Zehn Dinge über Henrikh Mkhitaryan

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Nach langem Hängen und Würgen ist er durch, der Königstransfer von Borussia Dortmund. Henrikh Mkhitaryan kommt von Shakhtar Donetsk zum BVB und soll die Nachfolge von Mario Götze antreten.

Was den 24-jährigen Armenier - den die Fans „Heno“ rufen – ausmacht, welche Rolle der früh verstorbene Vater für Henrikhs Karriere spielte und warum sich der Transfer des intellektuellen Kickers so langwierig gestaltete?

LAOLA1 weiß zehn Dinge über Henrikh Mkhitaryan: 

  • 2006 feierte Mkhitaryan als 17-Jähriger sein Profi-Debüt für Pyunik Yerevan, wo er im Alter von sieben Jahren mit dem Fußballspielen begann. Mit dem Hauptstadtklub wurde er in allen vier Saisonen, die er bestritt, armenischer Meister und zog 2009 weiter in die Ukraine, zu Metalurg Donetsk. Hier wusste er mit 17 Toren und 11 Assists in 45 Spielen zu überzeugen und wurde mit 21 Jahren zum jüngsten Kapitän der Vereinsgeschichte ernannt. Mkhitaryans Leistungen blieben auch Shakhtar nicht verborgen und man eiste das Talent bereits nach gut einem Jahr vom Stadtrivalen los. Für die Nationalmannschaft Armeniens bestritt er seit 2007 31 Partien und erzielte dabei 11 Treffer, womit er bereits – gleichauf mit Artur Petrosyan - Rekordtorschütze der Armenier ist. 
     
  • Henrikh entstammt einer echten Fußballfamilie. Vater Hamlet Mkhitaryan war in den 1980er Jahren der große Star bei Ararat Yerevan, für die er in der Sowjetliga 46 Treffer erzielte. Henrikhs Mutter Marina Tashchyan bekleidet einen Posten im armenischen Verband, sie ist technische Direktorin des Nationalteams. Monica Mkhitaryan, Henrikhs ältere Schwester, hat eine Anstellung im UEFA Hauptquartier in Nyon und fungierte im Rahmen der EURO 2012 bei den Besuchen von UEFA-Präsident Michel Platini in Donetsk als Übersetzerin. Anfang der 90er Jahre zog die Familie nach Frankreich, wo Hamlet ASOA Valence zum Aufstieg in die zweite Liga verhalf. Dort verbrachte Henrikh auch den Großteil seiner frühen Kindheit.

In der CL traf Mkhitaryan bereits auf den BVB

  • Im Alter von nur 33 Jahren starb Henrikhs Vater 1996 an einem Gehirntumor. Die Karriere des Vaters hatte aber großen Einfluss auf den kleinen Henrikh. „Als ich ein Kind war, wollte ich immer meinem Vater beim Spielen zusehen und ihm zum Training folgen. Wenn er mich nicht mitnahm, blieb ich weinend in der Tür stehen. Ich wollte immer Fußballer werden“, erzählt Mhkitaryan, „Ich denke, er sieht mich und ist stolz.“
  • Es gibt Fußballer, die sich wenig um ihre Ausbildung abseits des Platzes kümmern. Auf Mkhitaryan trifft das mitnichten zu. Der 24-Jährige hat einen Abschluss des armenischen Institute of Physical Culture in der Tasche. Nach Beendigung seines aktuell laufenden Wirtschaftsstudiums am St. Petersburg Instiute plant er schon den nächsten Schritt: Er will sich zum Juristen ausbilden lassen. Zudem beherrscht Mkhitaryan fünf Sprachen. Neben Armenisch kann er sich auf Englisch, Französisch, Russisch und Portugiesisch verständigen. Letztere Sprachkenntnisse eignete er sich bei einem viermonatigen Aufenthalt in Sao Paulo an, ermöglicht durch eine Kooperation seines Heimatvereins Pyunik mit brasilianischen Großklubs. Bei dieser Gelegenheit freundete sich Mkhitaryan auch mit den Nationalspielern Hernanes (Lazio), Lucas (PSG) und Oscar (Chelsea) an. 
     
  • Mkhitaryan kann im Offensivbereich jede Position bekleiden. Bei seinen früheren Klubs lief er teils auch auf dem Flügel oder als Stürmer auf. Im, zwischen 4-2-3-1 und 4-1-4-1 variierenden, System von Shakhtar nahm er aber stets seine Lieblingsposition als zentraler Spieler hinter der Spitze ein. Dort schafft er Räume für seine Teamkollegen, stößt aber auch immer wieder selbst in den Strafraum und sucht den Abschluss. Sein harter Schuss, den er mit Teamkollegen nach jeder Trainingseinheit extra schult, erlaubt ihm ebenso, aus der zweiten Reihe abzuziehen. Zudem überzeugt er in der Balleroberung. „Die Spielintelligenz ist vielleicht seine größte Qualität, neben seiner Schnelligkeit, Kraft und Technik. Er gehört zu jener Gruppe von Spielern, die Vorgaben eines Trainers richtig interpretieren können, die Arbeit mit ihm ist purer Spaß“, beschreibt Shakhtar-Coach Mircea Lucescu seinen ehemaligen Schützling und attestiert ihm auch die Fähigkeiten eines Führungsspielers: „Er hat zu seinen Teamkollegen eine Beziehung aufgebaut, die ihm unbestrittene Autorität auf und neben dem Platz einbringt.“ Als Vorbild hat sich Mkhitaryan einen der Größten auserkoren – Zinedine Zidane. „Ich bewundere seinen Stil und was er auf dem Platz gemacht hat. Er war für mich wie ein Magier“, schwärmt „Heno“ über den Franzosen.
     
  • In der abgelaufenen Saison stehen für den Mittelfeldspieler atemberaubende Zahlen zu Buche. 29 Spiele absolvierte er in der ukrainischen Premier Liga und erzielte dabei sagenhafte 25 Treffer, dazu kamen noch zehn Assists. Damit hatte Mkhitaryan nicht nur großen Anteil an seinem dritten Double mit Shakhtar in Folge, sondern stellte auch einen neuen Torrekord in der Ukraine auf. Für das Erreichen dieses Meilensteins stellte Gaitana, für die Ukraine beim Eurovision Song Contest 2012 in Baku 15., vorab ein spezielles Präsent in Aussicht. Die Interpretin der Hymne Shakhtar the Champion (mit musikalischer Untestützung des Teams), versprach für das Knacken des Rekordes, ein armenisches Volkslied zum Besten zu geben. Bei der Saisonabschlussfeier hielt die 33-Jährige Wort und trällerte gemeinsam mit Mkhitaryan Ov Sirun Sirun.

In 106 Spielen für Shakhtar war "Heno" an 68 Treffern beteiligt (44/24)

  • In der Donbass-Arena von Donetsk ist es Brauch, dass jeder Shakhtar-Torschütze mit Klängen aus seiner Heimat gefeiert wird. In Mkhitaryans Fall handelt es sich dabei um den Säbeltanz aus der Feder des armenischen Komponisten Aram Chatschaturjan. Die berühmten Klänge aus dem 1942 fertiggestellten Ballett Gayaneh wurden in der Vergangenheit von zahlreichen Künstlern wie David Garrett gecovert, fanden in diversen TV-Serien (u.a. Simpsons, Big Bang Theorie, Two and a half men) Verwendung und dröhnen auch bei Spielen der Buffalo Sabres aus den Boxen. In Donetsk wurden sie dank Mkhitaryans Treffer zum Hit.
     
  • Trotz seines Heldenstatus in Armenien ist der Ehrenbürger von Yerevan auf dem Boden geblieben. Dem Image eines Glamour-Boys kann Mkhitaryan nichts abgewinnen, bei ihm steht der Fußball im Vordergrund und dem ordnet er alles unter. So bewohnt der 24-Jährige kein Luxux-Domizil in Donetsk, sondern hat seine Zelte auf dem Trainingszentrum von Shakhtar, im 13 Kilometer außerhalb gelegenen Kirsha, aufgeschlagen. „Ich muss mich auf das Training und die Spiele konzentrieren, mehr als auf das Leben in Donetsk“, erklärte Mkhitaryan gegenüber „Panorama“. Auch die Suche nach der geeigneten Frau an seiner Seite stellt er noch hinten an, wenngleich er diese ohnehin dem Schicksal überlässt: „Das Leben ist ein Drehbuch und wir sind Schauspieler, die dem folgen, was darin geschrieben steht.“
     
  • Im Dezember 2012 besuchte Mkhitaryan zum bereits dritten Mal die de facto selbstständige Republik Bergkarabach und verteilte u.a. Geschenke an die Familien gefallener Soldaten. Das nahezu ausschließlich von Armeniern bewohnte Gebiet erklärte 1992 seine Unabhängigkeit, gilt völkerrechtlich aber immer noch als Teil Aserbaidschans. An den Grenzen der nicht anerkannten Republik im Südwesten kommt es immer wieder zu Schusswechseln mit den aserbaidschanischen Streitkräften. Für sein Engagement um Bergkarabach wurde Mkhitaryan in den Orden der Verteidiger des Vaterlandes aufgenommen.
  • Ob seiner Bodenständigkeit mutet es befremdlich an, dass Mkhitaryan beim diskutablen Agenten Mino Raiola (Der umstrittene Macher) unter Vertrag steht und sich so in einer Reihe mit nicht unkomplizierten Charakteren wie Zlatan Ibrahimovic, Mario Balotelli oder Paul Pogba wiederfindet. Die Erklärung für den Schritt unter die Obhut von „il pizzaiolo“ liegt aber wohl in den Wirren um Mkhitaryans Transfrrechte begründet. Wie Ruben Hayrapetyan, Präsident des armenischen Fußballverbandes, gegenüber "Armsport" erklärte, lagen die Rechte am 24-Jährigen nur zur Hälfte bei Shakhtar und je zu einem Viertel bei seinen Ex-Vereinen Metalurg und Pyunik. Dieser Union wäre ein Transfer zu Anschi Machatschkala, die 35 Millionen Euro aufgerufen haben sollen, deutlich lieber gewesen. Mkhitaryan wollte aber in eine stärkere Liga und sicherte sich im vergangenen Mai die Dienste Raiolas, der ihn aus den Machenschaften zwischen den Oligarchenklubs befreien sollte. Wie die "Süddeutsche" berichtet, setzte sich „Heno“ zudem im Juni nach Wien ab und ließ Shakhtar wissen, dass er nicht mehr zurückkehren und auf jeden Fall in den Westen wechseln werde. Und selbst Mutter Marina musste bei ihrem Chef Hayrapetyan - der auch Eigentümer von Pyunik ist - intervenieren, dem Sohnemann keine Steine in den Weg zu legen, ehe es "Heno" mit vereinten Kräften doch zu Borussia Dortmund schaffte.

 

Christoph Kristandl 

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