haben sich die Römer eine italienische Trainer-Legende ins Boot geholt, die den Offensiv-Fußball predigt wie kein anderer im Land des Weltmeisters von 2006. „Ein Querpass ist zwecklos“, lautet seine Devise. Er will schnelles, schnörkelloses Spiel nach vorne sehen, er will den bedingungslosen Angriffsfußball, den er bis jetzt bei jeder seiner Trainerstationen spielen ließ. Das kann aber – gerade in der Serie A - nach hinten losgehen. Wenn sich die Roma nicht noch defensiv verstärkt, wird man nicht um die Champions-League-Plätze mitspielen.

AC Fiorentina

Letzte Saison

Seit dem Abgang von Cesare Prandelli als Chefcoach im Jahr 2010 läuft es bei der „Viola“ nicht rund. War man zuvor vier Jahre lang international vertreten, folgte in der abgelaufenen Spielzeit der Tiefpunkt. Sinisa Mihajlovic wurde nach schwachem Start bereits am elften Spieltag entlassen und durch Delio Rossi ersetzt. Aber auch er konnte das Ruder nicht mehr herumreißen und so beendete man die Saison auf Platz 13.

Transfers

Kein Stein blieb bei den Toskanern auf dem anderen. Valon Behrami und Alessandro Gamberini verließen Florenz in Richtung Rom, auch Keeper Boruc wurde abgegeben. Am meisten Schmerzen wird jedoch der Abgang von Kapitän Riccardo Montolivo, der sich dem AC Milan anschloss.

Aber auch eingekauft wurde fleißig. Für die Torhüterposition wurde Emilian Viviano von US Palermo verpflichtet. Die Defensive verstärken Gonzalo Rodriguez (FC Villarreal) und Mattia Cassani (US Palermo) und fürs Mittelfeld konnte man mit David Pizarro (AS Rom, zuletzt an Manchester City verliehen/ablösefrei), Borja Valero (FC Villarreal/7 Mio.) und Alberto Aquilani (FC Liverpool, zuletzt an Milan verliehen/2 Mio.) drei Hochkaräter holen. Im Sturm liegen die Hoffnungen auf dem Marokkaner Mounir El Hamdaoui, der für 800.000 Euro von Ajax Amsterdam kam, letzte Saison aber aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit Coach Frank de Boer nur in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kam.

Prognose: Platz 8

Nicht nur die Mannschaft wurde runderneuert, mit Vincenzo Montella soll auch ein neuer Trainer dafür sorgen, dass die Fiorentina wieder international vertreten ist. Der 38-Jährige coachte in der abgelaufenen Saison Catania Calcio und führte die Sizilianer mit Platz elf zur besten Platzierung seit dem Aufstieg im Jahr 2006. Wenn sich die Mannschaft schnell findet, wird man wieder um die Europa-League-Plätze mitspielen.

 

Fabian Santner

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