Die krisengeschüttelten Großklubs aus London

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Wien – Die englische Hauptstadt erzittert ob der Dominanz der Teams aus Manchester.

Während die beiden Erzrivalen aus der Industriestadt positive Schlagzeilen ernten, kommen die Londoner Großklubs derzeit nicht zur Ruhe.

Im Schatten von Citys und Uniteds Paarlauf an der Spitze der Premier League läuft es für Chelsea, Arsenal und Tottenham derzeit alles andere als rund.

Drei Londoner Klubs, drei Schicksale:

Chelsea London:

Nur acht Monate nachdem Andre Villas-Boas den Platz von Carlo Ancelotti eingenommen hat, wird bereits an seinem Stuhl gesägt. Die sportliche Situation stellt sich für die Verhältnisse der „Blues“ so katastrophal dar, dass der Portugiese bei einer weiteren Niederlage bereits seine Koffer packen könnte. Die „Blues“ liegen bereits 17 Zähler hinter dem Spitzenreiter auf Rang fünf, der für die Europa-League-Qualifikation berechtigen würde. Zu wenig für die Ansprüche der Westlondoner. In den letzten zehn Liga-Spielen konnte der Klub von Roman Abramovich gerade einmal zwei Siege einfahren. Im FA-Cup-Achtelfinale kam Chelsea nicht über ein 1:1 gegen Zweitligist Birmingham City hinaus und muss nun in einem Wiederholungsspiel um den Aufstieg kämpfen. Auch in der Champions League zog man mit dem SSC Napoli ein schlagbares, aber äußerst unangenehmes Los. Für viele Experten ist das Duell in der „Königsklasse“ bereits das Spiel der letzten Chance für Villas-Boas, der zuletzt mit Mourinho-Sprechchören verhöhnt wurde. „Wir brauchen einen extra mentalen Schub, um das Selbstvertrauen wieder zu spüren. Solange wir diese Negativspirale nicht mit einem Sieg verlassen, wird sie sich weiterdrehen“, so der Ex-Porto-Coach, dem auch nachgesagt wird, mit 34 Jahren nicht von allen Seiten akzeptiert zu werden. Die verpatzte Saison kann nur noch mit einem Titel gerettet werden. Während der CL-Triumph eine Riesen-Sensation wäre, bliebe den „Blues“ nur noch der FA-Cup. Dass Chelsea die Saison mit dem aktuellen Trainer beenden wird, ist äußerst unwahrscheinlich.

Arsenal London:

Von einem Unfaller ist längst keine Rede mehr. Der rote Faden zieht sich bei den „Gunners“ durch und durch. Der Abgang von Cesc Fabregas konnte bis heute nicht kompensiert werden. Der mögliche Ersatzmann Mikel Arteta konnte seine Führungsqualitäten bisher noch nicht unter Beweis stellen, andere Routiniers verstecken sich hinter den vielen Youngsters. Ein Robin van Persie, mit 22 Toren Führender der Torschützenliste, reicht nicht. In der Premier League rangieren die Nordlondonder auf Rang vier mit 17 Punkten Rückstand auf Man City. Zudem wackelt ein CL-Qualifikations-Platz. Im FA-Cup-Achtelfinale verabschiedete sich die Truppe von Langzeit-Coach Arsene Wenger mit einer blamablen Vorstellung gegen Sunderland. Und in der Champions League holte sich Arsenal mit dem 0:4 im San Siro gegen den AC Milan eine ordentliche Ohrfeige ab. Die „Gunners“ werden wohl auch im siebenten Jahr in Folge keinen Titel einfahren und müssen sich Gedanken über die Zukunft machen. Selbst Wenger muss sich Kritik gefallen lassen und wird mit einem Wechsel in Verbindung gebracht. Aufgeben ist aber ganz und gar nicht nach dem Geschmack des Franzosen: "Im Moment sollte man die Leute reden, kritisieren und zerstören lassen und auf unserer Seite intern Stärke und Zusammenhalt zeigen.“ Ex-Profi Roy Keane spottete hingegen: „Das ist das schlechteste Arsenal-Team, das ich je gesehen habe.“ Die schwerste Klubkrise gilt es nun zu meistern.

Tottenham Hotspur:

Die „Spurs“ halten derzeit in London die Fahnen hoch. Das Team, das in den vergangenen Jahren immer im Schatten von Chelsea und Arsenal stand, hat den Anschluss an die Spitze gefunden und behauptet sich als erster Verfolger der Teams aus Manchester auf Rang drei. Mit sieben Punkten Rückstand besteht sogar noch eine theoretische Chance sich erstmals seit 1961 den Titel in der höchsten englischen Spielklasse zu sichern. Am kommenden Wochenende könnte der Klub zudem die Vormachtstellung mit einem Derby-Sieg gegen Arsenal bestätigen. Im FA-Cup ließ sich das Team von der White Hart Lane von den Londoner Konkurrenten anstecken, so ließ man sich von Drittligist Stevenage die Schneid abkaufen. Nach einem torlosen Remis müssen die „Spurs“ im Achtelfinale nachsitzen. In der Europa League musste sich der Traditionsverein schon in der Gruppenphase verabschieden. Bei Tottenham sorgten allerdings vor allem die Gerüchte rund um Trainer Harry Redknapp für Aufregung. Erstens musste sich der 64-Jährige wegen Steuerhinterziehung verantworten, dann zitterten die Fans nach den jüngsten Entwicklungen am Teamchef-Posten um einen weiteren Verbleib ihres Erfolgstrainers. Vorerst bleibt Redknapp den Nordlondonern erhalten, obwohl er als erster Anwärter auf die Nachfolge von Fabio Capello gilt. Alle Achtung vor seinen Leistungen bei Tottenham, aber als möglicher Titel kommt wohl nur mehr der FA-Cup in Frage.


Alexander Karper

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