"So viel habe ich in Deutschland nie gelacht"

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Die Erleichterung ist Christian Fuchs anzusehen, dass die Ungewissheit über die Vereinszukunft ein Ende hat.

Mit dem Einrücken ins Camp in Stegersbach ist der Kapitän wieder in der ÖFB-Normalität angelangt, am Donnerstag nahm er bereits wieder am Trainingsbetrieb im Hinblick auf das EM-Quali-Gastspiel in Russland teil.

Die beiden Tage davor waren mit der Finalisierung des Wechsels zu Leicester City umso aufregender. Mit dem Engagement in der Premier League ist für den Niederösterreicher ein Traum in Erfüllung gegangen.

„Nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben“

„Die Art und Weise, wie in England Fußball gespielt wird – geradlinig, schnell und körperbetont – kommt mir entgegen. Ich habe mich immer sehr wohl gefühlt, wenn wir mit Schalke gegen Mannschaften wie Chelsea oder Arsenal gespielt haben. Ich habe auch eine relativ gute Bilanz gegen die Briten“, erklärt Fuchs.

Dass Coach Nigel Pearson zudem gerne mit einer Dreierkette spielt, passt ebenso zur Spielweise des 29-Jährigen. Schon beim SV Mattersburg und bei Schalke 04 wusste er als linker Flügel neben drei Innenverteidigern zu überzeugen.

Mit seiner Erfahrung von 66 Länderspielen soll Fuchs mithelfen, dass Leicester den nächsten Schritt macht. Ein Zittern um den Klassenerhalt wie in der abgelaufenen Saison soll es nicht mehr geben.

„Ziel ist Platz 10 bis 14 und möglichst nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Das ist auf alle Fälle drinnen. Jeder weiß, wie Leicester die Rückrunde mit vielen Siegen in Serie gestaltet hat. Das zeigt, dass richtig viel Potenzial drinnen und etwas möglich ist“, hofft der Linksverteidiger.

Kontinuität ist Trumpf

Der Verbleib in der Premier League wurde erst durch einen unglaublichen Endspurt der „Foxes“ mit sieben Siegen und einem Remis in den finalen acht Saison-Spielen möglich.

Der ÖFB-Kapitän soll nicht die einzige Verstärkung bleiben, einen Umbruch werde es jedoch nicht geben: „Manager Pearson will sich eigentlich nur punktuell verstärken, denn er baut auf seine Stammkräfte. Das zeigt, dass in diesem Verein eine Kontinuität drinnen ist.“

Allgemein könnten Transfers in diesem Sommer auf der Insel jedoch eine noch größere Rolle als sonst spielen. Durch den neuen TV-Vertrag ist noch mehr Geld als bisher am Markt.

„Das kann schon passieren“, rechnet auch Fuchs mit neuen Spieler-Attraktionen, welche die Liga noch kompetitiver machen, „England ist dafür bekannt, dass sie sich oft bis zur letzten Minute mit Verpflichtungen Zeit lassen. Ich denke aber schon, dass auf alle Fälle noch einige Stars in die Liga geholt werden.“

„Die englische Liga wird einfach sehr gut promotet“

Schon bisher waren die englischen Vereine bekanntlich nicht gerade arm wie eine Kirchenmaus. Im von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte veröffentlichten Umsatzranking der Saison 2013/14 führt die Premier League mit 3,9 Milliarden Euro souverän vor der deutschen Bundesliga (2,3 Milliarden) und Spaniens La Liga (1,9 Milliarden).

Englands Oberhaus kommt auf ein sattes Umsatz-Plus von 32 Prozent. Sinken wird der Umsatz in den kommenden Jahren angesichts des neuen Fernseh-Deals tendenziell nicht.

Dass gegen Saisonende die Nerven bei den „Knappen“ blank lagen, konnte man gut beobachten. Letztlich musste Coach Roberto Di Matteo seinen Hut nehmen, während Sportvorstand Horst Heldt weiterhin im Amt bleiben darf.

„Sie hatten sehr viel mit sich selbst zu tun, und das haben sie noch immer. Man sieht, da wird der Trainer entlassen – eine Kurzschlussreaktion, anstatt dass man einmal etwas Konstantes macht“, moniert Fuchs, der sich seinen Abgang respektvoller vorgestellt hätte:

„Meine persönliche Situation war am Schluss nicht zufriedenstellend. Da bin ich ehrlich gesagt auch sehr enttäuscht. Ich habe bis jetzt auch keine Verabschiedung bekommen. Nicht dass ich eine brauche oder dem nachweine, aber da geht es um eine Art des Umgangs und Respekts. Man verbringt vier Jahre seines Lebens dort und dann gibt es nicht einmal ein Tschüss.“

Aus Perspektive seiner neuen Wahlheimat kann man sagen: Nicht gerade die feine englische Art…

Peter Altmann

„Die englische Liga wird ganz einfach sehr gut promotet, da passiert auch drumherum sehr viel“, findet Fuchs auf die Frage, was die Premier League zur besten Liga der Welt macht, „einige der größten Mannschaften spielen in England, an den Top-7 gibt es für andere Mannschaften in fast keinem Jahr ein Vorbeikommen, dort tummeln sich viele Weltstars. Das ist schon unglaublich.“

Dieser magnetischen Anziehungskraft der Liga können sich viele Spieler nicht entziehen, dies gilt jedoch genauso für Fans. In der weltweiten Vermarktung ihres Produkts hat die Premier League durchaus einen Vorsprung.

Fuchs bemerkt dies immer wieder, wenn er seine Familie in New York besucht: „In den USA werden alle Spiele der Premier League übertragen, aus Deutschland immer nur eines von den jeweiligen Spielterminen. Die Wertigkeit von England ist eine ganz andere.“

„In zwei Tagen mehr gelacht als in Deutschland“

Von 12. bis 17. Juli können auch österreichische Fans in die Premier-League-Welt eintauchen, zumindest in jene von Leicester. Fuchs gastiert mit seinem neuen Arbeitgeber bei einem Trainingslager im steirischen Bad Radkersburg.

Je nachdem, wie lange er nach seinem Nationalteam-Engagement Urlaub bekommt, könnten es die ersten Einheiten des 29-Jährigen mit seinen Neo-Kollegen sein.

Integrationsprobleme erwartet er keine, denn die Stimmung in und rund um den Verein hat er während seines Besuchs in dieser Woche als absolut positiv empfunden:

„Du kommst dort hin und es herrscht eine ganz andere Stimmung. Verglichen mit Deutschland wird es teilweise viel lockerer genommen. Du wirst richtig gut behandelt, das muss ich absolut hervorheben. Ich war jetzt zwei Tage dort und habe richtig viel gelacht – so viel habe ich in Deutschland kein einziges Mal gelacht, echt ein Wahnsinn“, grinst Fuchs.

Abschied aus Schalke mit fahlem Beigeschmack

Dieser kleine Seitenhieb ist nach den jüngsten Erfahrungen bei Schalke 04 wohl angebracht. Nach vier Jahren bei den „Knappen“ käme der Tapetenwechsel zum absolut richtigen Zeitpunkt:

„Es war allerhöchste Eisenbahn, dass das passiert. Aber man muss schon sagen, dass die guten Zeiten auf Schalke überwogen haben. Ich durfte drei Jahre Champions League spielen, habe einige Tore gemacht und vorbereitet und viele Leute kennengelernt. Aber am Schluss hatte es einen fahlen Beigeschmack, weil ich finde, dass ich nicht richtig behandelt worden bin, wenn einem versprochen wird, dass du in den letzten sieben Spielen eine Chance kriegst und dann hast du nicht ein einziges Mal spielen dürfen.“

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