Letzter Akt des großen Duells

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Ein Trainerduell auf höchstem Niveau

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Jürgen Klopp will keine Geschenke von den Bayern.

Karl-Heinz Rummenigge hatte angekündigt, dem scheidenden Dortmund-Trainer vor dem Pokal-Halbfinale in München einen Blumenstrauß zu überreichen.

„Es ist eine sehr nette Geste, aber wir sind am Dienstag auf Krawall gebürstet und wollen uns nicht mit Blumen weichkochen lassen“, richtete Klopp dem Bayern-Vorstandsvorsitzenden aus. Dieser reagierte mit Verständnis: „Er (Klopp, Anm.) möchte die Kampfstimmung nicht unterbrochen haben, das respektiere ich.“

„Er ist ein super Typ“

Es sind Anekdoten wie diese, die das Duell zwischen Bayern und Dortmund zum absoluten „Klassiker“ der deutschen Bundesliga mutieren ließen. Geschenke werden keine verteilt. Stattdessen erwartet uns ein harter Kampf mit viel Brisanz, gleichzeitig aber auch ein taktisches Duell auf höchstem Niveau.

Denn Pep Guardiola und sein Gegenüber Klopp gehören zum Besten, was die Trainer-Welt momentan zu bieten hat. Beide Weltklasse-Coaches hegen eine Menge Respekt füreinander. „Es hat immer Spaß gemacht, mich mit ihm zu duellieren. Es war eine Ehre und er ist ein super Typ“, sagt der Bayern-Coach über seinen Kollegen.

In den zwei Bundesliga-Spielen dieser Saison hatte Guardiola jeweils das bessere Ende für sich. Insgesamt steht es im direkten Duell der beiden 4:3 für den Spanier.

Die Geburt der Bayern-Dreierkette

Taktisch setzte der Katalane gegen den BVB zuletzt immer auf eine Dreierkette. Auf diese Weise gelang es den Bayern zunehmend, dem gefürchteten Dortmunder Angriffspressing den Zahn zu ziehen. Der Grund dafür: Durch den zusätzlichen Innenverteidiger fällt es ihnen leichter, den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren zu lassen – auch wenn Dortmund mit mehreren Spielern früh attackiert.

Erstmals im Jänner 2014 gegen RB Salzburg getestet, überraschte Guardiola ein halbes Jahr später im Pokal-Finale erstmals mit der Dreierkette. Verletzungen von Bastian Schweinsteiger, David Alaba und Thiago veranlassten ihn dazu.

Der 2:0-Sieg nach Verlängerung bestätige Guardiola in seinen Überlegungen. Seitdem hat er das System mit den drei Innenverteidigern fix in sein Repertoire aufgenommen. Nach einer 0:2-Niederlage im Supercup, der ohne deutsche Nationalspieler über die Bühne ging, fuhren die Bayern in der Liga einen 2:1-Sieg im Herbst sowie einen 1:0-Erfolg in der Rückrunde ein.

Vorteil Guardiola

Das letzte Duell zwischen Guardiola und Klopp erwies sich dabei als besonders interessant. Erneut wusste der Bayern-Coach sein Gegenüber zu überraschen. Diesmal mit einer sehr abwartenden Spielweise, die Guardiola aufgrund der vielen Verletzungen in seinem Team wählte.

„Wir können mehr als das schöne Spiel. Gerade, wenn wir wissen, dass sich der Gegner gegen tief stehende Mannschaften schwertut“, erklärte FCB-Sportdirektor Matthias Sammer nach der Partie. Zwei Torschüsse und der für Bayern-Verhältnisse extrem niedrige Ballbesitz von 49,9 Prozent reichten für den Sieg.

Klopps Dortmunder setzten die Münchner mit ihrer Pressing-Maschinerie zwar enorm unter Druck, fanden am Strafraum jedoch letztlich kein Durchkommen. „Die Aufstellung von Pep machte Sinn. Sie habend das robust gelöst, im richtigen Moment ein taktisches Foul gemacht. Ich muss das akzeptieren. Wir haben nicht so viel falsch gemacht, aber es hat eben gereicht“, analysierte ein nach dem Spiel sichtlich gezeichneter Klopp.

Klopp erwartet Bayern offensiv

Der ehemalige Mainz-Coach hatte in den letzten Duellen gegen seinen katalanischen Kollegen also zumeist das Nachsehen. Umso akribischer wird sich „Kloppo“ auf das Pokal-Halbfinale vorbereiten. Mit dem wieder genesenen Robben in der Startelf erwartet er die Bayern offensiver als im letzten Aufeinandertreffen.

„Es kann sein, dass Bayern ähnlich aufritt wie in der Champions League. Seit sie weniger flügellastig spielen, fühlt sich Lewandowski deutlich wohler. Thomas Müller und er sind in den letzten Wochen einfach unglaublich. Wir dürfen einfach nicht wie im letzten Spiel auftreten und zu passiv agieren. Vor allem wollen wir nicht nur Nadelstiche setzen, sondern konstant Druck machen.“

Genau diesen Druck werden die Bayern versuchen, mit langen Bällen zu umgehen, meint Klopp. Sein Gegenüber erwartet ein schweres Spiel: „Der BVB spielt immer mit absoluter Aggressivität. In Dortmund haben wir zwar gewonnen, aber der BVB war sicherlich besser. Es war immer eng, deshalb müssen wir alles geben.“

Landen beide in England?

Guardiola und Klopp leben den Fußball, das macht sich nicht zuletzt durch ihre Aktionen an der Seitenlinie bemerkbar. Hektische Gesten und lautstarke Korrekturen in Richtung der Spieler gehören bei den beiden einfach dazu.

Auch in der defensiven Spielweise ähneln sich die Coaches, sowohl die Bayern als auch Dortmund setzten auf schnelles Gegenpressing sowie aggressives Fore-Checking. Nur im Angriff zeigen sich Unterschiede: Während Klopps Mannschaften immer den direkten Pass nach vorne suchen, sieht Guardiola von seinem Team auch gerne einmal längere Ballbesitzphasen.

Vieles spricht dafür, dass Klopp nach seinem Abschied aus Dortmund auf die Insel wechselt. Vor allem Manchester City und Liverpool sollen interessiert sein. Auch Guardiola wird schon seit längerer Zeit nachgesagt, dass er nach seinem Engagement in München eine neue Herausforderung in England suchen will.

„Er wird sicher zu einer Top-Mannschaft wechseln und dann treffen wir uns ja auch schon wieder“, rechnet Guardiola damit, dass er seinen Kollegen bald wiedersieht.

Klopp irgendwann zu Bayern?

Vielleicht kommt alles aber auch ganz anders. Franz Beckenbauer spekulierte zuletzt sogar damit, dass Klopp in ein oder zwei Jahren zum Nachfolger von Guardiola werden könnte.

„Die Frage ist, wie lange es Guardiola noch in München aushält. Ich hoffe noch sehr lange, aber dass Klopp bei uns immer ein Thema war, steht fest“, äußerte sich der „Kaiser“ bei „Sky“.

Dann könnte Klopp den Blumenstrauß von Rummenigge doch noch überreicht bekommen.

 

Jakob Faber

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