Botschaft statt Karriereende

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"Das Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf England"

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"Es geht nicht um mein Karriereende."

Mit diesen einleitenden Worten steckte Stefan Maierhofer beim Pressetermin im Wiener Musemumsquartier gleich einmal die Grenzen ab.

Aufgrund des spontanen Zusammentreffens war das Ausmaß im Vorfeld nicht abzusehen, Gerüchte machten schnell die Runde.

Doch an der Fortsetzung der Karriere des 31-Jährigen gibt es keine Zweifel. Vielmehr hatte der England-Legionär eine Botschaft zu verkünden.

Maierhofer will Erfahrungen weitergeben

In Zukunft wird er das Gesicht der Spielerberatungs-Agentur "sportscon GmbH" und steht dieser aufgrund seiner sportlichen Erfahrungen mit Rat und Tat zur Seite.

Einerseits will er jungen Sportlern helfen, Fehler zu vermeiden, die ihm selbst in seiner neunjährigen Karriere unterlaufen sind, andererseits baut er bereits für die Jahre nach seiner aktiven Laufbahn vor.

"Ich bin jetzt in einem Alter von 31 Jahren, wo ich mir schon meine Gedanken über die Zukunft mache", stellt Maierhofer in der kleinen Runde klar und arbeitet neben seiner Trainerkarierre, die er durch Erhalt der B-Lizenz bereits vorangetrieben hat, an einem zweiten Standbein.

Als Botschafter will er gemeinsam mit Finanz- und Steuerrechtsexperte Rudolf Peter sowie Jurist und Sportrechtsfachmann Dr. Andreas Joklik das neue Projekt in Angriff nehmen.

Andere Sportler vor eigenen Fehlern bewahren

Im Vordergrund steht die Rundum-Betreuung junger, aufstrebender Sportler, die bei anderen Spielervermittlern und -beratern nicht gegeben sei.

"Als ich als ÖFB-Teamspieler von England nach Deutschland verliehen war und wirklich gutes Geld verdient habe, dachte ich schon, dass ich einiges zurückbekomme. Dann hatte ich auf einmal eine 3-Länder-Steuerprüfung", erinnert sich der Stürmer an ein negatives Erlebnis.

Ein Thema, das ihn damals überraschte, vor dem ihn bei der Vertragsunterzeichnung keiner gewarnt hatte, schon gar nicht der Berater. In dieser Richtung will man ansetzen.

Bei der Rundum-Unterstützung soll etwa für einen Anwalt, Juristen, Steuerberater etc. gesorgt werden, um dem Sportler Schwierigkeiten, die weit über das Sportliche hinausgehen, zu ersparen.

"Wir wollen einen Ansatz finden, dass andere nicht die Fehler machen, die ich gemacht habe", so Maierhofer.

"Was machen diese Berater eigentlich?"

Der 2,02-Meter-Hüne selbst "verbrauchte" bisher sechs unterschiedliche Berater, vermisste aber abseits des Vorlegens neuer Vereins-Angebote die Betreuung darüber hinaus.

Auf rein profitorientierte Vermittler ist der "Major" seit langer Zeit nicht gut zu sprechen und verzichtet aus diesem Grund aktuell auf einen solchen. Vollmachten und Beteiligungen von bis zu 30 Prozent bei einem Transfer kommen für ihn nicht mehr in Frage.

Der Eindruck verstärkte sich dadurch, dass in der Vergangenheit immer mehr Kollegen, Freunde und unter anderem auch Ex-Teamspieler auf ihn zukamen und nach Hilfe und Tipps fragten.

In St. Pölten beobachtete er Familien, wo für Kinder mit 14 Jahren Verträge unterschrieben wurden, von einem Arzt im AKH wurde er darum gebeten, ob er nicht seinem 15-Jährigen Sohn helfen könnte, seine Karriere voranzutreiben.

"Da frage ich mich schon: Was machen deren Berater eigentlich?", versteht der Ex-Rapid und -Salzburg-Angreifer die Welt nicht mehr.

Karriere-Fortsetzung in England als großes Ziel

Maierhofer denkt, dass er aufgrund der vielen Kontakte, die er im In- und Ausland geknüpft hat, helfen kann und unterstützt das Konzept der neu ins Leben gerufenen Beratungsagentur.

Vorerst noch als Botschafter, schließlich fühlt sich der ehemalige ÖFB-Teamspieler fit, um noch einige Jahre aktiv auf dem Platz sein Können unter Beweis zu stellen.

Sein Vertrag beim Championship-Klub Millwall ist zwar ausgelaufen, Gespräche, wo es weitergehen soll, sind aber bereits in vollem Gange.

"Das Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf England, vielleicht auch auf Deutschland. Ich will weiterspielen, meine Einsätze bekommen und vor allem Spaß haben", meint Maierhofer.

Thema ÖFB-Team für Maierhofer noch nicht vom Tisch

Mit Millwall wird über eine Verlängerung seines Engagements gesprochen, auch andere Championship-Klubs zeigen Interesse. Auch seine ehemalige deutsche Heimat, wo der "Lange" unter anderem für den FC Bayern und Duisburg spielte, sowie die Türkei bleiben ein Thema.

Allerdings muss alles zusammenpassen - von Konditionen über Vertragslänge bis hin zur längerfristigen Planung mit eigener Wohnung, ohne einem Leben aus dem Koffer. Maierhofer ist nicht mehr in der Not, jeden Vertrag annehmen zu müssen, auch wenn ihn die vereinslose Zeit im vergangenen Jahr geprägt hat.

Die Zeit bei Millwall hat das Feuer in ihm erneut entfacht. "Ich bin für jeden Schritt in meiner Karriere dankbar. In England ist mir aber das Herz aufgegangen, da konnte ich meine Leidenschaft auf den Platz bringen."

Neben der Vereinssuche hat der Routinier noch ein weiteres Ziel: "Ich würde gerne wieder für Österreich spielen." Vom Karriereende ist somit keine Spur.

 

Alexander Karper

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