Vom Ländle aus zu Inter Mailand

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Vom Ländle aus zu Inter Mailand

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Rund 300 Zuseher waren am Sonntagnachmittag Mitte September 2006 im Rankweiler Gastra-Stadion zugegen.

Was sie damals sahen, hat die meisten von ihnen bestimmt gefreut. Nach nur drei Punkten aus den ersten sieben Spielen schoss Rot-Weiß Rankweil die Amateure von Austria Lustenau mit 5:1 ab.

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere von ihnen ja sogar noch an dieses Spiel. Und an so manchen Kicker des Gegners, der es anschließend zu heimischer Kicker-Semiprominenz gebracht hat – Peter Pöllhuber und Patrick Seeger etwa.

Fuchsbichler konnte ihn nicht gebrauchen

Und dann war da noch der Bosnier Ervin Zukanovic. Ein 1,88 Meter großer, dunkelhaariger Abwehrspieler. Im Sommer hatte ihn die Lustenauer Austria vom FK Zeljeznicar Sarajevo ins Ländle geholt, in Rankweil bestritt er sein erstes Pflichtspiel in Österreich – für die Amateure.

Denn Trainer Heinz Fuchsbichler hatte keine Verwendung für den 19-Jährigen. Robert Golemac und Christoph Stückler waren über weite Strecken der Zweitliga-Saison die Innenverteidiger seines Vertrauens.

Nach nur einer Saison und 20 Einsätzen in der Regionalliga West verließ Zukanovic Lustenau wieder und heuerte in seiner Heimat bei Velez Mostar an. Ein halbes Jahr später kehrte der Abwehrspieler nach Vorarlberg zurück und kickte für ein halbes Jahr in der vierthöchsten Spielklasse Österreichs – beim FC Sulzberg.

Jetzt will ihn Inter

In diesem Sommer wird Lustenau und Sulzberg die Vergangenheit einholen. Beide Klubs werden Geld dafür bekommen, an der Ausbildung des Bosniers mitgewirkt zu haben. Wenn die Meldung der „Gazzetta dello Sport“ stimmt, wird Inter Mailand jener Klub sein, der mehrere tausend Euro ins Ländle überweist.

Richtig, Zukanovic steht unmittelbar vor einem Wechsel zu Inter Mailand. Rund 3,5 Millionen Euro sollen die „Nerazzurri“ Ablöse für jenen Mann, der es nicht in Lustenau, aber bei Chievo Verona geschafft hat, bezahlen. Und wenn es nicht Inter wird, dann vielleicht Fiorentina oder Lazio – auch diese beiden Vereine zeigen reges Interesse an einer Verpflichtung des mittlerweile 28-Jährigen.

Lustenau und Sulzberg verdienen mit

Dass Austria Lustenau und der FC Sulzberg an diesem Transfer mitverdienen, liegt am Solidaritätsbeitrag, der allen Vereinen, bei denen ein Kicker zwischen seinem zwölften und 23. Geburtstag gespielt hat, im Falle einer Ablösesumme zusteht. Sollte Zukanovic tatsächlich für 3,5 Millionen Euro wechseln, bekäme Lustenau 0,5 Prozent, also 17.500 Euro und Sulzberg, wo er nur ein halbes Jahr gespielt hat, immerhin noch 8.750 Euro.

Dass das Talent des mittlerweile siebenfachen Internationalen nicht erkannt wurde, kann man in Lustenau wohl niemanden vorwerfen. Denn auch die weitere Vita des Bosniers liest sich nicht gerade berauschend. Ein halbes Jahr in der deutschen Regionalliga beim KFC Uerdingen, danach eineinhalb Jahre beim chronischen Nachzügler FCV Dender in der damals 18 Teams umfassenden ersten belgischen Liga.

Bei Chievo hat sich Zukanovic für höhere Aufgaben empfohlen

Aufstieg in Belgien

In Belgien pendelte Zukanovic schließlich zwischen erster und zweiter Liga hin und her – KAS Eupen und KV Kortrijk waren seine Arbeitgeber. So weit, so unspektakulär. Doch im Winter 2012/13 klopfte KAA Gent an und verpflichtete den Verteidiger, der fortan Stammspieler war.

Weil der Abwehrspieler Ende 2012 sein Länderspiel-Debüt feiern durfte und im Frühjahr 2013 sogar Stammkraft in der Nationalmannschaft war, wurde Chievo auf ihn aufmerksam und lieh ihn vergangenen Sommer aus.

Hätte Zukanovic nicht die WM 2014 in Brasilien wegen eines Visum-Streits mit dem bosnischen Verband verpasst, wäre womöglich schon damals ein größerer Verein auf der Matte gestanden. Der Kicker hatte nämlich den Verband dafür verantwortlich gemacht, nicht ins WM-Vorbereitungs-Trainingslager in die USA einreisen zu dürfen.

In der Serie A gesetzt und begehrt

Für einen Legionär in der Serie A ungewöhnlich, erkämpfte sich der Bosnier in Verona sofort einen Stammplatz und wurde zum Linksverteidiger umgeschult.

Chievo wird im Sommer die Kaufoption für eine Million Euro ziehen und den mittlerweile pardonierten bosnischen Teamspieler um zumindest das Dreifache des Geldes verkaufen.

Wenn sie das an diesem Sonntagnachmittag Mitte September 2006 im Rankweiler Gastra-Stadion gewusst hätten…

Harald Prantl

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