Der Letzte am sinkenden Schiff

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Der Ausverkauf beim FC Southampton

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Morgan Schneiderlin ist wütend.

Die meisten seiner Mitspieler durften zu einem anderen Verein wechseln, nur er muss beim FC Southampton bleiben.

Der Franzose ließ auf Twitter seinem Unmut freien Lauf: „Sechs Jahre einer fantastischen Reise ZERSTÖRT in einer Stunde!!“

Beste Premier-League-Saison aller Zeiten

Die Geschichte, die zu diesem Tweet führt, beginnt im Jänner 2013. Mauricio Pochettino wurde in diesem Monat als neuer Trainer des FC Southampton vorgestellt.  Der Argentinier machte innerhalb von eineinhalb Jahren aus dem Abstiegskandidaten einen Europacup-Anwärter.

Insbesondere im letzten Herbst überzeugten die „Saints“ mit tollem Fußball. Am Ende der Saison stand der achte Rang – die beste Platzierung, die Southampton jemals in der Premier League erreichte.

Diese Entwicklung blieb natürlich auch englischen Spitzenklubs nicht verborgen. Schell machten Gerüchte die Runde. Diverse Spieler wurden mit Abgängen in Verbindung gebracht und in diesem Sommer wurde vieles davon Realität.

120 Millionen Euro eingenommen

Zunächst verabschiedete sich Trainer Pochettino aus der südenglischen Hafenstadt. Er heuerte bei Tottenham an. Stürmer Rickie Lambert sowie Kapitän Adam Lallana unterschrieben bei Liverpool. Beide hatten sich zuvor mit guten Leistungen einen Platz im englischen WM-Kader gesichert. Ebenso nach Brasilien schaffte es Außenverteidiger-Talent Luke Shaw, der um 37,50 Millionen Euro zu Manchester United wechselte.

In dieser Woche wurden nun die letzten Transfers bekannt. Liverpool holte mit Innenverteidiger Dejan Lovren einen dritten Southampton-Profi. Den 19-jährigen Calum Chambers zog es indes zu Arsenal.

120 Millionen Euro kassierte der 1885 gegründete Verein für diese fünf Spieler – die halbe Stammelf der letzten Saison. Angesichts der tristen sportlichen Aussicht geht in Southampton nun ein Witz um: Endlich habe man genug Geld beisammen, um Ex-Nachwuchs-Kicker Gareth Bale zurückzuholen.

Ein Eishockey-Trainer als Fußball-Manager

Ralph Krueger ist dagegen schon lange nicht mehr zum Lachen zumute. Der ehemalige Schweizer Eishockey-Teamchef, seit März Vorstandsvorsitzender des Klubs, will sich von den Fans nicht mehr anhören lassen, dass der Verein auf Kosten der Kader-Qualität blind Geld scheffelt.

Also zieht der Kanadier nun die Notbremse: Er will den Domino-Effekt stoppen und weitere Abgänge verhindern. Am Dienstag wurde Mittelfeldspieler Schneiderlin mitgeteilt, dass er dem Verein treu bleiben muss. Der Klub werde einem 34-Mio-Euro-Wechsel des Franzosen zu Tottenham nicht zustimmen.

Schneiderlin reagierte auf diese Entscheidung stocksauer. Er ließ sich zu dem anfangs erwähnten Tweet hinreißen. Ein Statement, das bei den Fans der „Saints“ nicht besonders gut ankam. 

„Werden unseren Kader verstärken”

Mit Jay Rodriguez versucht noch ein weiterer Spieler das sinkende Schiff in diesem Sommer zu verlassen. Der Stürmer weigert sich, seinen 2016 auslaufenden Vertrag zu verlängern.

Krueger ist jedoch fest davon überzeugt, dass sowohl Rodriguez als auch Schneiderlin bleiben: „Sie sind Teil jenes Kerns, den wir in Southampton halten wollen. Sie stehen nicht zum Verkauf.“

Stattdessen will der ausgewiesene Eishockey-Experte jetzt selbst am Transfermarkt aktiv werden. „Wir werden Spieler holen und unseren Kader verstärken. Ich verstehe die Frustration einiger Fans, aber wir müssen ruhig bleiben, um die besten Geschäfte für unseren Klub zu machen.“

Mit Dusan Tadic vom FC Twente sowie Torjäger Graziano Pelle, den Neo-Coach Ronald Koeman aus Feyenoord mitbrachte, konnten immerhin schon zwei Neuverpflichtungen getätigt werden. Zudem wurde Linksverteidiger Ryan Bertrand von Chelsea ausgeliehen.

Weitere Transfers dürften Krueger und Co. jedoch teuer zu stehen kommen. Schließlich wissen die Verhandlungspartner über Southamptons gefüllte Kassen Bescheid.

 

Jakob Faber

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