"Halbes Jahr Vollgas, dann hoffentlich oben bleiben"

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Mittlerweile ist es kein Wunder mehr, dass sich einige Leute verdutzt die Augen reiben und sich fragen: Wie hat er das schon wieder geschafft?

Ein halbes Jahr vereinslos, vier Spiele beim Letzten der österreichischen Bundesliga und schon ist Stefan Maierhofer wieder zurück auf der „Insel“ – ein Phänomen.

Für den 32-Jährigen ging diese Woche alles ganz schnell. Die Rückkehr zu Championship-Klub Millwall – zumindest bis Sommer - war schlussendlich eine Entscheidung des Herzens und der Vernunft.

„Für mich war entscheidend, dass ich den Verein kenne und etwas Seriöses habe, wo ich mich wohlfühle“, gesteht Maierhofer, den LAOLA1 gerade noch am Gate vor dem Abflug zum Auswärtsspiel gegen Blackpool erreichte.

So schnell kann es gehen

Kontakt hat es laut „The Hof“, wie er in England genannt wird, immer wieder mal gegeben. Montag, Dienstag und Mittwoch telefonierte er mit der Vereinsleitung, dann fiel die Entscheidung.

Nachdem am Donnerstag letzte Einzelheiten geklärt wurden, hob er Abends Richtung London ab, trainierte Freitag bereits mit der Mannschaft, um nachmittags erneut in den Flieger Richtung Blackpool zu steigen.

„Der Wunsch war, dass ich so schnell wie möglich einsteigen kann. Der Trainer wollte das auch unbedingt, da in den nächsten Wochen sehr viele Spiele sind. Da bin ich schon Teil des Teams.“

Im Sommer wurde keine Einigung über einen neuen Vertrag erzielt, einige Dinge waren für den „Langen“ damals nicht akzeptabel.

England statt Griechenland, Schweiz und Saudi Arabien

Nun sei der Verein erneut auf ihn zugekommen, um einen zweiten Anlauf zu starten.

„Es ist nicht ums Geld, viel mehr um Apartement, Auto und andere Dinge gegangen, um nicht ein halbes Jahr im Hotel zu wohnen. Da ist mir der Verein sehr entgegengekommen, deshalb habe ich mich dafür entscheiden.“

Anfragen aus Griechenland oder Schweiz wären spruchreif gewesen, aus Kasachstan oder Aserbaidschan soll es ebenfalls Interesse gegeben haben.

Vor Weihnachten gab es auch Gespräche mit einem Verein aus Saudi Arabien. Eine exotische Destination, aufgrund der Rahmenbedingungen war ein Wechsel jedoch zum Scheitern verurteilt.

„Der Trainer hat seit drei Monaten, Spieler seit vier, fünf Monaten kein Geld gekriegt. Da brauche ich nicht überlegen. Das wollte ich einfach nicht, ich wollte nicht wieder warten.“

"Die Anerkennung ist nicht verfallen"

Bei Millwall wurde der verlorene Sohn hingegen mit offenen Armen empfangen. Gelockt wurde Maierhofer durch die Aussage „Come on big man, we need you“.

„Das stimmt! Als ich heute angekommen bin, gab es vom Trainer eine herzliche Umarmung, er hat mich gleich hochgehoben. Das sind ehrliche, schöne Worte, die zeigen, dass die Anerkennung, die ich mir damals in den elf Spielen erarbeitet habe, nicht verfallen ist. Sie wissen, was sie an mir haben und welche Spielweise ich habe.“

Maierhofer schaffte mit Millwall 2013/14 den Klassenerhalt

Der neue, alte Coach, Ian Holloway, zeigt sich in einem ersten Statement auf der Vereins-Homepage höchst erfreut über die Verpflichtung.

„Stefans Präsenz vorne hilft uns, ganz anders aufzutreten, das hat man am Ende der letzten Saison gesehen. Ich bin glücklich, dass wir nun eine neue Option und mehrere Möglichkeiten haben. Ich weiß, wie entschlossen er ist, rauszugehen und für Millwall zu spielen.“

Wohlfühl-Faktor entscheidend

Viel hat sich seit seinem Abschied vergangenen Sommer nicht verändert. Die neue Umkleidekabine sei lässig, das Trainingsgelände habe Maierhofer noch nicht gesehen.

„Ein paar Spieler sind dazugekommen, aber sonst ist der Staff und das Trainerteam gleich geblieben. Viele freuen sich und haben gefragt, warum ich mir so lange Zeit gelassen habe, um wiederzukommen“, lächelt der 2,02-Meter-Hüne.

Der Wohlfühl-Faktor ist ihm sichtlich anzumerken. Mit der Flugdistanz von zwei Stunden ist auch die Entfernung zu seiner Freundin im Rahmen, zudem sei London eine unglaubliche Stadt.

Das Sportliche steht aber ganz klar im Vordergrund. „Für mich ist einfach wichtig, dass wir extrem viele Spiele haben. Da möchte ich einfach wieder aufzeigen, mich in den Fokus spielen und der Mannschaft helfen.“

Neustart nach „toller Zeit in Neustadt“

Während Millwall auf diese Unterstützung zurückgreifen kann, wird Maierhofer Wiener Neustadt nach nur vier Einsätzen schmerzlich abgehen.

Zwar wurde von Anfang an mit offenen Karten gespielt und eine Ausstiegsklausel akzeptiert, ein weinendes Auge war bei den Verantwortlichen trotzdem dabei. Der einmalige Torschütze will diese Zeit aber nicht missen.

„Es war sehr wichtig wieder in den Trainingsbetrieb einzusteigen und neue Leute kennenzulernen. Wir haben auch sechs Punkte geholt! Es war eine tolle Zeit. Ich habe für mich wieder viel dazugelernt und etwas mitgenommen. Kompliment an Neustadt, wie professionell gearbeitet wird. Ich wünsche ihnen das Beste.“

Ab sofort heißt es aber wieder, die „geile Atmosphäre“ auf der "Insel" einzuatmen. Schon am Samstag könnte es zum Comeback mit der Nummer 42 kommen.

„Jetzt ein halbes Jahr Vollgas geben und dann hoffentlich oben bleiben“, so Maierhofers Wunsch.


Alexander Karper

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