Rooney: "Liverpool zu toppen war großartig"

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Die Länderspielpause ist vorbei.

In England kehrt wieder der Liga-Alltag ein. Doch von wegen alltäglich.

Spieltag acht der Premier-League-Saison 2011/12 bietet für die Fans des Insel-Fußballs gleich einen besonderen Leckerbissen.

Zum 183. Mal kommt es zur Begegnung FC Liverpool gegen Manchester United.

Viele Namen, eine Leidenschaft

Exakt 50 Kilometer Luftlinie trennen die beiden Städte voneinander, was das Regional-Derby beinahe schon zu einem „Nachbar-Duell“ macht.

In Anlehnung an die geografische Lage als „North West Derby“ oder „Lancashire Derby“ bekannt, ist das Aufeinandertreffen der beiden Teams für Rekord-Spieler Ryan Giggs schlicht „das bekannteste Spiel im englischen Fußball.“

„Red Devils“ gegen die „Reds“ bedeutet Brisanz auf dem Platz und Brisanz abseits davon.

Nicht von ungefähr ist der Spieltermin zur Mittagszeit angesetzt.

Ein Ankick um 12:45 Uhr (13:45 Uhr Mitteleuropäischer Zeit) mindert die Gefahr von Ausschreitungen und lässt sich obendrein besser vermarkten.

117 Jahre Tradition

Zum ersten Mal standen sich die beiden Teams, Manchester United damals noch unter dem Gründungs-Namen Newton Heath, am 28. April 1894 gegenüber. Das Spiel endete mit einem 2:0-Sieg Liverpools.

Dazwischen sind über 117 Jahre vergangen, 117 Jahre, die den Mythos innerenglischer Rivalität gedeihen ließen und Saison für Saison aufs Deutlichste veranschaulichen.

Bei all der britischen Traditions-Pflege kann die 183. Auflage des Derbys dennoch mit einem Novum aufwarten.

Erstmals in der Geschichte der FA geht die Mannschaft aus Manchester als Rekord-Meister ins Prestige-Duell.

Rekord-Champion United

Trainer Sir Alex Ferguson schraubte mit dem Titelgewinn 2011 sein persönliches Konto auf zwölf und das von United auf 19 gewonnene Meisterschaften.

Da der FC Liverpool seines Zeichens vor nunmehr 21 Jahren das letzte Mal eine Saison als Tabellen-Erster beschlossen hat, waren die 18 Meister-Titel, die bis zur Spielzeit 1989/1990 gesammelt wurden, somit übertrumpft.

„Liverpool zu toppen war großartig für uns Spieler, für alle im Verein und ganz besonders für die Fans“, weiß Wayne Rooney den Erfolg richtig einzuschätzen.

Fans verzeihen nicht

Dieser historische Titelgewinn beendete zugleich die Durststrecke von einem der prominentesten Edel-Reservisten Englands, der am Samstag gegen seinen Jugendverein wieder in einem besonderen Fokus steht, Michael Owen.

Nach nur zwei Jahren in Manchester konnte der 89-fache Teamspieler diesen Sommer den Pokal in Händen halten, der ihm in 13 Jahren bei Liverpool verwehrt blieb.

The Guardian: "Rooney wird immer noch von Dämonen heimgesucht"

Da die Fans auf der legendären Tribüne „The Kop“ dem Jungen aus Chester, einer Stadt 25 Kilometer südlich von Liverpool, 2004 den Abgang zu Real Madrid schon nicht verziehen, verkam der 31-Jährige nach seiner Vertragsunterzeichnung beim Erzfeind zum regelrechten Hass-Objekt.

Somit dürfte es nur gelegen kommen, dass Uniteds Nummer 7 das Spiel an der Anfield Road wohl nur von der Bank aus verfolgen wird.

Rot ist nicht gleich Rot

Spieler wie Owen, die in den beiden traditionell roten Dressen aufliefen, sind allerdings eine Ausnahme-Erscheinung.

Paul Ince, englischer Teamspieler der 90er Jahre und von 1989-1995 Schützling von Ferguson, ist ein weiteres Beispiel. Selbst Ince legte vor seinem Engagement in Liverpool allerdings einen zweijährigen „Zwischenstopp“ bei Inter Mailand ein.

Der letzte Spieler, der es gewagt hatte, den direkten Weg von einem Erzfeind zum anderen zu nehmen, war ein gewisser Phil Chisnall, der im Jahr 1964 von Manchester an die Mersey wechselte.

Wayne Rooney ist zwar in Liverpool geboren und aufgewachsen, spielte aber von Kindesbeinen an beim FC Everton. Nach der bekannten Rivalität des „Merseyside Derbys“ bleibt der Gegner somit derselbe:

"Es ist ein großer Tag für United wegen der Rivalität mit Liverpool, aber für mich ist es ein gewaltiges Spiel."

„Loony Wayne Rooney“

Der Superstar von United musste sich dieser Tage ohnehin mit einem anderen „Red“-Problem herumschlagen, seiner Roten Karte aus dem EM-Qualifikationsspiel gegen Montenegro.

Nach einer Tätlichkeit wurde der 25-Jährige von Schiedsrichter Wolfgang Stark des Platzes verwiesen und wird nun bei der Endrunde in Polen und der Ukraine während der gesamten Vorrunde zusehen müssen.

"Rooney wird immer noch von Dämonen heimgesucht", befand da die englische Zeitung "The Guardian", vom „verrückten“ („Loony“) Wayne Rooney sprach der „Daily Star“.

Was wäre also eine bessere Gelegenheit für den Offensiv-Spieler, als mit Toren am Samstag diese "Dämonen" und mit ihnen auch die Kritiker wieder zum Schweigen zu bringen.

Damit würde "Roo" für ein wenig Ruhe sorgen – zumindest eine Woche lang.

Ehe am 22. Oktober das nächste große Derby gegen Manchester City ansteht.

Liga-Alltag in England eben.

 

Christian Eberle

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