Viele Fragezeichen bei Bayern

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Die vielen Fragezeichen beim FC Bayern München

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Die schnellste Meisterschaft aller Zeiten.

19 Punkte Vorsprung auf Erzfeind Borussia Dortmund. Dazu der Einzug ins DFB-Pokal-Finale und das Aus in der Vorschlussrunde der Champions League.

Liest sich ganz gut. Wäre, ja wäre das nicht die Bilanz des FC Bayern.

Die Ansprüche am Weißwurst-Äquator sind eben andere. Erst recht nach der Triple-Saison 2012/13, in der sämtliche wichtigen Titel nach München gingen.

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Kippt die Stimmung?

Die Stimmung beim deutschen Meister könnte schon bald kippen. Mit dem Aus gegen Real Madrid in der Königsklasse bekamen die Bayern einen vor den Bug und mussten die Stärke eines Gegners anerkennen.

Ein Umstand, der ihnen gar nicht schmeckt. Sollte das Pokal-Finale gegen Dortmund auch noch verloren gehen, würde die bis Mitte März so grandiose Saison zu einer durchschnittlichen verkommen.

Es gibt einiges zu hinterfragen bei den so stolzen Münchnern. Spieler sollen vor dem Absprung stehen, Trainer Pep Guardiola doch kein Heiliger sein und Mario Mandzukic den Status als Nummer-1-Stürmer verloren haben.

LAOLA1 hat die wichtigsten Fragen aufgegriffen und versucht, Antworten zu finden:

Hat Guardiola die Saison vercoacht?

Pep Guardiola hat das Spiel der Bayern zweifelsfrei noch einmal auf ein neues Level gehoben. Im Herbst und auch zu Beginn des Frühjahrs schien es, als seien die Münchner erneut die überragende Mannschaft - innerhalb Deutschlands, aber auch kontinental gesehen.

Mit dem Gewinn der Meisterschaft, die die schnellste aller Zeiten war, beging der Spanier allerdings einen folgenschweren Fehler. "Die Bundesliga ist für uns vorbei", diktierte er den Medienvertretern in ihre Mikrofone. Der Mannschaft blieb dies freilich nicht verborgen, fortan war in der Liga die Luft raus.

Einem Remis gegen Hoffenheim folgte die erste Niederlage gegen Augsburg und plötzlich war die Selbstverständlichkeit, ein Spiel auch in schwierigen Momenten unter Kontrolle zu haben, verloren. Die Bayern gerieten ins Straucheln und wurden schließlich im Champions-League-Halbfinale von Real Madrid vorgeführt und eliminiert.

Guardiola, der zwar zum Heiligen ernannt wurde, selbstverständlich aber auch nur ein Mensch ist, wird aus diesem Fauxpas seine Lehren ziehen und in Zukunft versuchen, die Spannung auch nach einem vorzeitigen Titelgewinn hochzuhalten. Ob er es schafft, die Mannschaft rechtzeitig für das so wichtige Pokal-Finale wieder in die Erfolgsspur zu führen, steht allerdings in den Sternen.

Sind mehrere Stars abwanderungswillig?

Toni Kroos und Thomas Müller zu Manchester United, Javi Martinez zum FC Barcelona, Mario Mandzukic zum FC Chelsea? Die Gerüchteküche brodelt seit einigen Tagen, zahlreichen Bayern-Stars werden Wechselgedanken unterstellt.

"Ich stehe jetzt sicher nicht vor dem Absprung, kann aber auch keine Garantie für alle Zeiten abgeben", wurde Müller kürzlich zitiert. Verständlich, würde er doch mit einem Bekenntnis auf Lebenszeit seine Verhandlungsposition bei Vertragsgesprächen schwächen.

Auch Martinez widersprach Berichten. "Ich denke nur daran, hier zu bleiben", erklärte der 25-Jährige in der "Sport Bild". Dass in all den Spekulationen wenig Wahrheitsgehalt steckt, lässt Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge erahnen.

"Ich hatte vor knapp zwei Wochen gesagt: Wenn einer nicht zufrieden ist, soll er zu mir ins Büro kommen. Bisher ist keiner gekommen", erklärte er am Dienstag. Einzig Kroos ist ein Wechsel zuzutrauen. Er konnte sich mit den Klub-Granden bislang auf keine Vertragsverlängerung einigen. Die Bayern haben zwar keine Not, ihn abzugeben, würden allerdings nur noch in diesem Sommer eine hohe Ablösesumme erhalten.

Ist Mario Götze reif für einen Startelf-Einsatz?

37 Millionen flossen über von München nach Dortmund - Mario Götze war der Königstransfer der Bayern im vergangenen Sommer. Die Erwartungen waren immens, doch der Verletzungsteufel setzte dem 21-Jährigen zu Beginn der Saison gehörig zu.

Erst stoppte ihn ein Muskelbündelriss, dann auch noch ein Kapselriss. Götze kam erst Mitte der Hinrunde langsam in Fahrt, doch an seine besten Zeiten im schwarz-gelben Dress konnte er nie anschließen. Zugegeben: Es ist Jammern auf hohem Niveau, denn in 44 Pflichtspiel-Einsätzen verbuchte der gebürtige Bayer immerhin 28 Scorer-Punkte.

Dennoch: Guardiola ließ ihn gegen Real sowohl im Hin- als auch im Rückspiel zunächst auf der Bank. Ein Zeichen dafür, dass er seinem Mittelfeldstar noch nicht das nötige Vertrauen für solch große Spiele schenkt.

Es sei eine "gute bis sehr gute Saison" gewesen, rekapitulierte das Ausnahmetalent kürzlich, um selbstkritisch anzufügen: "Ich möchte noch mehr Torgefahr entwickeln, noch mehr Tore vorbereiten und auch in den entscheidenden Phasen Topleistungen zeigen." In den letzten Spielen war ein leichter Formanstieg bei Götze bemerkbar. Guardiola weiß zudem um die Brisanz dieses "besonderen Spiels" für seinen Schützling. Er hätte sich die Chance auf einen Startelfeinsatz verdient.

Hat Guardiola ein Problem mit eigenwilligen Charakteren?

Bumm! Da hat es wieder gekracht! Mario Mandzukic wurde von Guardiola vor dem Pokal-Finale aussortiert. "Er könnte spielen, aber das war meine Entscheidung", erklärte der Spanier auf der Pressekonferenz vor dem Kracher gegen Dortmund.

Wieder einmal hat der 43-Jährige ein Problem mit einem seiner Stars. Wieder einmal mit einem Stürmer. Bei Barcelona sortierte er zunächst Ronaldinho und Samuel Eto'o, später auch Zlatan Ibrahimovic aus. Nun Mandzukic. Gerüchten zufolge soll sich der Kroate bereits bei einigen Bayern-Mitarbeitern verabschiedet haben.

Vorwürfe, der Bayern-Trainer könne mit schwierigen Charakteren nicht umgehen, sind zweifelhaft, gelten doch auch Spieler wie Arjen Robben oder Franck Ribery nicht unbedingt als pflegeleicht und dennoch kommt er bestens mit ihnen klar.

Das "Problem" sind die taktischen Vorstellungen des Übungsleiters. Wer nicht zu 100 Prozent mitzieht, wird aussortiert. Dabei macht er auch vor großen Charakteren keinen Halt. Mandzukic hätte gewarnt sein müssen. Beim Frühjahrs-Auftakt gegen Gladbach hatte ihn Guardiola aufgrund mangelnder Trainingsleistungen aussortiert. Diese "Gelbe Karte" mündete nun ihn einen Platzverweis. Vermutlich in einen endgültigen.

Ist Pizarro der bessere Mandzukic?

Kurz und bündig: Ja! Fünf Tore in vier Bundesliga-Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Generell liegt Claudio Pizarro in fast allen relevanten Statistiken vor seinem Kontrahenten Mario Mandzukic. Während der Kroate alle 112 Minuten trifft (ein Top-Wert), liefert der "Pizza-Service" alle 68 Minuten aus - überragend!

Auch die Pass- und Zweikampf-Quote sowie die technischen Fertigkeiten des Südamerikaners sind über jene seines 27-jährigen Rivalen zu stellen. Guardiola soll zudem ein Fan des Routiniers sein.

Für den Peruaner geht es nicht nur um einen Einsatz im Pokal-Finale, sondern auch um seine Zukunft. Noch immer ist unklar, für welchen Klub der 35-Jährige in der kommenden Saison die Schuhe schnürt. In den letzten Wochen sammelte er eifrig Argumente für eine Vertragsverlängerung in München.

Der Krach mit "Mandzu" erhöht Pizarros Chancen auf einen Verbleib an der Isar. Doch auch ohne ungewollte Mithilfe eines Rivalen hätte sich der Publikumsliebling einen neuen Vertrag verdient.


Christoph Nister

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