Eine Frage der Hautfarbe

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Mehr Chancen für schwarze Trainer?

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„Um ehrlich zu sein: Vor dem Vorstellungsgespräch war er für mich nur ein weiterer Typ, der Assistenztrainer ist.“

Dan Rooney, Eigentümer der Pittsburgh Steelers, spricht über Mike Tomlin. Seines Zeichens der jüngste Trainer aller Zeiten, der die Super Bowl gewinnen konnte. Weil er Rooney im Gespräch von seinen Vorstellungen überzeugte.

Dieser hätte den Coach aber nie interviewt, gäbe es da nicht eine Regel, die er selbst ins Leben gerufen hat – „The Rooney Rule“.

Regel zeigt Wirkung

2003 wurde diese Regel eingeführt. Sie besagt, dass Teams bei der Trainersuche mindestens einen Coach, der einer ethnischen Minderheit angehört, zum Vorstellungsgespräch bitten müssen.

Drei Jahre nach ihrer Einführung war der Prozentsatz der afroamerikanischen Trainer in der NFL von sechs auf 22 Prozent gestiegen.

Schauplatzwechsel.

Ende Februar installierte Wolverhampton Terry Connor bis Saisonende als Trainer. Er ist aktuell der einzige schwarze Betreuer eines Premier-League-Teams.

„Wir müssen diese Sache voranbringen“, sagt Gordon Taylor, Vorsitzender der englischen Fußballer-Gewerkschaft PFA. Diese Sache, von der er spricht, ist die Einführung der „Rooney Rule“ im englischen Profi-Fußball.

Seit Monaten plädiert Taylor mit aller Vehemenz dafür. Seit Monaten wird darüber diskutiert. Seit Monaten werden Pro und Contra abgewogen.

Ein Ungleichgewicht

Die Fakten: Ein Drittel der PFA-Mitglieder und ein Viertel der Premier-League-Profis sind Schwarze. Der Prozentsatz der bei Profi-Klubs engagierten schwarzen Trainer liegt lediglich bei zwei. Dabei hatten 21 Prozent jener Männer, die zwischen 2009 und 2011 ihre Trainerlizenz gemacht haben, eine dunkle Hautfarbe.

Vor Connor saßen in der Premier-League-Geschichte erst vier Schwarze als Cheftrainer auf der Bank: Chris Houghton (Newcastle), Paul Ince (Blackburn), Ruud Gullit (Chelsea, Newcastle) und Jean Tigana (Fulham). Die beiden Letztgenannten wohlgemerkt als Ausländer.

„Ich finde es verwunderlich, dass wir jemanden wie Tigana und Gullit importieren können und es da kein Problem gibt, aber unseren eigenen Jungs, die in diesem Land aufgewachsen sind, nicht die Chance gegeben wird, ordentlich repräsentiert zu werden“, sagt Taylor.

Viele Kicker würden nach ihrer aktiven Karriere gerne ins Trainergeschäft wechseln, doch jene mit dunkler Hautfarbe hätten praktisch keine Chance, diesen Traum zu verwirklichen, meint der PFA-Boss.

Die Gegenstimmen

„Ich stimme nicht damit überein. Wenn ein Ex-Spieler gut genug ist, kriegt er einen Job. Ihr könnt mir nicht erzählen, dass ein Klub-Präsident jemandem keinen Job gibt, weil er schwarz ist. Diese kranken Zeiten sind vorbei“, hält Tottenham-Manager Harry Redknapp dagegen.

Auch Alex McLeish (Aston Villa) und der mittlerweile von Chelsea gefeuerte Andres Villas-Boas äußerten sich in der Vergangenheit ähnlich.

Mehr Chancen auch für Weiße

Doch die Befürworter der „Rooney Rule“ hängen ihre Forderung nicht einzig und alleine auf den Vorteilen für schwarze Trainer auf.

Zum einen würde Trainer-Bestellungen dadurch grundsätzlich mehr Transparenz verliehen, zum anderen würden auch weiße Trainer mehr Chancen bekommen, da insgesamt mehr Kandidaten interviewt werden würden.

Gegen die Trainer-Legionärsflut

Eine weitere Idee, die immer wieder ins Spiel gebracht wird: Es könnte in die Regelung auch aufgenommen werden, dass zumindest ein britischer Trainer in Betracht gezogen werden muss. Angesichts der Trainer-Legionärsflut in der Premier League wäre das für die heimischen Vertreter der Zunft ein Vorteil.

Zudem werden die „Rooney Rule“-Anhänger nicht müde, zu betonen, dass jeder Klub nach wie vor seinen Wunschkandidaten unter Vertrag nehmen könnte. Aber eben so mancher Vorstand durch ein Gespräch mit einem Kandidaten, den er nicht auf dem Zettel hatte, eine andere Sichtweise gewinnen könnte.

Und am Ende damit vielleicht sogar Erfolg hat. Wie Rooney, Tomlin und die Steelers.


Harald Prantl

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