Wie kleine Mannschaften zu Großen werden

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Obwohl Chelsea London nach der ersten schwächeren Phase den Coach, mit dem sie erstmals die Champions League gewonnen haben, rauswarf.

Obwohl Robin van Persie bei Manchester United spielt als wäre er noch nie bei einem anderen Verein gewesen.

Und obwohl Lukas Podolski wider Erwarten bei Arsenal London aufblüht, hängen die eigentlichen Gesprächsthemen mit den Sensations-Teams von West Bromwich Albion und Swansea City zusammen.

Drosseln und Schwäne fordern Kanoniere und Rote Teufeln

Mit West Bromwich Albion ziert eine Mannschaft den fünften Tabellenplatz, welche sich seit jeher den Nicht-Abstieg als Saisonziel setzt. Der von den Fans liebevoll als „die Drosseln“ getaufte Klub, bringt derzeit die sonst so gewohnten englischen Machtverhältnisse gehörig durcheinander. Liga-Größen wie Arsenal London und FC Liverpool liegen abgeschlagen im Tabellenmittelfeld, während der Verein aus den englischen Midlands von Europa träumt.

Den Höhenflug des ehemaligen Paul-Scharner-Arbeitgebers als Glück zu bezeichnen, wäre aber falsch. Denn die „Blau-Weißen“ ernten nun den Erfolg, den sie schon seit längerem gesät haben.

Lukaku erfüllt alle Erwartungen

Spieler, die bei anderen Vereinen auf dem Abstellgleis standen oder nur als Kaderergänzungen dienten, blühen in der 130.000-Einwohner-Gemeinde regelrecht auf. Allen voran der 25-jährige irische Nationalspieler Shane Long, der in 14 Premier-League-Partien bei fünf Toren und vier Assists hält. Auch die 19-jährige belgische Chelsea-Leihgabe Romelu Lukaku weiß mit fünf Treffern und einem Assist zu überzeugen. 

Die Defensive wird vom schwedischen Internationalen Jonas Olsson, Gareth McAuley und dem französischen Mittelfeld-Abräumer Youssuf Mulumbu zusammengehalten. Garniert wird die extravagante Mischung von Steve Clarke als Head-Coach.

Dass der 49-Jährige im Mai 2012 als Liverpool-Co-Trainer gefeuert wurde, war für West Brom ein wahrer Glücksfall. Zwei Tage nach seinem „Reds“-Rauswurf unterzeichnete der Schotte bei den „Drosseln“ einen Zwei-Jahres­-Vertrag. Und seit Clarke beim 1878 gegründeten Verein das Ruder übernommen hat, befindet sich der Klub auf Europacup-Kurs.

Dänemark und Spanien lassen Wales in England jubeln

Ebenso ein Team, über welches einfach nicht hinweggesehen werden kann, sind die „Schwäne“ aus Swansea City.

Der walisische Vertreter ist aktuell Tabellensiebter und gewann das letzte Spiel bei Arsenal London sensationell mit 2:0. Doppeltorschütze war ein gewisser Miguel Perez Cuesta, oder kurz Michu genannt (Hier geht es zu einem Michu-Porträt). Den Namen noch nie gehört? So ergeht es vielen.

Michu führt die Torschützenliste an

Der 26-Jährige Spanier wurde vor der Saison als Schnäppchen von Rayo Vallecano verpflichtet und weiß in der Premier League mehr als zu überzeugen. Der Stürmer ist mit zehn Treffern ex-aequo neben Robin van Persie und Luis Suarez Führender der Torschützenliste.

Doch es wäre falsch, den „Schwäne“-Erfolg nur auf einer Person aufzuhängen. Denn im Mittelfeld zieht ebenfalls seit heuer niemand geringer als der vom FC Valencia gekommene Pablo Hernandez seine Fäden. 

Der 27-jährige Spanier galt lange Zeit als Chefstratege im Spiel des spanischen Top-Klubs und erzielte zudem in seinem erst zweiten Ländermatch gegen Österreich (5:1) seinen ersten Seleccion-Treffer.

Zusammengehalten, trainiert und geführt wird die walisische Mannschaft vom ehemaligen dänischen Weltklasse-Spieler Michael Laudrup. Der Ex-Barcelona- und Real-Madrid-Spieler wurde vor der heurigen Saison mit einem Zwei-Jahres-Vertrag ausgestattet und konnte die in ihn gesetzten Erwartungen bis dato mehr als erfüllen.

Denn nachdem Swansea letzte Saison in ihrem Aufstiegsjahr unter Brendan Rodgers den überragenden elften Tabellenplatz eroberte, konnte von einer Wiederholung des Erfolges nicht ausgegangen werden.

Laudrup hat aber seine Kontakte nach Spanien gut genützt, und billige, aber zugleich hungrige Spieler zu dem 1912 gegründeten walisischen Verein gebracht.

Die Vögel nehmen Kurs Richtung Europa

West Bromwich Albion und Swansea City eint nicht nur das Überraschungs-Momentum, sie spielen auch beide mit einem ähnlichen System. Das Umschalten von der Defensive in die Offensive wird fast perfekt umgesetzt und somit kann auch zu Recht festgehalten werden: Ihre taktische Disziplin ist ein Grundpfeiler des derzeitigen Erfolges.

Ob sich die beiden Klubs am Ende der Saison ihre Leistung mit einer Europacup-Teilnahme krönen, kann jetzt noch nicht gesagt werden. Wundern, würde es aber niemanden mehr.

 

Alexander Planasch

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