Böses Blut beim "Blaublüter"

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Lampard und Chelsea - Ehe mit Ablaufdatum?

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Die Erfolgsgeschichte des FC Chelsea war im vergangenen Jahrzehnt ganz eng mit einer Person verbunden: Frank Lampard.

Regisseur, Scharfschütze, Identifikationsfigur – der mittlerweile 33-Jährige avancierte zum Leitwolf.

Oftmals hatte es den Eindruck, als würde „blaues“ Blut durch seine Adern fließen. So verbunden schien der gebürtige Londoner mit den „Blues“.

Aktuell blutet ihm das Herz, denn unter Trainer Andre Villas-Boas ist schon lange nicht mehr alles so, wie es einmal war.

Lampard im neuen System nicht gefragt

Vom Trophäensammler vergangener Tage entwickelte sich Lampard unter dem Portugiesen zum Edeljoker. Mehr ist zur Zeit anscheinend nicht drin.

Dass der aus dem Stadtteil Romford stammende Nationalspieler in 18 der zwanzig Saisonspiele der Premier League auf dem Platz stand, spiegelt das Ausmaß der Entmachtung noch nicht wider.

Dass er hingegen drei Mal ein- und drei Mal ausgewechselt wurde, zeigt schon etwas deutlicher, dass der Offensivspieler im neuen Chelsea-System nicht so zum Zug kommt.

Anfangs traute sich Villas-Boas noch nicht, den ehemaligen Dreh- und Angelpunkt der Londoner aufs Abstellgleis zu stellen. In den letzten sieben Partien stand Lampard aber nur mehr drei Mal über 90 Minuten auf dem Platz.

Eisige Stimmung zwischen Villas-Boas und Lampard

Das Verhältnis zwischen dem verdienstvollen Spieler und dem gerade einmal ein Jahr älteren Trainer wird in den englischen Medien als „wenig harmonisch“ beschrieben.

Zwischen den beiden erfolgshungrigen Sportsmännern herrscht Eiszeit, glaubt man den Aussagen von Lampard.

"Ich habe nicht mit dem Trainer gesprochen. Ich weiß also nicht, warum ich nicht spiele“, versuchte der Engländer dem leidigen Thema auszuweichen.

Villas-Boas versuchte das zielorientierte System des FC Portos auch an der Stamford Bridge zu implementieren, betrachtete den Versuch mit Fortlauf der Zeit aber als gescheitert.

Ungewohnte Situation für englischen Teamspieler

Ein „Sechser“, der sich in die Angriffe einschaltet, ließ die Stabilität im Abwehrverbund wackeln. Seitdem fehlt der klassische Aufbauspieler. Ramires und Meireles machen die Zentrale dicht, für die Kreativität sorgen meist Mata über links und Sturridge über rechts.

So stand der in die Jahre gekommene Brite auch in Top-Spielen, wie zum Beispiel gegen Leader Manchester City, nicht in der Startelf. Ein Fakt, der ihm überhaupt nicht zusagt.

"Ich will spielen. Ganz einfach! Wenn ich das nicht wollte, bräuchte ich auch nicht zum Spiel erscheinen“, wird der seit zehn Jahren bei Chelsea engagierte Mittelfeld-Akteur zitiert.

Trotz Jokerrolle bereits acht Saisontore

Wie wichtig er trotz allem noch für die Mannschaft ist, beweist seine Torquote.

Trotz der spärlichen Auftritte brachte es Lampard in dieser Saison bisher auf acht Treffer, unter anderem traf er auch als Joker zum Sieg gegen die „Citizens“. Mannschaftsintern hat nur Stürmer Daniel Sturridge (9) mehr Tore aufzuweisen.

Kein Wunder also, dass der dreifache Meister aufgrund seiner Unzufriedenheit in der vorweihnachtlichen Zeit auf dem Wunschzettel mehrerer Top-Klubs stand.

Doch die „Flucht“ kommt Lampard gar nicht in den Sinn. Oder doch? Die Gerüchteküche brodelt, obwohl sein Vertrag noch bis Sommer 2013 läuft.

Ferguson dementiert Interesse

Während Jose Mourinho seinem ehemaligen Schützling schon im Herbst Zuflucht bei Real Madrid anbot, schalteten sich nach und nach auch Premier-League-Vereine ein.

Allen voran Manchester United, zumindest gerüchteweise. Laut "Sportsmail" sollte Lampard nicht abgeneigt sein, in Zukunft das Trikot der "Red Devils" zu tragen.

Manager Alex Ferguson soll demnach in das Tauziehen um den Mittelfeldspieler, den er seit Jahren bewundert, eingestiegen sein.

Doch gegenüber "SkySports" bezeichnete der 70-Jährige diese Vermutungen als haltlos und stellte eine Frage in den Raum: "Denkt ihr tatsächlich, Chelsea würde im Jänner an United verkaufen?"

Aufgrund der offenherzigen Liebe zu den Londonern hätte ein derartiger Wechsel des englischen Vorzeigeathleten zum großen Rivalen aus der Industriestadt zudem an Verrat gegrenzt.

Gedanken über die Zukunft macht er sich aber allemal.

„Werde Chelsea immer verpflichtet sein“

„Zukunft? Es wäre um einiges einfacher für mich, wenn ich von Beginn an spiele und regulär zu meinen Einsätzen komme, aber ich respektiere den Willen des Managers. Ich werde Chelsea immer verpflichtet sein, weil das mein Klub ist.“

Alle Anzeichen, dass mittlerweile „blaues“ Blut durch seine Adern fließt, scheinen sich zu bestätigen.

Dieses kommt momentan nicht nur aufgrund der für ihn neuen Situation in Wallung, sondern auch weil die Londoner erstmals seit zehn Jahren nicht unter den Top 4 ins neue Jahr rutschten.

Die fetten Jahre scheinen an der Stamford Bridge vorerst einmal vorbei zu sein – auch für Lampard?


Alexander Karper

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