Wengers Abstieg ins Mittelmaß

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Von den eigenen Schülern überflügelt

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In der Champions League schon wieder im Achtelfinale ausgeschieden. Im FA-Cup an Sunderland (0:2) gescheitert. Und in der Premier League nur auf Rang vier, wobei ohne den 25-fachen Saisontorschützen Robin van Persie die Lage ungleich trister ausschauen würde.

Arsene Wengers Arsenal wird auch dieser Saison ohne Titel bleiben. Es ist die siebente in Folge. Der Franzose ist deswegen nicht mehr unumstritten.

Die Liste an Vorwürfen gegen Wenger ist lang: Er ließe seine Stars zu leicht ziehen, seinem Kader fehle es an Erfahrung und er gebe zu wenig Geld für Transfers aus.

Ein Kritikpunkt wird dabei oft vergessen: Der 62-Jährige hinkt seinen jüngeren Trainerkollegen mittlerweile auch im taktischen Bereich hinterher.

Wenger als Vorbild einer neuen Generation

Es ist noch gar nicht so lange her, da galt der „Gunners“-Coach als Maß der Dinge in der europäischen Fußball-Fachwelt.

Um die Jahrtausendwende verzauberte Arsenal mit seinem Kurzpassspiel die Massen. Auf dem Höhepunkt des „One-Touch-Footballs“ standen die „Invincibles“. 2003/04 holten Bergkamp, Henry, Viera und Co. ohne Niederlage die Meisterschaft.

Nicht nur einmal versuchte Real Madrid Wenger abzuwerben. Trainer aus halb Europa suchten den Weg zum Trainingszentrum nach London, um beim „Boss“ zu hospitieren.

Seine Methoden, seine Philosophie, sein Stil – Wenger wurde zum Vorbild einer neuen jungen Trainer-Generation. „Wer so lange auf so hohem Niveau spielt, wer seit Jahren aus so vielen Talenten Klassespieler formt und dabei seine Philosophie konsequent verfolgt, der hat für mich Vorbildcharakter“, sagt beispielsweise Dortmund-Trainer Jürgen Klopp über Wenger.

Mit den eigenen Waffen geschlagen

Mittlerweile scheint es jedoch so, als hätten die Schüler ihren Meister überholt.

Vier Mal musste sich Wenger in den letzten beiden Saisonen von Pep Guardiolas Barcelona mehr oder weniger vorführen lassen. Auch mit Klopps Dortmundern hatten van Persie und Co. in der Champions League (1:1, 2:1) einige Probleme.

Wenger nur noch einer von vielen?

Wengers Abstieg steht sinnbildlich dafür, wie schnell sich der Fußball im vergangenen Jahrzehnt weiterentwickelte.

Es steht natürlich außer Frage, dass er immer noch zu den Spitzentrainern Europas gehört. Doch während es ihm vor einigen Jahren noch gelang, gute Einzelspieler zu einem Weltklasse-Team zu formen, wirkt seine Philosophie mittlerweile zu starr und unflexibel. Ein Schicksal, das er mit anderen seiner Zunft teilt - Louis van Gaal scheiterte bei den Bayern an demselben Problem.

„Wir dürfen nicht vergessen, was Arsene Wenger für den gesamten europäischen Fußball geleistet hat - nicht nur für Arsenal. Über Jahre hat er attraktiven Fußball spielen lassen und die Fans begeistert“, meldete sich Guardiola unlängst zu den Diskussionen um den Franzosen zu Wort. Bezeichnend, dass der Barcelona-Trainer auf vergangene Erfolge verweist.

Denn in der Gegenwart scheint Wenger den Anschluss an die Creme de la Creme der europäischen Top-Trainer verloren zu haben.

 

Jakob Faber

Am besten jedoch verdeutlichte Arsenals 2:3-Niederlage gegen Swansea Wengers Abstieg. Der Franzose wurde in diesem Spiel mit seinen eigenen Waffen geschlagen. 55 % Ballbesitz und eine höhere Quote angekommener Pässe – Der Aufsteiger führte Arsenal auf jene Art vor, wie früher die „Gunners“ die Gegner beherrschten.

Wenger gelang es im Sommer nicht, die Abgänge von Samir Nasri und Cesc Fabregas spielerisch zu kompensieren. Währenddessen hat eine neue, junge Trainer-Generation um Guardiola, Klopp oder auch Swanseas Brendan Rodgers Wengers Idee vom Kurzpassspiel perfektioniert.

Fehlende taktische Flexibilität

Hinzu kommt Arsenals fehlende taktische Flexibilität. Nur selten weicht Wenger von seinem 4-3-3 mit hoch stehendender Defensive ab. Andere Trainer dagegen, wie Guardiola oder Jose Mourinho, verfügen über mehrere eingespielte Strategien, um auch auf den Gegner reagieren zu können.

Sogar der alles andere als als Taktik-Fuchs bekannte Harry Redknapp bewies in dieser Saison schon mehr Anpassungsfähigkeit, als Wenger. So versuchte sich der Tottenham-Coach heuer schon zwei Mal an einer Dreierkette.

Symptomatisch, dass die Spurs in diesers Saison erstmals seit Wengers Amtsübernahme den Erzrivalen hinter sich lassen könnten. Und das trotz des heroischen 5:2-Sieges der "Gunners" vor zwei Wochen im Derby.

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