Problemboy am Scheideweg

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Seit Paul Scholes hat die Nachwuchsabteilung von Manchester United kein größeres Talent mehr hervorgebracht.

Geht es um die Einschätzung von Ravel Morrisons fußballerischen Qualitäten sind sich die Experten auf der Insel einig.

Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, ehe der 18-Jährige den großen Durchbruch schafft. Wäre da nicht sein Privatleben, das ihm einen Strich durch die Rechnung machen könnte.

Erfolgsstory oder Verschwendung?

Die noch junge Karriere des Offensivspielers steht am Scheideweg. Der Aufstieg in den Fußball-Olymp ist ebenso wahrscheinlich wie der Absturz in die Vergessenheit.

Oder wie es Tottenham-Manager Harry Redknapp ausdrückt: „Dieser Junge kann die großartige Erfolgsstory des Jahres 2012 werden. Oder die traurigste Verschwendung von Talent.“

Der nächste Karriereschritt des Engländers wird entscheidend sein. Doch was soll Morrison tun? Möglichkeiten gibt es jedenfalls zur Genüge.

Einige Optionen

Der Vertrag des Youngsters bei den „Red Devils“ läuft im Sommer aus, er wäre also ablösefrei zu haben. Lediglich eine Ausbildungsentschädigung in der Höhe von rund 300.000 Pfund (ca. 357.000 Euro) würde United zustehen.

Dieser Umstand hat das Interesse einiger Top-Klubs geweckt. Vor allem der FC Barcelona und Paris St. Germain sollen sich um den Teenager bemühen. Doch auch Manchester City ist im Gespräch.

Allerdings ist es keineswegs auszuschließen, dass Morrison bei seinem aktuellen Arbeitgeber einen neuen Kontrakt unterzeichnet.

Ein schwieriger Charakter

Wenngleich sich Manchester United nicht ganz sicher sein dürfte, ob es den Jungen auch tatsächlich behalten will, hat er doch in der Vergangenheit nicht erst einmal für Kopfschmerzen bei den Verantwortlichen gesorgt.

Denn der 18-Jährige hat keinen einfachen Charakter, wird in englischen Medien immer wieder als „Problemboy“ bezeichnet.

Schuldspruch vor Gericht

Aufgewachsen ist Morrison in Wythenshawe, einem Bezirk im Süden der Stadt. Ein hartes Pflaster, in dem vorwiegend sozial Schwächere leben, sich die Jugendlichen in Banden organisieren und auf der Straße ihr Unwesen treiben.

So auch der Kicker und seine Freunde. Im September 2009 trieben sie es zu weit. Zwei Kumpel von Morrison raubten einen anderen Jugendlichen mit vorgehaltenem Messer aus. Anschließend bedrohte der United-Nachwuchsspieler das Opfer telefonisch, riet ihm davon ab, das Duo anzuzeigen.

Dafür musste er sich vor Gericht verantworten. Bezeichnend für die Attitüde des Mancunian ist die Tatsache, dass er dort nicht in Anzug und Krawatte, sondern mit Kapuzenpullover und viel zu weiter Trainingshose erschien.

Das Verfahren endete mit Schuldsprüchen. Morrison kam mit einer zwölfmonatigen Bewährungsstrafe davon.

Ferguson schwärmt von ihm

Seine Karriere bei den „Red Devils“ wäre damit fast zu Ende gewesen. Zumal er sich zuvor bereits wegen tätlicher Angriffe auf seine Mutter und seine Freundin mit dem Gesetz ins Konflikt geraten war. Doch der Verein gab ihm noch eine letzte Chance.

Rio Ferdinand und Gary Neville sollen sogar angeboten haben, ein Auge auf das Talent zu werfen, es im Alltag regelmäßig zu begleiten. Ein Zeichen dafür, dass der Verein erpicht darauf ist, den 18-Jährigen nicht fallen zu lassen.

Vor allem Alex Ferguson gilt als großer Fan des Offensivallrounders. „Jedes Mal, wenn ich mit ihm spreche, schwärmt er von diesem Jungen“, weiß Redknapp über seinen Trainerkollegen zu berichten.

Erste Einsätze bei den Profis

Obwohl auch Morrisons Einstellung zum Fußball zu wünschen übrig lassen dürfte. Er soll immer wieder zu spät oder gar nicht zu Trainingseinheiten erscheinen. Darüberhinaus soll seine impulsive Art immer wieder zu Problemen im Umgang mit Trainern und Mitspielern führen.

Doch der mehrfache Nachwuchs-Internationale ist eben auch ein exzellenter Fußballer, der technisch brillant ist, das Auge für den richtigen Pass hat und große Torgefahr ausstrahlt. Das konnte er auch schon drei Mal bei den Profis unter Beweis stellen, als er im Liga-Pokal zum Einsatz kam.

Gehen oder bleiben?

Doch wie geht es nun mit ihm weiter? Einerseits kann damit argumentiert werden, dass Morrison ein Klub-Wechsel durchaus gut tun würde. Wenn der Kicker in einem anderen Land seine Brötchen verdienen würde, stünde er auch nicht mehr so sehr unter dem offenbar schlechten Einfluss seiner Freunde.

Andererseits ist nicht auszuschließen, dass seine emotionale Natur anderswo ebenso für Unstimmigkeiten sorgen könnte.

Das führt zu jenem Argument, das in erster Linie für einen Verbleib bei Manchester United spricht: Der Klub hat bereits mehrfach bewiesen, dass er viel Geduld mit Morrison hat, ihm seine Fehler verzeiht. Fraglich, ob das bei einem neuen Verein auch der Fall wäre.

Oder wie Redknapp es ausdrückt: „Wenn ihm jemand die Flausen austreiben kann, dann Ferguson.“

Fakt ist, dass sich in den kommenden paar Monaten entscheiden wird, welchen Weg der junge Engländer einschlägt. Und Fakt ist auch, dass es in seinem Fall ebenso schnell nach oben wie nach unten gehen kann.


Harald Prantl

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