Das neue Selbstverständnis bei Borussia Dortmund

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Zwei Meisterteller, zwei Vize-Meisterschaften, ein DFB-Pokalsieg und ein Champions-League-Finale.

Borussia Dortmund hat sich in den letzten Jahren zu einer festen Größe im Kampf um große Titel gemausert.

Vorbei die Zeiten, in denen die Schwarz-Gelben am Hungertuch nagten und ums Überleben kämpften.

Aufstieg zum großen Konkurrenten

Das Dreigestirn aus Manager Michael Zorc, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Trainer Jürgen Klopp hat die Mannschaft aus dem Ruhrpott zu einem europäischen Top-Team geformt, der BVB ist dabei zum Dauerrivalen des Branchenprimus FC Bayern gereift.

Entsprechend groß ist inzwischen das Vertrauen in die eigene Stärke. "Wir denken nicht klein. Wenn man zum zweiten Mal unter den besten Acht in Europa ist, geht das mit Kleindenken sowieso nicht", erklärte Watzke unlängst im "Doppelpass".

Nicht kleckern, sondern klotzen lautet das neue Motto in Dortmund. Dort, wo vor wenigen Jahren noch Demut regierte und man in Anbetracht der Übermacht aus München fast in Ehrfurcht erstarrte, ist die Brust längst stolzgeschwellt.

BVB wird investieren

Zu Recht, hat es der BVB doch geschafft, sich als Nummer zwei in Deutschland zu manifestieren. Der Abstand zu den Bayern ist allerdings noch groß, wie 19 Punkte Rückstand in der Tabelle untermauern. Darüber würde auch ein möglicher Gewinn des DFB-Pokals nicht hinwegtäuschen.

Um den Abstand zu verkürzen, wollen die Verantwortlichen aus dem Ruhrpott ordentlich Geld in die Hand nehmen, um die Mannschaft zu verstärken. "Im Sommer müssen, wollen und werden wir investieren", erklärte Watzke bereits zu Beginn des Jahres in der "Sport Bild".

Über die Höhe der Investition hüllte sich der 54-Jährige wie auch seine Kollegen in Schweigen, doch schon jetzt hat der BVB einiges an "Kleingeld" in die Hand genommen, um den Kader zu verstärken.

Immobile als nächster Streich?

Da Stürmerstar Robert Lewandowski den Klub verlässt, um ablösefrei an die Isar zu wechseln, wurde Adrian Ramos für neun Millionen Euro von Hertha BSC abgeworben. Hinzu kommen sieben Millionen, die an Real Madrid wandern, um Nuri Sahin endgültig zurückzuholen. Dong-Won Ji kommt indes ablösefrei aus Augsburg.

Das Ende der Fahnenstange ist damit allerdings längst noch nicht erreicht. "Wir werden sicher zwei Stürmer verpflichten", verriet Michael Zorc vor einigen Wochen. Gehandelt wird seit geraumer Zeit Ciro Immobile.

Der 24-Jährige verdient seine Brötchen in Diensten des FC Torino, gehört aber auch zu 50 Prozent dem Lokalrivalen Juventus. Mit der "Alten Dame" verhandelten Watzke und Co. bereits, was den Torino-Granden wiederum sauer aufstieß.

Auch Kagawa-Comeback steht im Raum

"Ich wüsste wirklich gerne, wie Dortmund auf die Idee kommt, nur mit Juventus zu reden. Ohnehin verstößt die gesamte Vorgehensweise gegen das Transferreglement der FIFA", echauffierte sich Alberto Barrile, PR-Chef des Teams aus dem Piemont, gegenüber "spox.com".

Die Verhandlungen bezüglich der Verpflichtung des 22-fachen Saisontorschützen (in 33 Serie-A-Spielen) dürften sich damit nicht unbedingt einfacher gestalten, zudem ist der BVB beileibe nicht der einzige Interessent. Was für einen Wechsel spricht: Immobile äußerte bereits sein Interesse am BVB. "Er will zu uns", bestätigte Watzke der "Bild".

Dauer-Thema ist und bleibt zudem Shinji Kagawa. Seit der Japaner den Klub im Sommer 2012 in Richtung Manchester verließ, hoffen die treuen Fans der Schwarz-Gelben auf eine Rückkehr. Der 25-Jährige ist bei den "Red Devils" zwar nur Reservist, rechnet sich aber beim neuen Trainer (Louis van Gaal?) bessere Chancen aus als unter David Moyes.

"Werden uns wieder breiter aufstellen"

Eine Planstelle hat Klopp indes auch für Matthias Ginter vorgesehen. Der 20-Jährige kickt aktuell für den Sport-Club aus Freiburg und gilt in seiner Altersklasse als größtes Verteidiger-Talent. Beleg dafür sind zwei Fritz-Walter-Medaillen in Gold (2012 und 2013). Im Gespräch sind außerdem der Belgier Thorgan Hazard (Zulte-Waregem) und Hoffenheims Roberto Firmino.

Neben dem Ziel, mithilfe neuer Transfers den Konkurrenzkampf hochzuhalten, ist das Dreigestirn der Dortmunder vor allem darauf bedacht, die Breite des Kaders zu vergrößern. Die individuelle Klasse einzelner Akteure wie Marco Reus, Mats Hummels oder Ilkay Gündogan ist schon jetzt überragend, der zweite Anzug war allerdings ein großes Manko.

Während die Bayern es sich leisten konnten, Hochkaräter wie Mario Götze, Claudio Pizarro oder Javi Martinez mehrere Spiele als Joker einzusetzen, hockten beim BVB – bei allem Respekt – Leute wie Julian Schieber, Manuel Friedrich oder Oliver Kirch auf der Ersatzbank.

"Wir werden uns wieder einen Tick breiter aufstellen", kündigte Watzke an und will den Worten in den kommenden Wochen Taten folgen lassen. Um auch in Zukunft ein gewichtiges Wörtchen bei der Titelvergabe mitsprechen zu können.

 

Christoph Nister

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