Der Meister der Konstanz als Ferguson-Nachfolger

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Es wurde also nicht Jürgen Klopp. Auch nicht José Mourinho. David Moyes ist der neue starke Mann bei Manchester United und damit Nachfolger des legendären „Sir“ Alex Ferguson.

Der 50-Jährige einigt sich mit den "Red Devils" auf einen Sechsjahres-Vertrag.

Während der Schotte in Kontinentaleuropa nicht den großen Namen hat, genießt er auf der Insel einen ausgezeichneten Ruf.

""Als wir uns über die Kandidaten beratschlagten, haben wir uns unisono für David Moyes entschieden", so Ferguson, der am Mittwoch seinen Rücktritt mit Saisonende verkündete.

Man schätzt seine Loyalität und seine kontinuierliche Arbeit. Attribute, die die Verantwortlichen überzeugt haben und die stark an „Fergie“ erinnern. Vor allem Vereinslegende Bobby Charlton soll sich für Moyes stark gemacht haben.

Diesen Respekt hat sich der 50-Jährige hart erarbeitet. Er legt mit Everton trotz verhältnismäßig kleinem Budget seit mehr als einem Jahrzehnt eine solide Saison nach der anderen hin.

Bereit für die größten Fußstapfen der Trainer-Welt?

Trotzdem ist sich die Öffentlichkeit nicht einig, ob der Noch-„Toffee“-Coach bereit ist, in die wohl größtmöglichen Fußstapfen der Trainerwelt zu treten. Seine mangelnde Trophäensammlung ist dabei das Hauptargument

Skepsis gegenüber seiner Person ist keineswegs etwas Neues in Moyes‘ Leben. Eine elfeinhalbjährige Amtszeit bei Everton hatte dem ehemaligen Verteidiger bei seiner Verpflichtung im Jänner 2002 kaum einer zugetraut.

Moyes verfügte weder als Spieler, noch als Trainer über Erfahrung auf dem englischen Top-Level und war nur wenige Jahre älter als einige seiner Schützlinge.

Eine ziemlich risikoreiche Verpflichtung, vor allem für einen Klub, der sich zu dieser Zeit im Abstiegsstrudel befand, aber eine, die sich lohnen sollte.

Konstanz an der Mersey

Unter der Ägide Moyes‘ erreichten die Blauen aus Liverpool einmal das FA-Cup-Finale und beenden die Premier League dieses Jahr zum neunten Mal unter den ersten Acht.

2004/05 wurde sogar die Phalanx der damaligen Top Vier (Chelsea, Arsenal, ManUnited, Liverpool) geknackt und die Saison vor dem Stadtrivalen beendet. An sich schon eine Sensation, aber wenn man bedenkt, dass vor der Spielzeit Topstar Wayne Rooney den Verein verließ, ist die Leistung noch höher einzustufen.

Besonders die Trainerkollegen schätzen Moyes' Arbeit. So wurde er von den englischen Profi-Coaches bereits dreimal zum LMA Manager of the Year gewählt.

Zum Vergleich: Wenger erhielt den Preis zweimal, Ferguson dreimal. Kein Wunder, dass Moyes schon länger als Nachfolger seines Landsmanns bei den „Red Devils“ gehandelt wurde.

Einfaches Erfolgsrezept

„Wenn man mit den großen Jobs in Verbindung gebracht wird, macht man etwas richtig. Wegen der Schwierigkeit der Liga und unserer finanziellen Situation ist es schwer, bei Everton dauerhaft Erfolg zu haben. Die Langlebigkeit und die Konstanz des Klubs haben mich bekannt gemacht“, so Moyes in der "Liverpool Daily Post" anlässlich seines zehnjährigen Everton-Jubiläums im Jahr 2012.

Saison Punkte Platzierung
2001/02 43 15.
2002/03 59 7.
2003/04 38 17.
2004/05 61 4.
2005/06 50 11.
2006/07 58 6.
2007/08 65 5.
2008/09 63 5.
2009/10 61 8.
2010/11 54 7.
2011/12 56 7.
2012/13 60
  1. (nach 36 von 38 Runden)

Das Rezept für den Erfolg an der Mersey scheint denkbar einfach: „Ich betrachte meinen Job nicht als selbstverständlich und arbeite hart. Ich bin jeden Tag am Trainingsplatz und voller Ambitionen. Ich möchte erfolgreich sein. Es gibt keine magische Formel für mich.“

Arbeiter-Mentalität

Diese Arbeiter-Mentalität passte sehr gut zum „People’s Club“ und wird auch bei den United-Fans gut ankommen.

Seine Spieler können diesen an den Tag gelegten Fleiß nur bestätigen. „Er arbeitet so hart. In seinem ersten Jahr hat er alles gemacht. Vom Aufwärmen bis hin zum Aufbau-Training für verletzte Spieler“, sagte Lee Carsley, der unter Moyes sechs Jahre lang für die Aufräumarbeit im defensiven Mittelfeld Evertons zuständig war.

Was die Formation angeht, rückt Moyes kaum von seinem 4-2-3-1 (bzw. 4-4-1-1 gegen starke Gegner) ab, der Schotte gilt aber im Spiel als sehr reaktionsfreudig.

Menschenführung

Als größte Stärke wird dem 50-Jährigen aber der Umgang mit seinen Spielern ausgelegt. Noch so eine Parallele zu seinem Vorgänger. Immer wieder wird seine Integrität und Ehrlichkeit hervorgehoben. „Er hat alle immer fair und gleich behandelt“, so Ex-Schützling Steve Watson.

Menschenführung ist gerade bei einem Großklub mehr als gefragt, vor allem, wenn sich der Erfolg nicht auf Anhieb einstellen sollte.

 

Máté Esterházy

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