Should he stay or should he go?

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Should he stay or should he go now?

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Platz 15, sechs Niederlagen nach elf Spielen, in jedem der drei Monate seit Premier-League-Start gelang Chelsea jeweils genau ein Sieg. Das ist nicht der Anspruch eines amtierenden Meisters, der die Saison angetreten ist, um den Titel zu verteidigen.

Zumal die Londoner Millionentruppe in der Champions League ebenfalls nicht gut dasteht, im League Cup kam bereits das Aus.

Chelsea befindet sich in der größten Krise der Ära Roman Abramovich, Jose Mourinho in der größten seiner Karriere. Der Portugiese steht unter Druck wie nie zuvor.

"Ich werde nicht davonlaufen, wenn der Verein mich entlassen will, dann müssen sie das tun, aber ich werde nicht vor meiner Verantwortung weglaufen", sagte Mourinho unlängst und rief in Erinnerung: "Wenn der Klub mich feuert, feuern sie den besten Manager, den der Klub je hatte."

Ein Fakt, der sich nicht abstreiten lässt, doch nur zu gut weiß man, wie wenig die Vergangenheit im Fußball wert ist. Englischen Medienberichten zufolge hängt die Zukunft des 52-Jährigen bei Chelsea von den nächsten zwei Spielen gegen Dynamo Kiew und Stoke City ab. Daher fragen auch wir uns, ob The Special One noch The Right One für Chelsea ist. Was spricht für Mourinho und was gegen ihn?

Pro Mou: Er ist Chelsea

Er muss bleiben. Über die Qualität des Trainers Mourinho braucht man ob der langen Liste seiner Erfolge - mit verschiedenen Teams - nicht zu diskutieren. Zudem lebt Mourinho Chelsea, Mourinho ist Chelsea, er steht wie kein anderer für die Erfolge dieses Klubs und hat ihn international zu dem gemacht, was er heute ist - ein Topklub und eine Weltmarke.

Jeder andere Trainer hätte seinen Posten schon längst räumen müssen, aber Mourinho ist eben special. Man hat sich mit Sicherheit zu sehr auf dem Erfolg der Vorsaison ausgeruht und es verabsäumt, die Mannschaft punktuell und gezielt zu verstärken, auch zu verjüngen. Mourinho hat aber das Zeug dazu, den Turnaraound zu schaffen und spätestens nach dieser Saison ein neues Chelsea aufzubauen, so wie er es bereits gemacht hat. Langfristig kann es nur Mourinho bei den Blues geben, denn jeder andere Trainer wird und wurde ohnehin an ihm gemessen. Und wer sonst sollte diesem Anspruch gerecht werden können, als Mourinho selbst?

Erschwerend kommt hinzu, dass abseits aller Fußballromantik ein Rausschmiss Mourinhos dermaßen kostspielig wäre, dass es selbst einen Multi-Milliardär wie Abramovich kräftig schütteln würde. Von über 50 Millionen Euro Abfindung wollen englische Medien wissen. Dieses Geld sollte man sich lieber sparen, um im Winter den einen oder anderen Fehleinkauf zu korrigieren.

Von Meuterei war zuletzt die Rede. Etwas Wahres wird schon dran sein, naturgemäß sind auch die Spieler nicht zufrieden mit der Situation. Wie viel davon aber von der Presse konstruiert wurde, ist ebenso schwer einzuschätzen wie die Treuebekenntnisse der Profis. Zu denken gibt allerdings, dass ausgerechnet einem Spieler wie Eden Hazard, der bislang vergleichsweise wenig erreicht hat, nachgesagt wird, nicht mit Mourinho zu können.

Spieler haben ihr Bestes für den Klub zu geben, unter jedem Trainer, das darf man wohl von hochbezahlten Weltklassekickern erwarten. Wer seinen Job nicht ordentlich machen will und glaubt, sich seinen Vorgesetzten aussuchen zu können, muss eben gehen. Chelsea wäre gut beraten, Mourinho zu stärken und sich gegebenenfalls von Meuterern zu trennen, fußballerische Qualität hin oder her. Mourinho muss unantastbar sein und das müssen die Spieler wissen.

Ein Kommentar von Christoph Kristandl

Contra Mou: Er hat sich selbst aufgegeben

Das Tuch ist zerschnitten. „Ich werde eher verlieren, als für ihn zu gewinnen“, soll ein Chelsea-Spieler zu BBC-Radio-Moderator Gary Richardson gesagt haben. Harter Tobak.

Gerade „The Special One“ ist ein Trainer, den in erfolgreichen Zeiten stets die Beziehung zu seinen Spielern auszeichnete. Man erinnere sich an das Champions-League-Finale 2010, als der damalige Inter-Coach einen heulenden Marco Materazzi in den Arm nahm. Wohlgemerkt: Der italienische Haudegen weinte nicht des sportlichen Triumphes wegen, sondern ob des bevorstehenden Abgangs von Mourinho.

Statt „Bromance“ herrscht momentan jedoch Eiseskälte zwischen ihm und seinen Kickern. Insbesondere Eden Hazard soll die Nase voll haben. Mourinhos andauernde Ausraster haben dazu geführt, dass ihn nicht einmal mehr seine eigenen Schützlinge ernst nehmen. Schiedsrichter, Journalisten, Verband, sogar die Teamärztin – alle sind sie Schuld am Negativ-Lauf Chelseas. Nur er selbst nicht.

Wer mit dem Finger auf andere zeigt, will von der eigenen Person ablenken. Mourinho scheint die Lust an seinem Job verloren zu haben. Früher war er ein Meister des Spiels mit den Medien, heute fällt ihm nicht mehr ein als „Nothing to say“. Die Defensive, einst das Prunkstück seines Spielkonzepts, präsentiert sich bei den „Blues“ derzeit unorganisiert wie ein Hühnerhaufen.  

Gut möglich, dass Mourinho ob dieser Lustlosigkeit bald selbst die Flinte ins Korn wirft - allen gegenteiligen Alibi-Aussagen zum Trotz. Der Egozentriker scheint es bei keinem Verein viel länger als zwei Jahre am Stück auszuhalten. Ansonsten wird die schlechte Stimmung in der Chelsea-Kabine Roman Abramovich dazu zwingen, die Reißleine zu ziehen. 50 Millionen Euro, die Mourinho als Abfindung kassieren soll, sind für ihn ein Klacks.

Mit Carlo Ancelotti oder Guus Hiddink stehen fähige Interimstrainer parat. Sie waren es, die Chelsea stets die größten Erfolge einbrachten (Avram Grant: CL-Finale, Roberto di Matteo: CL-Titel, Rafa Benitez: EL-Titel). Warum also nicht auch in diesem Jahr auf einen Kurzzeit-Coach vertrauen?

Ein Kommentar von Jakob Faber

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