Heskey ist "immer noch jung"

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"War bei zwei Weltmeisterschaften - nicht schlecht"

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Über 20 Jahre schnürt Emile Heskey nun schon seine Fußballschuhe im Profibereich – und der bullige Stürmer hat noch nicht genug.

Als Emile William Ivanhoe Heskey am 8. März 1995 erstmals in der Premier League auflief, war Österreich wenige Wochen zuvor der EU beigetreten, Andre Agassi hatte sich erstmals die Australian Open gesichert und Tabellenführer Blackburn stapfte Schritt für Schritt dem Meistertitel entgegen.

Im Alter von 17 Jahren, einem Monat und 25 Tagen debütierte Heskey für Leicester City bei den Queens Park Rangers und startete damit eine Karriere mit Höhen und Tiefen, die nun womöglich in Bälde ihr Ende finden könnte.

Im stolzen Fußballeralter von mittlerweile 37 Jahren hofft der einstige englische Nationalspieler auf einen neuen Vertrag bei den Bolton Wanderers. Im Moment arbeite man noch daran, er sei aber sehr positiv gestimmt, dass der Championship-Klub ihm auch für die kommende Saison das Vertrauen schenken würde, meint Heskey im Gespräch mit LAOLA1. „Natürlich, ich bin immer noch jung“, gibt er sich agil wie eh und je.

Die Torquote als Streitpunkt

Für viele Fußballfans ist der Mann mit antiguanischen Wurzeln eine Legende, trotz, oder gerade weil er Zeit seiner Karriere von Fans und Medien heftig kritisiert wurde. Die Torquote sei für einen Stürmer zu gering, so der wiederkehrende Vorwurf. Diesen kann man nicht völlig von der Hand weisen. Der Angreifer, der im Zentrum und auf dem linken Flügel zuhause ist, bestach aber stets durch seine körperliche Präsenz und die Fähigkeit, den Ball zu halten. Gemeinsam mit Michael Owen wurde er Teil eines gefürchteten Stürmerduos beim FC Liverpool und im englischen Nationalteam. Allerdings musste er auch regelmäßig den Kopf hinhalten, wenn es mal nicht lief.

Heskey selbst ringt das ständige Mäkeln an seiner Performance rückblickend nur ein müdes Lächeln ab. „Ich bin eigentlich ganz glücklich mit meiner Karriere“, meint er. „Ich konnte einige Trophäen gewinnen. Viele Menschen bekommen nie die Chance, große Turniere zu spielen, ich durfte das erleben. Als Kind träumst du davon, zu einer WM zu fahren – und ich war bei zweien, das ist nicht so schlecht“, schmunzelt das Kraftpaket.

Mittlerweile ist Heskey so lange im Geschäft, dass er heute unter einem ehemaligen Mitspieler trainiert. „Ich habe so lange mit ihm zusammengearbeitet, lange genug mit ihm zusammengespielt. Wir verstehen uns einfach sehr gut“, meint Heskey über Bolton-Coach Neil Lennon, mit dem er bei Leicester gemeinsam in einer Mannschaft stand.

Furioses Comeback und die alte Leier

Unter ihm feierte der Altstar im vergangenen Dezember auch ein vielumjubeltes Comeback. Nach einem Engagement beim australischen Klub Newcastle United Jets war Heskey mehrere Monate ohne Verein, ehe er bei Bolton vorspielen durfte und überzeugte. Die Wanderers befreiten Heskey aus dem Vorruhestand und der Neuzugang bedankte sich postwendend. Bei seinem ersten Einsatz traf Heskey am Boxing Day gegen Blackburn als Joker zum Ausgleich und leitete damit die Wende zum 2:1-Sieg ein.

Ein furioser Start, dem in puncto Zählbarem wenig folgte. In den restlichen 17 Partien konnte er keinen weiteren Treffer verbuchen. Und wieder waren sie da, die Kritiker, die genüsslich die torlosen Minuten des Emile Heskey zählten.

Coach Lennon zeigte sich zuletzt aber angetan von der Leistung seines alten Freundes. „Er war fantastisch und hat der Mannschaft weit mehr gegeben, als ich gedacht hätte. Er war in den letzten Monaten unser bester Spieler und ein großartiger Zugewinn in der Kabine“, so der Schotte gegenüber "Sky".

"Ich weiß, dass ich noch mehr drauf habe"

In all den Jahren habe er sich nicht verändert, meint Lennon und attestiert Heskey: „Er ist immer noch locker drauf, aber auf dem Platz ist er ein absolutes Tier. Du kannst jeden Verteidiger in der Championship fragen, der gegen ihn gespielt hat, sie werden bestätigen, dass sie alle Hände voll zu tun hatten.“

Das Lob des Trainers schmeichelt Heskey zwar, er selbst gibt sich aber deutlich selbstkritischer. „Ich freue mich, dass der Coach zufrieden mit mir war, aber ich weiß, dass ich noch mehr drauf habe“, sagt er. „Ich war sechs Monate weg vom Fenster, bin dann sofort wieder voll eingestiegen und war mehr verletzt, als es mir lieb war.“

Dabei sollte die Fitness grundsätzlich kein Problem für „Bruno“, wie Heskey in seiner Anfangszeit in Anlehnung an den Boxer Frank Bruno genannt wurde, sein. Der Koloss sieht kräftig wie eh und je aus und fühlt sich gut. Ein spezielles Geheimnis hat er dabei nicht.

„Ich mache kein Yoga“, grinst er, angesprochen auf die Trainingsform, auf die Ryan Giggs schwört, „aber wenn du in ein gewisses Alter kommst, musst du auf dich achten.“ Alkohol und Zigaretten sind für ihn tabu, er lebe das Leben eines guten Profis. „So gut ich eben kann“, schmunzelt Heskey.

Wie es mit einem Plan B aussieht, wenn es kein weiteres Engagement bei Bolton geben sollte? „Ich mache einen Schritt nach dem anderen“, will er nicht zu weit in die Zukunft blicken. „Vielleicht spiele ich noch irgendwo anders. Vielleicht versuche ich mich einmal als Trainer. Man wird sehen, was sich ergibt, aber ich habe keine Eile“, bleibt der 37-Jährige gelassen.

Wer in seine Augen sieht, weiß aber, dass er noch weiterspielen will, denn Emile Heskey hat noch nicht genug.

 

Christoph Kristandl

Klub Spiele Tore
Leicester City 125 33
FC Liverpool 204 54
Birmingham City 71 15
Wigan Athletic 88 16
Aston Villa 110 14
Newcastle United Jets 41 10
Bolton Wanderers 18 1
England 62
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