Holzhauser: "Ich hatte ein kurzes Leistungstief"

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Der Countdown zum großen Finale tickt unaufhaltsam runter.

Wenn am Samstagabend (20 Uhr) der FC Bayern und der VfB Stuttgart im DFB-Pokal-Endspiel aufeinandertreffen, geht es für beide um mehr als den Sieg.

Für die Münchner um das i-Tüpfelchen einer grandiosen Saison. Ein Sieg würde das erste Triple in der Geschichte des deutschen Fußballs bedeuten.

Für die Schwaben um den ersten Titel seit sechs Jahren (Meister 2007) und den versöhnlichen Abschluss einer durchwachsenen Saison, die in der Liga nur zu Platz zwölf reichte.

Holzhausers „größtes Spiel“

„Die Nervosität wächst natürlich, je näher das Spiel kommt“, gibt sich ÖFB-Legionär Raphael Holzhauser im Gespräch mit LAOLA1 keinen Illusionen hin und betont zugleich: „Die Vorfreude ist riesig!“

Für den 20-Jährigen wird es „das größte Spiel meiner Karriere, schließlich geht es um einen Titel. Es wäre eine Riesensache für uns, wenn wir den Pokal holen könnten.“

Auf den VfB wartet allerdings eine Mammutaufgabe, duelliert man sich doch mit der derzeit stärksten Mannschaft Europas. Die Bayern agieren seit Monaten in Überform und tankten mit dem Gewinn der Champions League noch einmal gehörig Selbstvertrauen.

Holzhauser ist klar, dass sein Team nur mit einem außergewöhnlich guten Tag eine Chance hat, das Triple des FCB zu verhindern. Die Vorbereitung sei gut verlaufen, die Mannschaft perfekt auf den Gegner eingestellt.

Die Lust am Spiel nehmen

Die Rolle des Außenseiters könnte dem Team von Bruno Labbadia durchaus entgegenkommen, Stuttgart geht jedenfalls ohne großen Druck in das Finale. „Wenn wir defensiv kompakt stehen und unsere Chancen, die wir sicher bekommen werden, entsprechend gut nützen, können wir vielleicht für eine Überraschung sorgen“, glaubt der Mittelfeldspieler.

Wie Martin Harnik, der vor einigen Tagen ankündigte, den Bayern mit Kampfgeist entgegensetzen zu wollen, sieht auch sein Landsmann eine Chance, „ihnen die Lust am Spiel zu nehmen“.

Eine aggressive Spielweise sei notwendig, wenngleich Holzhauser bewusst betont, „immer im fairen Bereich“ agieren zu wollen. Der VfB wolle den Giganten aus München ähnlich wie der BVB im Champions-League-Finale früh stören und zu Ballverlusten zwingen, „um dann eiskalt zuzuschlagen“.

„Robbery“ am gefährlichsten

Besondere Gefahr strahlen aus Sicht des ÖFB-U21-Teamkapitäns die beiden großen Individualisten in den Reihen der Münchner, Franck Ribery und Arjen Robben, aus. „Die Bayern spielen die ganze Saison auf einem überragenden Niveau, aber die beiden Außen sind am gefährlichsten. Wir wollen sie in den Griff bekommen, indem wir sie doppeln.“

Den Ausfall der beiden Brasilianer Dante und Luiz Gustavo, die zum Nationalteam abgestellt werden mussten, um einer Final-Entscheidung am Grünen Tisch zu entgehen, sieht der 20-Jährige nicht so dramatisch.

„Das verkraften sie locker. Gustavo war kein Stammspieler mehr, für Dante spielt wohl van Buyten.“ Der Belgier anstelle des „Selecao“-Verteidigers könne allerdings ein kleiner Vorteil für den VfB sein, mutmaßt Holzhauser. „Dante war schließlich für den Spielaufbau verantwortlich.“

1,8 Promille bei einem Finalsieg

Völlig entspannt und locker spricht der ÖFB-Legionär über den umstrittenen Promille-Sager von Bayerns Vorstandsvorsitzendem Karl-Heinz Rummenigge. „Ich glaube, mit 1,8 Promille haben wir trotzdem eine Chance“, tönte der 57-Jährige überschwänglich nach dem Erfolg über Dortmund im Wembley-Stadion und machte sich damit keine Freunde.

FC BAYERN

  1. Runde

SSV Jahn Regensburg (a)

4:0

Mandzukic/2, Shaqiri, Pizarro

  1. Runde
  1. FC Kaiserslautern (h)

4:0

Pizarro/2, Robben/2

1/8-Finale

FC Augsburg (a)

2:0

Gomez, Shaqiri

1/4-Finale

Borussia Dortmund (h)

1:0

Robben

1/2-Finale

VfL Wolfsburg (h)

6:1

Gomez/3, Mandzukic, Robben, Shaqiri

VFB STUTTGART

  1. Runde

SV Falkensee-Finkenkrug (a)

5:0

Harnik/2, Ibisevic, Torun, Okazaki

  1. Runde

FC St. Pauli (h)

3:0

Traore, Ibisevic, Hajnal

1/8-Finale

  1. FC Köln (h)

2:1

Gentner, Ibisevic

1/4-Finale

VfL Bochum (h)

2:0

Gentner, Ibisevic

1/2-Finale

SC Freiburg (h)

2:1

Boka, Harnik

„Das ist ein typischer Bayern-Spruch“, nimmt Holzhauser die Aussage nicht ernst. Ihn und seine Kollegen dürfe nicht interessieren, was die Münchner zu sagen hätten. Sollte allerdings der VfB gewinnen, „werden wir bestimmt auch 1,8 Promille haben“.

Seine Chancen auf einen Startelfeinsatz schätzt er indes als sehr gering ein, die Hoffnung auf einen Einsatz als Joker lebt hingegen. „In den letzten Wochen habe ich ordentliche Leistungen gezeigt, wenn ich ins Spiel kam. Ich baue darauf und hoffe, dass ich eine Chance bekomme und der Mannschaft helfen kann.“

Körperlich muss er zulegen

Dabei hatte er lange ein Abo in der Startformation der Schwaben. In der Hinrunde war der ÖFB-Youngster gesetzt, zu Beginn der Rückrunde verlor er jedoch seinen Platz. „Ich hatte ein kurzes Leistungstief, ich war nicht konstant genug, was ich auch eingesehen habe“, gibt er sich selbstkritisch.

Über die ganze Saison gesehen zieht er hingegen ein positives Resümee, schließlich hätte kaum jemand für möglich gehalten, dass er auf 30 Pflichtspieleinsätze kommt. Dennoch sei er sich bewusst, dass „mehr drin gewesen“ wäre.

Um auch die letzten Prozent aus sich rauszuholen und den nächsten Entwicklungsschritt zu nehmen, will Holzhauser die Sommerpause intensiv nutzen, um körperlich zuzulegen. „Ansonsten habe ich bewiesen, dass ich in der Bundesliga mithalten kann und mit meinen 20 Jahren auf einem guten Weg bin.“

Fortsetzen will er diesen Weg schon im Pokal-Finale. Am besten mit einem Sieg über die Bayern. Darauf vorbereitet ist man im Lager des Außenseiters allerdings nicht. „Es sind keine Feierlichkeiten geplant. Wir sollten uns erst auf das Spiel konzentrieren. Gewinnen wir allerdings den Pokal, finden wir bestimmt eine Lösung.“

 

Christoph Nister

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