Klopp freut sich, Guardiola ist aber auch zufrieden

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„Das Elferschießen ist natürlich blöd gelaufen.“

So trocken analysierte Manuel Neuer das kuriose Ausscheiden seines FC Bayern im Pokal-Halbfinale. Und widersprechen konnte man dem Welttorhüter dabei nicht.

Die Szenen, die sich nach 120 Minuten zwischen den Münchnern und Borussia Dortmund am Elfmeterpunkt abspielten, waren so skurril, dass sich die 75.000 Augenzeugen in der Allianz Arena fragend anstarrten und ungläubige Blicke austauschten, ob das gerade wirklich passiert war.

Erst rutschte Philipp Lahm, eigentlich die personifizierte Souveränität, mit dem Standbein weg und vergab den ersten Strafstoß, wenige Augenblicke später tat es ihm Kollege Xabi Alonso gleich. Wobei der eine oder andere einen Ausrutscher des Welt- und Europameisters nach Lahms vorangegangenem Fauxpas bereits scherzhaft angekündigt hatte. Die Schusstechnik des Spaniers scheint besonders anfällig für Ausrutscher zu sein, unterlief ihm ein solcher in dieser Saison doch schon bei zwei Freistößen.

"Es war wie verhext"

„Man kann sich sicher bessere Zeitpunkte aussuchen, um auszurutschen. Elfmeterschießen ist aber eben immer auch eine Glückssache“, sah es Lahm nüchtern.

Ein Bayern-Fan auf der Tribüne bewies immerhin Galgenhumor und meinte: „Morgen wird der Platzwart gefeuert.“ Der Beauftragte für das satte Münchner Grün hatte aber wahrlich keine Schuld am Aus der Bayern. Nachdem Mario Götze an Keeper Mitch Langerak scheiterte, setzte auch noch Neuer seinen Elfer an die Latte – keiner der vier FCB-Schützen verwertete. In einem einzelnen Elfmeterschießen kam für den neuen alten Meister alles zusammen, was man sich nur ausmalen kann.

Doppelt bitter, dass man nicht schon zuvor die Entscheidung herbeigeführt hatte. 19 Torschüsse verzeichneten die Bayern und dominierten die Partie, bis zum Ausgleich in Minute 75, der völlig aus dem Nichts fiel.

„Da rutschen die ersten beiden aus, das passt irgendwie auch zum Spiel. Es war schon ein bisschen verhext. Wir hatten wirklich viele Top-Chancen“, trauerte Neuer den unzähligen Situationen nach, in denen Lewandowski, Thiago und Schweinsteiger die Entscheidung verpassten.

Kritik am Schiedsrichter

Zudem beklagte sich der Schlussmann über ein nicht geahndetes Handspiel des Dortmunders Marcel Schmelzer. „Wir hätten auch einen Elfmeter bekommen müssen. Ich weiß nicht, wie weit ich weg war, aber ich habe die Situation genau gesehen“, kritisierte Neuer Schiedsrichter Peter Gagelmann, relativierte jedoch im selben Atemzug: „Aber den Elfer hätten wir ohnehin nicht gemacht, von daher ist das auch egal.“

Thomas Müller war da weniger entspannt und verlieh seinen Emotionen klare Worte. „Wir haben nicht wirklich viel falsch gemacht, gehen aber als Verlierer nach Hause. Das kotzt mich an“, kochte das Münchner Urgestein. „Wir haben für eine Viertelstunde die Struktur verloren, Dortmund hat ein paar gefährliche Situationen und macht daraus das Tor.“

Danach war der BVB plötzlich wieder im Spiel, zeigte sich von einer Minute auf die andere auf Augenhöhe und hätte seinerseits durch Reus in Führung gehen können. „Da hat es irgendwie klick gemacht und wir haben Fußball nach vorne gespielt, dann war es ein richtiger Pokal-Fight“, sah es auch BVB-Manager Michael Zorc so. Ein Pokal-Fight ganz nach dem Dortmunder Geschmack, wie Mats Hummels bestätigte.

„Wir haben das gemacht, was unsere Fans sehen wollen: Einsatz und Leidenschaft. Man muss gegen die Bayern aber auch gut Fußballspielen und das haben wir nach dem Ausgleich gemacht. Da haben wir die Schnittstellen gut gefunden zwischen Abwehr und Mittelfeld und Micky (Anm.: Henrikh Mkhitaryan) hat viel Tempo ins Spiel gebracht.“

Guardiola sah sein "bestes Spiel gegen BVB"

Eine gute Viertelstunde und ein einzigartiges Elfmeterschießen des Gegners reichten den Schwarz-Gelben, um dem Favoriten das bis dahin mögliche Triple zu verderben. Ob der Überlegenheit, die sein Team über weite Strecken an den Tag legte, zeigte sich Bayern-Trainer Pep Guardiola daher trotz der Niederlage begeistert.

„Ich bin stolz wie nie auf mein Team. Wenn die Jungs so spielen, kann ich ihnen nichts vorwerfen. Wir haben alles getan, damit bin ich sehr zufrieden. Wir haben gut gespielt und hatten nur 15 Minuten Probleme. Seit ich hier in Deutschland bin, war das unser bestes Spiel gegen den BVB“, sagte der Spanier und bewies damit einmal mehr, dass ihm das Spiel seiner Mannen wichtiger ist, als das blanke Ergebnis – selbst wenn gerade ein Titel verloren gegangen ist.

Ein wenig glücklicher war aber naturgemäß Jürgen Klopp, dessen Traum „noch einmal mit dem LKW um den Borsigplatz zu fahren“, weiter möglich bleibt. Der scheidende Trainer will sich nur zu gern mit einem weiteren Titel aus Dortmund verabschieden.

„Aber es ist nicht nur mein Traum, es ist der Traum aller Borussen“, stellte der 47-Jährige klar, dass es nicht um ihn gehe. Seine Schützlinge haben Klopps Traum allerdings im Hinterkopf. „Natürlich wollen wir auch dem Trainer ein Stück weit einen richtig geilen Abschied bescheren, nach all den tollen Jahren. Dass wir jetzt im Finale stehen, ist schon mal ein guter Schritt“, meinte Erik Durm und schlug damit ähnliche Töne an wie Mats Hummels: „Wir alle wollen den Pokal, für uns und für den Trainer.“

Klopp: "Wir hatten nicht viel zu feiern"

Das Endspiel in Berlin rückt zunächst allerdings in die Ferne, Dortmund weiß den Moment des Erfolgs zu genießen, vor allem nach einer Horror-Saison wie dieser. „Die Jungs freuen schon ein wenig“, grinste Klopp, während der Krach aus der BVB-Kabine die Stadion-Katakomben erfüllte und wenig später „DJ“ Pierre-Emerick Aubameyang den laut aufgedrehten Ghettoblaster Richtung Bus trug.

„Ganz ehrlich: Wir hatten in dieser Saison nicht viel zu feiern, deshalb ist das heute ein sehr spezieller Tag“, gab Klopp zu, konnte sich der Vorfreude auf das Finale dann aber doch nicht ganz verwehren. „Wir feiern den Finaleinzug, aber wenn man dann da ist, will man es auch gewinnen und da haben wir noch viel vor uns. Bei allem Respekt für Bielefeld, aber ich gehe davon aus, dass Wolfsburg das packt und ich denke, dass das Stadion in Berlin dann zum großen Teil gelb sein wird.“

In diesem Punkt einen sich Dortmunder und Bayern dann auch wieder. Wo Jürgen Klopp die anstehenden Aufgaben vor Augen hat und schon wieder an die nächste Bundesliga-Partie bei Hoffenheim denkt („Die haben wir im Viertelfinale rausgeworfen und da hat mir Trainer Markus Gisdol schon angedroht, dass sie sich das zurückholen wollen“), da richtete Philipp Lahm ebenso den Blick nach vorne, auf das Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona.

„Da haben wir jetzt Hin- und Rückspiel - somit kann es frühestens in zwei Wochen zum Elfmeterschießen kommen“, nahm auch der Kapitän diesen kuriosen Abend letztlich noch mit Humor.

 

Christoph Kristandl

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