Kerschbaumer: "Der Klub will in die Premier League"

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Was haben Rod Stewart und Konstantin Kerschbaumer gemeinsam? Beide hegten den Traum, für den FC Brentford aufzulaufen.

Erfüllen wird sich diesen aber nur Letzterer.

Zwar hält sich hartnäckig die Geschichte, der junge Roderick David Stewart sei ein begnadeter Kicker gewesen und habe eine fußballerische Ausbildung beim Klub aus dem Londoner Westen erhalten, über die Rolle als Probe-Spieler kam er aber nicht hinaus.

"Ich war nicht einmal knapp dran", stellte er einmal gegenüber dem "Guardian" klar und meinte: "Ich war gut, aber nicht gut genug."

Kerschbaumer hingegen ist gut genug und darf sich kommende Saison in der Championship, der zweithöchsten englischen Liga, beweisen.

Für viele kam der Transfer des nunmehrigen Ex-Admiraners äußert überraschend und auch der 22-Jährige selbst konnte es zunächst nicht glauben.

"Den ersten Kontakt gab es vor zwei Wochen. Da hat mir mein Berater vom Interesse erzählt. Ich habe mir zunächst nicht viel dabei gedacht", gibt er im Gespräch mit LAOLA1 zu. "Aber ein paar Tage später haben sie ernst gemacht und man hat immer mehr gemerkt, dass sie mich unbedingt verpflichten wollen."

"Sie haben mich schon lange gescoutet"

Obwohl er erst im vergangenen Jänner von Erste-Liga-Klub St. Pölten in die Südstadt wechselte, scheint Kerschbaumer bereits seit geraumer Zeit bei den Engländern auf dem Zettel gestanden zu haben.

"Sie haben mir gesagt, dass sie mich schon sehr lange gescoutet haben und dass ihnen imponiert, wie ich immer wieder in beiden Strafräumen präsent bin, dass ich einfach ein Box-to-Box-Player bin", erklärt er die Beweggründe der "Bees", die ihre Neuzugänge vornehmlich nach statistischen Werten aussuchen.

In welchen Kategorien er besonderen Eindruck hinterlassen hat, weiß der Rechtsfuß allerdings nicht genau. "Dass ich an vielen Toren beteiligt bin, hat ihnen gefallen, aber dass sie mich explizit wegen dieser oder jener Statistik verpflichtet hätten, haben sie mir nichts erzählt."

Die Rolle als Box-to-Box-Spieler, der zwischen den beiden Strafräumen pendelt, ist Kerschbaumer jedenfalls auf den Leib geschneidert. "Ich würde schon sagen, dass ich ein Spieler bin, der viel auf dem Platz unterwegs ist und seine Stärken im Umschaltspiel hat. Ich bin vorne und hinten dabei und auf der Position des Achters oder Sechsers fühle ich mich auch am wohlsten", sagt er.

Beispiele für Großmeister dieser besonderen und vor allem in der Premier League hoch geschätzten Spieler finden sich schnell. Frank Lampard und Steven Gerrard sind solche, "aber auch Bastian Schweinsteiger imponiert mir sehr, da gibt es viele Vorbilder", will sich der Neo-Legionär nicht auf ein Idol festlegen.

"Der Klub will in die Premier League"

Ebenso groß wie die genannten Namen sind auch die Ziele von Brentford und seinem Neuzugang. "Der Klub will in die Premier League und da will ich ein Teil davon sein", weiß Kerschbaumer. Sein neues Team kennt er indes noch nicht wirklich. "Wir beginnen erst am Mittwoch mit dem Training", will er noch keine genaue Prognose über das Potenzial der Truppe abgeben, ein wenig Aufbruchstimmung dürfe es aber doch geben: "Der Verein ist aufstrebend, will Schritt für Schritt weiter kommen. In zwei Jahren bekommen wir ein neues Stadion und der Aufstieg wird dann das nächste Ziel sein."

Obwohl für Brentford in der letzten Saison erst im Playoff-Halbfinale Endstation war, gönnte man sich mit dem Niederländer Marinus Dijkhuizen einen neuen Trainer. Auch dieser sei bestens über Kerschbaumer informiert. "Er hat viele Spiele von mir auf Video gesehen, sieht mich auch als Spieler, der sich immer wieder vorne einschaltet und ist froh, dass es mit dem Transfer geklappt hat", erzählt Kerschbaumer, dessen Wechsel sich am Ende doch länger zog, als gedacht. Brentford und der Spieler waren sich nämlich recht schnell einig.

"Genau", bestätigt der 22-Jährige. "Es haben noch irgendwelche Kleinigkeiten gefehlt, ich weiß gar nicht welche. Jetzt freue ich mich natürlich, dass es endgültig fix ist."

Vorgeschmack auf England

Publik war die Einigung mit den Engländern bereits seit längerem. "Wir haben schon ein Foto mit Vereinsschal gemacht, für den Zeitpunkt, wenn der Transfer dann unter Dach und Fach ist. Anscheinend hat da aber im Stadion einer gelauert, ein Foto von der Seite geschossen und getwittert", erläutert Kerschbaumer, wie es zur Enthüllung des Sensationstransfers kam.

Ein erster Vorgeschmack auf eine andere Fußballwelt, den der gebürtige Tullner aber nicht negativ sieht. "Das zeigt, wie verrückt die Leute nach Fußball sind", sagt er und schildert die ersten gesammelten Eindrücke folgendermaßen: "Man merkt sofort, welchen Stellenwert der Fußball hier hat. Die Leute sind extrem engagiert, das ist cool."

Zeit, die englische Atmosphäre aufzusaugen, sollte er ob seines bis 2019 datierten Vertrags noch genug haben. Bislang konnte er sich noch nicht groß mit seiner neuen Heimat vertraut machen.

"Viel gesehen habe ich noch nicht von London. Ich bin heute angereist, war im Stadion und am Trainingsgelände und später gehe ich noch mit einem Teamkollegen essen" verrät er, dass es mit dem französischen Innenverteidiger Yoann Barbet, ebenfalls 22 Jahre alt, ebenfalls Neuzugang, bereits einen Mitspieler gibt, mit dem er sich "gleich gut verstanden hat".

Ab Mittwoch heißt es für den ÖFB-Export, sich im Training reinzuhängen. Dann wird er in wenigen Wochen auch die Ehre haben, im knapp 13.000 Zuschauer fassenden Griffin Park aufzulaufen. Ein Vergnügen, das dem Fußballer Rod Stewart nicht vergönnt war.

 

Christoph Kristandl

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