"Ewige" Durststrecke gegen Titelsüchtigen

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Manchester – diese Stadt hat zwei Gesichter.

Ein erfolgreiches und ein ausgehungertes. Ein rotes und ein blaues.

Während United in den letzten zwei Jahrzehnten eine Trophäe nach der anderen hamsterte, durchlebt City eine über dreißig Jahre währende Durststrecke.

Der letzte Liga-Titel der Citizens datiert vom Jahr 1968. Der einzige nennenswerte Erfolg auf europäischer Ebene kam zwei Jahre später in Wien. Im Finale des Europacups der Cupsieger wurde Gornik Zabrze mit 2:1 in die Knie gezwungen.

Letzter Erfolg 1976

Sechs Jahre später gab es noch ein Mal Grund zum Jubeln. Wie 1970 entschied City auch 1976 den Ligacup für sich. Danach ging es stetig bergab.

Der Tiefpunkt kam 1998, als die „Sky Blues“ sich als erster Gewinner eines europäischen Pokals in die dritte englische Liga verabschieden mussten. Mit dieser Schmach kam aber auch die Trendwende. Der sofortige Wiederaufstieg läutete eine Achterbahnfahrt ein, in der City in vier Jahren drei Mal auf-und ein Mal abstieg.

Shaun Goater schoss City in die erste Liga

Nach einigen ruhigen Jahren in der Premier League kam mit einem Paukenschlag die Hoffnung zurück. Der Verein wurde an die Abu Dhabi United Group verkauft, die seit dem den Transfermarkt in selten zuvor gesehener Manier unsicher macht.

Meisterschafts-Führung verspielt

2011 wurde Citys Rückkehr zur Relevanz mit dem Sieg im FA Cup gekrönt. Die ausgehungerten Citizens lechzen aber nach dem größten Triumph – der Meisterschaft. Dieser scheint nur mehr eine Frage der Zeit zu sein. Anfang des heurigen Dezembers lag City fünf Punkte vor dem Lokalrivalen an der Tabellenspitze, nun sieht es wieder schlechter aus.

Die Einwohner von Manchester, die sich für United entschieden, hatten indes deutlich mehr zu lachen. Seit dem letzten Liga-Triumph von City wurde sich der Trophäenraum der „Red Devils“ sukzessive imposanter.

Ganze zwölf Mal gewann der nunmehrige Rekordmeister die Meisterschaft in dieser Zeit. Sieben Mal holte United den prestigeträchtigen FA-Cup in die Industriestadt.

Drei Mal ging der vergleichsweise unwichtige Ligacup an die Red Devils und auch elf Community Shields schmücken die Hallen von Old Trafford. Zum Drüberstreuen gewann ManUnited auch noch zwei Mal die Champions League.

Derby der Entscheidung

Die innerstädtischen Konkurrenten könnten also gegensätzlicher nicht sein. City wartet seit einer scheinbaren Ewigkeit auf die Chance, die Premier League zu gewinnen – und nun ist sie gekommen.

Ein Sieg im Heimderby würde den derzeitigen Tabellenzweiten bei nur zwei ausstehenden Spielen in Front bringen. Auch ein Remis lässt noch alles offen, wäre aber ein großer Schritt gen Titelverteidigung für die Red Devils. Bei einem Sieg der Gäste wäre United wohl Meister.

Restprogramm spricht für United

Der Hunger ist bei City größer, die Abgebrühtheit und Erfahrung macht aber ihre Konkurrenten zum Favoriten. Auch das Restprogramm spricht für den Tabellenführer: Ein Heimspiel gegen das auswärtsschwache Swansea und ein Duell mit Sunderland sieht nach sechs einfachen Punkten aus.

City hingegen muss sich schon nächste Woche mit einer Newcastle-Elf, die noch um die Champions League spielt, herumschlagen. Am letzten Spieltag gastieren die Queens Park Rangers im Etihad Stadium. Eben diese feierten zuletzt Siege gegen Liverpool, Arsenal und Tottenham.

Nicht die beste Ausgangssituation, aber ein Sieg am Montag wäre Goldes wert. Denn die leidgeprüften Anhänger der Himmelblauen wollen nicht noch ein Jahr(zehnt) auf den Titel warten.

Martin Schauhuber

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