So steht es um die ÖFB-Legionäre in England

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Ein illustres ÖFB-Septett nimmt am kommenden Wochenende den Saisonstart in den beiden höchsten englischen Ligen in Angriff. Für vier Österreicher ist es der Startschuss in das Abenteuer Insel-Fußball.

Neben den "alten Hasen" Christian Fuchs und Sebastian Prödl, wagten auch Kevin Wimmer und Konstantin Kerschbaumer den Sprung über den Ärmelkanal. Auch England-Veteran Andreas Weimann wartet eine neue Herausforderung. Einzig Marko Arnautovic und Atdhe Nuhiu bewegen sich in einem gewohnten Umfeld.

So sieht die aktuelle Lage der ÖFB-Kicker in der Premier League und Championship aus:

Marko Arnautovic (Stoke City)

Stoke City wandelte sich in den letzten beiden Jahren unter Mark Hughes drastisch. Nach dem vornehmlich auf Kampf und Physis ausgelegten Stil unter Tony Pulis wurden unter Hughes vermehrt spielerische Elemente forciert. Mit zwei neunten Rängen in Folge und dem in der Vorsaison erzielten Punkte-Rekord der Klub-Geschichte schlug sich das auch positiv in der Tabelle nieder. Die veränderten Rahmenbedingungen kommen auch Arnautovic entgegen, ebenso wie das Vertrauen des Trainers. In seinem 4-4-1-1-System sollte Arnautovic links in der Offensivreihe gesetzt sein, der ÖFB-Kicker muss aber auch liefern. Im Schnitt war der 26-Jährige wenn er in der letzten Saison auf dem Platz stand nur alle 320 Minuten an einem Tor beteiligt, selbst traf er bei 29 Einsätzen nur einmal - zu wenig. Hughes weiß um Arnautovic' Potenzial, dieses muss aber regelmäßiger abgerufen werden, ansonsten droht ein Bankplatz. Denn Hughs ließ erneut seine guten Kontakte zum FC Barcelona spielen und holte Ibrahim Afellay sowie Moha aus Katalonien und verschärfte damit den Konkurrenzkampf in der Offensive weiter, wo mit Ireland, Walters, Odemwingie, Diouf, Joselu, Crouch und Krkic das Gedränge trotz des Abgangs von N'Zonzi groß ist. In der Vorbereitung hinterließ Arnautovic auch ohne Torerfolg einen guten Eindruck, allerdings steht ein Fragezeichen hinter seiner Fitness. Beim 0:3 gegen Porto wurde er mit Oberschenkelproblemen vorsichtshalber ausgewechselt. Dieses Körperteil machte dem 26-Jährigen zuletzt mehrmals Schwierigkeiten. Rechtzeitig zum PL-Start gegen Liverpool soll er aber wieder fit sein.

Kevin Wimmer (Tottenham Hotspur)

Naturgemäß ging für Wimmer mit dem Wechsel in die Premier League ein Traum in Erfüllung. Ob er bei Tottenham wirklich glücklich wird, wird aber die Zeit weisen. Zum einen ist die Konkurrenz in der Innenverteidigung eine harte, zum anderen ist das Abwehrzentrum der Spurs nicht gerade eine Komfortzone. Nur vier Teams mussten in der Vorsaison mehr Gegentore hinnehmen als Tottenham, was vorwiegend mit dem aggressiven Pressing-Stil von Coach Mauricio Pochettino zusammenhängt. Die hoch angelegte Jagd nach dem Ball brachte die Innenverteidiger bisweilen immer wieder in unangenehme Kontersituationen, in denen der Gegner gerne mal in Überzahl daherkam. Gerade für Wimmer dürfte diese Spielanlage eine enorme Umstellung sein, bezog sein Ex-Klub Köln in den letzten beiden Jahren seinen Erfolg doch aus einer unheimlich kompakten und stabilen Defensive heraus. Ohnehin blüht dem 22-Jährigen aber die Rolle als Backup. An Jan Vertonghen und dem ebenfalls neu geholten Toby Alderweireld dürfte zunächst kein Vorbeikommen sein. Das Duo kennt sich bestens und wurde bei Ajax Seite an Seite zweimal Meister, ehe sich ihre Wege trennten. Wimmer agierte in den Testspielen zumeist an der Seite von Alderweireld oder Federico Fazio und betonte mehrfach, wie wichtig seine erfahrenern Kollegen für ihn sind: "Es ist immer gut für einen jungen Spieler wie mich, wenn du nach links oder rechts siehst und dort sehr gute Spieler neben dir stehen. Sie sind immer sehr fokussiert während der Partien, aber sie bleiben auch immer ruhig, du kannst sie immer anspielen und sie versuchen, dich zu coachen wenn du unter Druck bist." Für Tottenham geht es in Runde eins zu Manchester United.

Sebastian Prödl (FC Watford)

Vieles neu bei Watford. Gleich elf Neuzugänge gönnte sich der Aufsteiger, zudem schwingt mit Quiche Sanchez Flores ein neuer Coach das Zepter an der Vicarage Road, nachdem man sich mit Aufstiegstrainer Slavisa Jokanovic nicht über eine Vertragsverlängerung einigen konnte. In die Riege der teils namhaften Verstärkungen (Holebas, Behrami, Jurado, ...) reihte sich auch Prödl ein. In Deutschland nicht immer unumstritten, scheinen die Erwartungen in den 28-Jährigen auf der Insel groß zu sein. "Whoscored.com" führte den ÖFB-Verteidiger zuletzt in seiner Top-Elf aller Premier-League-Neuzugänge. Die Spielweise in England dürfte dem körperlich präsenten Steirer durchaus liegen, in der Vorbereitung kristallisierte sich das Duo Prödl und Craig Cathcart, einstiges Talent von Manchester United, als Innenverteidiger-Paar heraus. Für die Hornets geht es im ersten Jahr nach dem Aufstieg nur darum, die Klasse zu halten. Das bestätigt auch Prödl, der meint: "Es wird hart und es ist ein schwieriges Ziel, aber wir denken, wir können es schaffen. Unterschätzt niemals die Underdogs, denn wir freuen uns darauf, mit dem Team in der Premier League zu bleiben." Zum Auftakt geht es für Watford zum FC Everton.

Christian Fuchs (Leicester City)

Auch Leicester hat mit Claudio Ranieri einen neuen Mann auf die Trainerbank gesetzt. Damit dürfte an der Seitenlinie deutlich mehr Ruhe einkehren, als unter dem für Eskapaden bekannten Ex-Coach Nigel Pearson. Der Bundesliga-gestählte und Champions-League-erprobte Fuchs bringt viel Erfahrung mit, auf die intensivere Spielweise freut sich der ÖFB-Kapitän. "Es ist sehr pyhsisch, britischer Fußball, so habe ich ihn kennengelernt und es gefällt mir sehr gut", meint Fuchs. "So wie es im Moment aussieht, spielen wir mit drei Verteidigern und ich bin der linke Part", verrät der 29-Jährige und fügt hinzu: "Das ist ok für mich. Ich habe dieses System lange Zeit mit Schalke gespielt und auch in Österreich." Auch bei Fuchs sieht es zum Saisontart, der zuhause gegen Sunderland erfolgt, nach einem Stammplatz aus. Das Ziel für diese Spielzeit formuliert Fuchs klar: "Wir wollen nichts mit dem Abstieg zu tun haben."

Andreas Weimann (Derby County)

Es wird eine entscheidende Saison für den 23-Jährigen, der am Scheideweg zu stehen scheint. Nach sieben Jahren - mit kurzen Unterbrechungen - bei Aston Villa war die Zeit reif für eine Veränderung und den Rückschritt in die Championship. Kam er beim Klub aus Birmingham zuletzt mal mehr, mal weniger zum Einsatz, stehen die Chancen auf Spielzeit bei Derby County deutlich besser. Diese wird er neben einem alten Bekannten bekommen, denn neben Weimann verpflichteten die Rams auch gleich Darren Bent, der im Frühjahr bereits auf Leihbasis in der Grafschaft Derbyshire überzeugte (20 Spiele, 12 Tore). An Selbstvertrauen sollte es Weimann aktuell nicht mangeln, in den beiden letzten Testspielen gegen Villarreal (1:1) und Burton (3:1) trug er sich jeweils einmal in die Schützenliste ein. Eine baldige Rückkehr in die Premier League ist das Ziel, immerhn gilt Derby als einer der Top-Favoriten auf den Aufstieg. Im Vorjahr scheiterte man unter Trainer Steve McClaren an dieser Aufgabe, mit seinem Nachfolger Paul Clement, Co-Trainer von Carlo Ancelotti bei Chelsea, PSG und zuletzt Real Madrid, soll es dieses Mal klappen. Zum Start geht es zu den Bolton Wanderers.

Konstantin Kerschbaumer (FC Brentford)

Kerschbaumer darf sich gute Chancen auf einen Platz in der Startelf ausrechnen, wenn es mit dem Heimspiel gegen Ipswich Town losgeht. Der Neuzugang hat eine gute Vorbereitung hinter sich und wird aller Voraussicht nach einen Platz im Mittelfeld der Bees ergattern. Für den Klub, der dank weiteren Kontakten zu Marco Djuricin und Philipp Schobesberger in Österreich zuletzt in aller Munde war, soll mit Neo-Trainer Marinus Dijkhuizen der Aufstieg her, der im Vorjahr in den Playoffs verspielt wurde. Kerschbaumer brennt jedenfalls bereits auf den Saisonstart und seinen ersten Einsatz in England. "Ich bin wirklich aufgeregt und freue mich auf Samstag. Wir werden im Griffin Park ein volles Stadion haben. Auf diese Atmosphäre freue ich mich und es ist unser erster Kampf um drei Punkte. Das ist der Grund, warum wir Fußball-Profis sind. Wir wollen in jedem Spiel kämpfen und in der Tabelle oben mit dabei sein", strotzt der 23-Jährige vor Energie.

Atdhe Nuhiu (Sheffield Wednesday)

Es gab Gerüchte, Liga-Konkurrent Milton Keynes Dons wäre an Nuhiu interessiert und würde rund eine halbe Million Pfund für ihn bezahlen. Doch der Mann, der die Fans der Owls entzweit, ist noch da. Mit elf Toren in 47 Spielen war Nuhiu in der Vorsaison zwar der beste Torschütze seines Teams, allerdings war die Offensivabteilung Wednesdays auch eine der schlechtesten der Liga. Daher engagierte der portugiesische Coach Carlos Carvalhal gleich drei neue Angreifer. "Ich denke, Konkurrenz macht dich besser und stellt sicher, dass du dich jeden Tag im Training beweist", sieht Nuhiu die Situation positiv. Und es scheint zu wirken. Im Kampf um einen Stammplatz setzte der seit wenigen Tagen 26-Jährige mit drei Toren und einem Assist in den letzten beiden Testspielen ein Ausrufezeichen. Er zeigte sich verbessert im Kopfballspiel und beim Ballhalten - gute Argumente für einen Einsatz beim Heim-Auftakt gegen Bristol City. "Jeder im Team möchte etwas erreichen und den Klub dorthin zurück bringen, wo er hingehört. Ich denke, es kann eine tolle Saison werden", gibt sich der Stürmer zuversichtlich.


Christoph Kristandl

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