Ein Baske an der Themse

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Er solle Cesc Fabregas ersetzen, hieß es von vielen Seiten.

Als Mikel Arteta bei Arsenal unterschrieb, wurde er mit seinem nach Barcelona abgewanderten Landsmann verglichen.

Doch dem 29-Jährigen gefällt das gar nicht: „Er war acht Jahre lang hier. Er ist eine Legende, einer der besten Mittelfeldspieler, gegen die ich gespielt habe. Mich mit ihm zu vergleichen, funktioniert nicht. Das ist unmöglich.“

Dabei verbindet die zwei eine große Gemeinsamkeit. Beide waren im Nachwuchs des FC Barcelona aktiv, ehe sie ihre Profi-Karrieren starteten.

Mit Xabi Alonso aufgewachsen

Doch während Fabregas gebürtiger Katalane ist, kommt Arteta ursprünglich aus dem Baskenland. Bei Antiguoko, einen Partnerverein von Real Sociedad San Sebastian, machte er seine ersten Gehversuche auf dem grünen Rasen.

Gemeinsam mit einem gewissen Xabi Alonso. „Wir sind zusammen aufgewachsen, unsere Wohnungen waren nur drei Minuten voneinander entfernt“, erzählt der Neo-„Gunner“ von den neun Jahren, die sie gemeinsam verbrachten.

Als Arteta 15 Jahre alt war, holte ihn schließlich Barca in seine Akademie. „Es von Antiguoko zu Barcelona, wo Ronaldo spielte, zu schaffen, war wie ein Traum. Ich konnte nicht ablehnen“, erinnert sich der Kicker.

Für Guardiola eingewechselt

Seine Zeit in „La Masia“ will er nicht missen: „Sie bereiten dich als Mensch und Fußballer vor. Das kann man an den Charakteren sehen. Iniesta, Xavi, Puyol – das sind alle großartige Spieler, aber sehr, sehr respektvolle Menschen.“

Fan des Vereins sei er schon davor gewesen. „Wegen ihres Spielstils und wegen Guardiola. Er war mein Held“, verrät er.

Ausgerechnet für sein Idol wurde Arteta im Alter von 16 Jahren eingewechselt, als er zum ersten Mal für die Barca-Profis ran durfte. „Plötzlich habe ich neben Rivaldo, Figo, Kluivert und Luis Enrique gespielt. Sie haben mir auf und abseits des Feldes sehr geholfen“, berichtet der Mittelfeldmann von umgänglichen Superstars.

Neben Okocha und hinter Ronaldinho

Doch schon bald musste das Talent feststellen, bei den Katalanen praktisch keine Chance zu haben. Auf seiner Position spielte der unumstrittene Guardiola, dahinter wartete Xavi auf seinen Einsatz und Iniesta war der nächste in der Rangfolge. „Ich war so realistisch, zu sagen: Es muss etwas Verrücktes passieren, damit ich es ins erste Team schaffe“, blickt Arteta zurück.

Also ließ er sich zu Paris St. Germain ausleihen. „Es war ein fantastisches Jahr. Neben mir spielte Jay-Jay Okocha, vor mir Ronaldinho“, sagt er. 2001/02 absolvierte der Youngster 25 Spiele in der Startelf der Franzosen und wurde zum Legionär des Jahres gewählt.

Trainer Luis Fernandez sollte ihn als Fußballer verändern. „Bis dahin war ich rein auf die Defensive bedacht, ein Claude Makelele. Aber Fernandez hat mich dazu gebracht, darüber nachzudenken, was ich mit dem Ball mache. Ich habe so viel von ihm gelernt.“

Probleme mit Amorrortu

Danach ging es weiter auf die Insel. Fast acht Millionen Euro Ablöse überwiesen die Rangers aus Glasgow an den FC Barcelona.

In seiner ersten Saison mit den „Gers“ gewann der schmächtige Kicker Meisterschaft, Cup und Liga-Pokal. Dennoch zog es ihn nach zwei Spielzeiten in Schottland zurück in die Heimat. Der große Kindheitstraum, einmal für Real Sociedad zu spielen, sollte endlich in Erfüllung gehen.

Seine Spielweise wurde zunehmend offensiver und er selbst immer robuster. Denn einstecken muss er während der Spiele viel. 2006/07 war Arteta etwa der meistgefoulte Spieler der Premier League.

Spannung beim Transfer

Nach sechseinhalb Jahren war es dann an der Zeit, den Goodison Park wieder zu verlassen. Spannender hätte der Transfer (zwölf Mio. Euro) nach London kaum laufen können.

„Es war verrückt! Die letzten Minuten waren ein Alptraum. Ich hatte mich entschieden, wusste aber nicht, ob es möglich ist“, berichtet der Spanier vom Wechsel in letzter Minute.

Um den Transfer zu ermöglichen, soll er selbst finanzielle Einbußen in Kauf genommen haben. „Darüber will ich nicht sprechen. Aber ich kann sagen, dass ich große Anstrengungen unternommen habe, um zu Arsenal zu kommen.“

Gute Gründe

Warum er sich für die Truppe von Trainer Arsene Wenger entschieden hat, ist schnell erklärt: „Ich habe so oft gegen sie gespielt und so oft gelitten. Außerdem wollte ich es bei einem großen Klub versuchen. Zudem spielt Arsenal einen ähnlichen Fußball wie Barcelona, wo ich ja zur Schule ging.“

Anpassungsschwierigkeiten hatte der Vater eines Sohnes, der mit der ehemaligen Miss Spanien Lorena Bernal verheiratet ist, keine. Bei den Londonern konnte er sich rasch einen Stammplatz sichern.

Dass er Fabregas tatsächlich ersetzt, kann nicht behauptet werden.

Doch Arsenal hat acht seiner letzten neun Pflichtspiele gewonnen. Insofern kann man bestimmt nicht sagen, dass Arteta etwas falsch machen würde.

Harald Prantl

Doch Arteta wurde in seiner Heimat nicht glücklich. Trainer Jose Maria Amorrortu hielt nicht gerade große Stücke auf den zentralen Mittelfeldspieler und setzte ihn zumeist auf die Bank.

Ein Schnäppchen für Everton

Auf Anraten seines Kindheitsfreundes Alonso, der zu diesem Zeitpunkt bei Liverpool spielte, ließ sich der unglückliche Baske zu Everton verleihen. Ab diesem Zeitpunkt spielten die beiden wieder in derselben Stadt, waren sogar Nachbarn.

Ein halbes Jahr später wurde der Wechsel zu den „Toffees“ permanent. Nur 2,8 Millionen Euro musste der Premier-League-Klub bezahlen. Fortan machte das Sprachtalent (Spanisch, Baskisch, Katalanisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch) England unsicher.

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