Katalanisch, torgefährlich, gut

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"Man muss in jedem Spiel versuchen zu punkten"

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Wigan Athletic ist spätestens seit dem Engagement von Paul Scharner in Österreich ein Begriff.

Seit dem Abgang des ÖFB-Legionärs im Sommer 2010 hat die Berichterstattung um den 1932 gegründeten Klub abgenommen.

Das liegt auch an der Rolle, welche die „Latics“ in der Premier League innehaben.

Abstiegskampf als Routine

2005 erstmals in die oberste Spielklasse Englands aufgestiegen, spielt man Jahr für Jahr nur um den Klassenerhalt, weit weg vom Traum europäischer Startplätze.

Eine Tatsache, die sich auch in der diesjährigen Spielzeit nicht wirklich verändert hat.

Nach 17 Spieltagen liegt der Verein aus der rund 87.000 Einwohner zählenden Stadt nur auf dem 18. und somit auf einem Abstiegs-Rang.

Hoffnung dank Gomez

Dass man überhaupt noch Anschluss an das Tabellen-Mittelfeld hält, ist der Verdienst eines Erfolgslaufs in den letzten Runden. Neun der 14 Punkte wurden in den letzten sechs Spielen erkämpft.

Hauptverantwortlich für die Serie von nur einer Niederlage (0:4 gegen Arsenal) ist Jordi Gomez, der bei allen vier Punktgewinnen ein Tor erzielt hat. Zuletzt traf der Katalane, der in der Jugendakademie des FC Barcelona ausgebildet wurde, in der 88. Minute der vorletzten Runde zum 1:1-Ausgleich gegen Chelsea.

LAOLA1 bat Wigans „Mann der Stunde“ zum Gespräch und erfuhr Interessantes über die neue Trainer-Generation, Paul Scharners Beliebtheit und den Unterschied zwischen Spanien und England.

LAOLA1: Gratuliere zum Aufwärtstrend! Wie ist die Stimmung in der Mannschaft?

Jordi Gomez: Uns fehlt immer noch ein Punkt auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Aber die jüngsten Erfolgserlebnisse geben natürlich Auftrieb. Wir glauben weiterhin an die Stärke des Teams und es liegt an uns, diese unzufriedenstellende Situation zu ändern.

LAOLA1: Aber beunruhigt seid ihr nicht? Angesichts dessen, dass in der nächsten Partie mit Manchester United ein großes Kaliber wartet?

Gomez: Sicherlich heißt es, wir müssen Punkte gegen die kleinen Teams machen, aber letztendlich musst du in jedem Spiel versuchen zu punkten, sei es gegen kleine oder so genannte große Teams. Wir werden jedenfalls alles daran setzen.

LAOLA1: Was lief im Laufe der Saison schief?

Gomez: Die Mannschaft spielt Woche für Woche eigentlich guten Fußball. Leider begehen wir in den entscheidenden Momenten folgenschwere Fehler in der Abwehr oder scheitern im Abschluss. Wenn du keine Tore schießt, ist es schwer ein Spiel zu gewinnen. Aber ich glaube, dass die Mannschaft auf einem guten Weg ist und weiter gute Resultate einfahren wird.

LAOLA1: Heißt das, es fehlte auch ein wenig das Glück?

Gomez: Es gab Spiele, in denen wir gut gespielt haben, und wegen Kleinigkeiten letztlich doch nicht gewonnen haben. Da fehlte sicherlich, wie du sagst, auch das nötige Glück.

LAOLA1: Kommen wir zu deiner Person. Zunächst Stammspieler, dann nur noch auf der Bank und zuletzt schießt du Wigan zum Punktgewinn. Was war los?

Gomez: Ich spielte die ersten sechs Partien, wurde dann aber für die folgenden fünf Spieltage vom Trainer nicht berücksichtigt. Zuletzt habe ich dann aber wieder gespielt und auch getroffen, weswegen ich hoffe, weiter in der ersten Elf zu bleiben.

LAOLA1: Es war also eine Entscheidung des Trainers?

Gomez: Ja, ich war nicht verletzt.

LAOLA1: Wie ist dein Verhältnis zu Trainer Roberto Martinez?

Gomez: Wir arbeiten nun schon seit vier Jahren gemeinsam, waren beide zunächst bei Swansea. Dort haben wir eine gute Saison erlebt, weswegen ihn Wigan verpflichtet hat. Er hat mich dann zu sich in die Premier League geholt. Infolgedessen verstehe mich sehr gut mit ihm.

LAOLA1: Wie würdest du ihn beschreiben?

Gomez: Er ist ein sehr junger Trainer, der den Stil pflegt, der aus Spanien bekannt ist. Also schnelles, direktes Spiel und viel Ballbesitz. Diese Art zu spielen versucht er nun bei Wigan durchzusetzen, wo man früher den typisch englischen Fußball praktiziert hat, also ein körperbetontes Spiel mit vielen langen Bällen. Es ist natürlich nicht einfach, eine ganze Philosophie zu verändern

LAOLA1: Ist es in England möglich, diese Art von Fußball zu spielen?

Gomez: Ja gut, Arsenal spielt ähnlich. Der Großteil der kleinen Teams setzt eher auf die hohen Bälle. Wir versuchen zumindest, es den großen Vereinen gleichzumachen. Schritt für Schritt nähern wir uns dem System an, dass der Trainer von uns wünscht.

LAOLA1: Ist Martinez mit anderen jungen Trainern wie Villas-Boas oder Klopp zu vergleichen?

Gomez: Er ist einer der jungen Trainer, die versuchen, neue Ideen durchzusetzen und etwas zu verändern. Das ist natürlich nicht immer einfach, weil du diese Ideen mit den Spielern durchsetzen musst, die du zur Verfügung hast. Aber mit der Begeisterung, die sie an den Tag legt, wird diese neue Trainer-Generation Erfolge feiern.

LAOLA1: Ein Erfolgsrezept, das auch bei Wigan fruchtet.

Gomez: Herr Martinez macht einen sehr guten Job. Er hat Swansea in die Championship geführt und nach seinem Wechsel mit Wigan zwei Mal die Klasse gehalten. Bislang hatte er also immer Erfolg. Hoffen wir, dass es auch so weiter geht.

LAOLA1: Im Kader von Wigan stehen zur Zeit rund 20 Legionäre. Nicht untypisch für einen englischen Verein. Wie ist es, in so einem Team zu spielen?

Gomez: Wir haben viele Südamerikaner, die Spanisch sprechen. Das hilft am Anfang natürlich, sich einzugewöhnen. Aber Sprach-Schwierigkeiten gibt es bei so vielen Spielern immer, die Sprache des Fußballs ist aber international. Also versteht nach kurzer Zeit auch jeder, was der Trainer will.

LAOLA1: War dein Anfang auf der Insel schwierig?

Gomez: Wir waren bei Swansea fünf, sechs Spanier. Deshalb gab es keine großen Sprachprobleme. Und da der Trainer das für Spanien typische Spiel bevorzugte, war auch die Umstellung auf dem Platz nicht groß.

LAOLA1: Du kennst sowohl die spanische als auch die englische Liga. Welche der beiden ist die bessere?

Gomez: Das ist schwer zu sagen. Beide Ligen sind sehr verschieden und haben ihre Vorzüge. Die englische ist körperbetonter, in Spanien wird mehr Wert auf Technik gelegt. Der Unterschied liegt wohl in der Organisation und der Vermarktung. Vielleicht wirkt die Premier League deshalb von außen betrachtet stärker.

LAOLA1: Also eine klare Antwort gibt es nicht?

Gomez: Nein, beide sind auf unterschiedliche Weise stark.

LAOLA1: Du bist ja nun schon einige Zeit bei Wigan und hast unter anderem auch mit dem Österreicher Paul Scharner zusammen gespielt. Wie ist deine Meinung zu ihm?

Gomez: Er war drei, vier Jahre hier und hat seine Sache sehr gut gemacht. Er war ein netter Kollege, ich hab mich gut mit ihm verstanden. Darüber hinaus ist er universell einsatzfähig, hat meistens gespielt und war daher sehr wichtig für uns. Auch bei den Fans hatte er einen guten Stand.

LAOLA1: Siehst du es als Vorteil, Spanier zu sein, um im Ausland Erfolg zu haben. Lebt man da vom besseren Ruf als Spieler aus dem Land des Welt- und Europameisters?

Gomez: Vielleicht ist es wirklich so, dass manche dich als Spanier für einen guten Fußballer halten, auch wenn sie dich noch nicht gesehen haben. Wenn der Fußball in deinem Herkunftsland auf einem hohen Niveau ist, ist es sicherlich einfacher für dich in einer großen Liga, als etwa für einen Österreicher.

LAOLA1: Denkst du selbst ans Nationalteam?

Gomez: Im Moment ist das sicherlich kein Thema.

LAOLA1: Die katalanische Auswahl eher?

Gomez: Sie spielen nur einmal im Jahr und ich glaube nicht, dass sie mich nominieren werden. Es würde mir gefallen, aber in der Weihnachtspause spielen wir in der Premier League selbst genug. Also wird das wohl nicht gehen.

LAOLA1: Du spielst jetzt in einem kleineren englischen Team und doch scheint es in England so zu sein, dass die Kleinen die Größeren eher ärgern können. Was in Spanien zur Zeit nicht der Fall ist. Wie erklärst du diesen Bipolarismus in „La Liga“?

Gomez: In Spanien sind Barca und Real einfach über alle anderen zu stellen. Auch wenn es hier Unterschiede zwischen großen und kleinen Teams gibt, sind diese nicht so groß wie in Spanien. In jedem Spiel sind die vermeintlich Schwächeren in der Lage zu überraschen.

LAOLA1: Warum?

Gomez: Vielleicht aufgrund des Geldes. Barca und Real lukrieren in Spanien sehr viel Geld aus den Fernseh-Einnahmen, die anderen Teams verdienen fast nichts. In England findet eine gerechtere Verteilung statt. Es gibt weiterhin Unterschiede, diese sind aber nicht so eklatant.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch!

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