"Der Titel war schon verloren"

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Viel dramatischer hätte die Wachablöse im englischen Fußball nicht verlaufen können.

Mit zwei Toren in der Nachspielzeit gegen die Queens Park Rangers holte sich Manchester City den Titel, United hatte trotz des 1:0 in Sunderland aufgrund der um acht Treffer schlechteren Tordifferenz das Nachsehen.

Das jahrzehntelange Schattendasein der "Citizens" hinter dem ungeliebten Stadtrivalen ging damit auf spektakuläre Art und Weise zu Ende.

"Was passiert ist, ist eigentlich unmöglich"

In ihrer ersten Euphorie stürmten die Fans nach dem Schlusspfiff das Spielfeld, zogen sich dann aber wieder auf die Tribünen zurück, um eine geordnete Übergabe des Pokals zu ermöglichen.

Roberto Mancini wusste genau, welche Bedeutung die dritte Meisterschaft, die erste Meisterschaft seit 1968, für die City-Anhänger hat.

"Nach diesen 44 Jahren widme ich den Titel den Fans. Was passiert ist, ist unglaublich, eigentlich unmöglich", jubelte der Italiener.

"Der Titel war schon verloren"

Die sensationelle Wende glückte seiner Mannschaft durch die Tore von Edin Dzeko in der 92. und Sergio Aguero in der 94. Minute. Letzterer wurde im Sommer um 45 Millionen Euro von Atletico Madrid geholt und lieferte mit dem meisterschaftsentscheidenden Tor ein schlagendes Argument für die hohe Ablösesumme.

"Ich kann das alles selbst noch nicht glauben. Der Titel war ja schon verloren", stammelte der Argentinier.

Laut Aguero könnte der Gewinn der Premier League der Start in eine goldenen Zukunft für Manchester City gewesen sein. "Hoffentlich ist das der Beginn von etwas Großem", meinte der Schwiegersohn von Diego Maradona.

Investitionen machen sich bezahlt

Agueros Optimismus basiert auf der finanziellen Potenz der Eigentümer. Der Clubchef, Scheich Mansour Bin Zayed Al Nayhan, pumpte als Mitglied der Herrscherfamilie von Abu Dhabi seit der Übernahme des Vereins im August 2008 kolportierte 800 Millionen Pfund (996 Mio. Euro) in die "Citizens".

Davor bestenfalls Mittelständler in der Premier League, stieg City plötzlich zum reichsten Verein Europas auf. Für Kicker wie Aguero, Dzeko, Carlos Tevez, David Silva, Yaya Toure oder Samir Nasri wurde tief in die Tasche gegriffen, erster Lohn war der Sieg im FA-Cup-Finale 2011.

Mit einer derartigen Spendierfreudigkeit könnte es aber bald wieder vorbei sein - notgedrungen. Wegen des von der UEFA vorgeschriebenen "Financial Fair Play" darf ein Club ab 2013/14 nicht viel mehr ausgeben, als er einnimmt. City jedoch produzierte allein in der Saison 2010/11 ein Minus von 197 Millionen Pfund (245 Mio. Euro).

Fergusons Glückwünsche

Während die Scheichs für den Fehlbetrag von City geradestehen, ist die finanzielle Situation bei United seit der Übernahme durch die Glazers angespannt. Der US-Amerikaner übertrug die Schulden für den Kauf des Rekordmeisters auf den Verein, der dadurch auf dem Transfermarkt weit weniger Handlungsspielraum hat.

Coach Alex Ferguson zeigte sich dennoch optimistisch, dass seine Mannschaft auch in Zukunft mit dem Stadtrivalen mithalten kann. "Wir haben viele junge Spieler, die eine exzellente Saison gespielt haben. Sie haben aus dieser letzten Runde viel gelernt. Die Erfahrung ist wichtig für sie, auch wenn sie negativ war."

Dem Stadtrivalen sprach der Schotte seine Glückwünsche aus. "Es ist ein fantastischer Erfolg, die Premier League zu gewinnen, weil sie die härteste Liga der Welt ist. Jeder, der das schafft, hat es verdient."

"Müssen uns keine Sorgen machen"

Zwischen seinen Gratulationen schimmerte allerdings auch der Schmerz über den verpassten Titel durch.

"Wir müssen uns keine Sorgen machen. City wird 100 Jahre brauchen, um so eine Geschichte wie wir zu haben", beteuerte Ferguson nach der knappsten Titelentscheidung in England seit der Saison 1988/89. Damals hatte Arsenal nur aufgrund der höheren Anzahl von geschossenen Toren die Nase vor Liverpool.

Dass es nichts mit dem 20. Meistertitel des Rekordchampions wurde, haben sich die "Red Devils" auch selbst zuzuschreiben. Sechs Runden vor Schluss betrug der Vorsprung auf City noch acht Punkte, Mancini gratulierte bereits zum Titel.

Dann aber verspielte United den ersten Platz durch ein 0:1 in Wigan, ein 4:4 daheim gegen Everton und ein 0:1 im direkten Duell mit dem großen Rivalen.

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