Milans "kleiner Pharao"

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Viele trauten ihren Ohren nicht, als Enrico Preziosi im vergangenen Oktober seine Expertisen kundtat.

Der Präsident des Genoa CFC wurde zum Formtief des italienischen Nationalteams befragt. Ob es denn Talente gäbe, die der „Squadra Azzurra“ helfen könnten.

Andrea Ranocchia und Stephan El Shaarawy waren die Namen, die er nannte. „Sie sind schon jetzt bereit für die Nationalmannschaft“, befand Preziosi.

Im Falle von Ranocchia stimmten nicht wenige mit ihm überein. Aber El Shaarawy? Der Teenager war doch eben erst in die zweite Liga zu Padova verliehen worden.

Milan öffnet die Geldbörse

Ein Dreivierteljahr später sollte sich herausstellen, dass der Genoa-Boss mit dem Lob für den Youngster nicht ganz Unrecht hatte. Wenngleich es der 18-Jährige noch nicht ins Nationalteam geschafft hat.

6,5 Millionen Euro plus das deutsche Talent Alexander Merkel waren dem AC Milan 50 Prozent der Transferrechte an dem Sohn einer Italienerin und eines Ägypters angeblich wert. Zahlen, die für sich sprechen.

„Er ist bereits jetzt sehr gut und er wird sich zu einem erstklassigen Spieler entwickeln. Er ist der Spielertyp, den wir brauchen, um einen neuen Zyklus einzuleiten und in Europa wieder konkurrenzfähig zu werden“, huldigte Milan-Coach Massimiliano Allegri dem Talent bereits kurz vor dem Transfer.

In der Serie B traf das Talent neun Mal

Der ehemalige Chievo-Profi ist nicht der einzige, dem sofort klar wurde, wie talentiert „der kleine Pharao“, wie sie ihn in Italien nennen, ist. „Als ich ihn zum ersten Mal am Ball sah, wusste ich, dass er ein echtes Talent ist“, erinnert sich der aktuelle Inter- und damalige Genoa-Coach Gian Piero Gasperini.

Er war es auch, der El Shaarawy im Februar 2010 zu dessen Debüt in der Serie A verhalf. In der 36. Runde setzte er ihn ein zweites Mal ein.

Milan lässt sich Zeit

Nun brennt der vielfache Nachwuchs-Internationale darauf, ein drittes Mal in der höchsten Spielklasse eingesetzt zu werden. Diesmal aber eben im Trikot des AC Milan.

Dass das noch einige Zeit dauern könnte, ist allen Beteiligten klar. „Wir müssen mit ihm vorsichtig umgehen. Ich will nicht den Eindruck erwecken, dass er ein Phänomen ist. Er ist noch ein junger Bursche und er wird sich an seine neue Umgebung gewöhnen müssen. Aber er bringt die richtige Einstellung mit“, meint sein neuer Trainer Allegri.

Auch der Kicker selbst gibt sich zurückhaltend: „Meine Ziele für diese Saison sind, so viel wie möglich zu lernen. Ich bin noch ein junger Spieler und ich muss reifer werden. Ich muss mich sehr engagiert zeigen und habe den Plan, das zu tun.“

Noch viel Arbeit

Vor allem in körperlicher Hinsicht wartet eine Menge Arbeit auf El Shaarawy. Der 1,78 Meter große Fußballer wirkt schmächtig und wenig robust. Zudem gilt es, an seiner Defensivarbeit und seinem Kopfballspiel zu feilen.

Offensiv bringt er hingegen die besten Anlagen mit. Der 18-Jährige selbst sieht sich am ehesten im zentralen Mittelfeld, kann aber auch am Flügel oder als hängende Spitze auflaufen. Seine Übersicht, technische Beschlagenheit, Kreativität und Schusstechnik können jeder Defensive Probleme bereiten.

Genoa-Boss Enrico Preziosi wusste es bereits vergangenen Oktober. Damals glaubte ihm aber noch niemand.

Harald Prantl

Eine fantastische Saison

Der Trainer der „Rossoneri“ kann heilfroh sein, dass es ihm gelungen ist, den Edeltechniker in sein Team zu lotsen. Denn nach einer fantastischen Saison in der Serie B standen die Interessenten reihenweise Schlange.

In 27 Spielen gelangen dem Jungen aus Savona neun Treffer und zwei Assists. Damit war er einer der Hauptverantwortlichen, dass Padova eine überraschend starke Saison spielte und erst in der zweiten Runde des Aufstiegs-Playoff an Novara scheiterte.

"Ein bodenständiger Junge"

Dabei hatten die Verantwortlichen El Shaarawy anfangs offenbar nicht so richtig auf der Rechnung. Anders ist es nicht zu erklären, dass er sich zunächst mit einem Trikot konfrontiert sah, auf dem sein Name falsch geschrieben war (El Shaarawi).

Doch schon bald entwickelte sich der Offensiv-Allrounder zum Publikumsliebling und genoss auch innerhalb der Mannschaft hohes Ansehen. „Er hat gezeigt, dass er trotz seines Alters tolle Fähigkeiten besitzt. Er ist ein bodenständiger Junge, der reifen und wachsen will“, beschrieb ihn sein Kapitän Vincenzo Italiano.

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