Die Geduld hat sich ausgezahlt

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Wenn Yunus Malli am Wochenende die Zeitungen aufgeschlagen hat, muss es ihm wie ein Blick in den Spiegel vorgekommen sein – überall war sein strahlendes Gesicht zu sehen.

"Ist er der neue Özil?", fragte die "Bild" in ihrer wenig zurückhaltenden Art und taufte ihn kurzerhand "Knalli-Malli". Doch auch die Qualitätsblätter ließen sich dazu hinreißen, Lobeshymnen auf den 23-Jährigen anzustimmen.

"Ich wusste nicht, dass man das darf"

Kein Wunder, am Freitag-Abend hat er ihnen auch allen Grund dazu geliefert. Drei Tore beim 3:1-Heimsieg der Mainzer in Hoffenheim, auch abseits des Triplepacks eine Glanzleistung und im Anschluss vor den Mikros eine sympathische Figur abgegeben – was für ein Tag!

Schiedsrichter Daniel Siebert machte den Matchwinner nach dem Abpfiff darauf aufmerksam, dass er den Spielball mit nach Hause nehmen dürfe. "Ich wusste nicht, dass man das darf. Der kriegt einen Ehrenplatz zu Hause", grinste Malli, der vor einer Woche geheiratet hat, im TV.

Und plötzlich fragt keiner mehr nach, warum der Vertrag des Kickers aus Kassel im vergangenen April bis 2018 verlängert wurde. Es war nämlich eine lange Anlaufzeit, die Malli in Mainz gebraucht hat.

Das lange Warten auf den Durchbruch

Bei den Sportfreunden Fasanenhof machte er seine ersten Schritte mit dem Ball, es folgte eine Ausbildung beim VfL Kassel und anschließend in Mönchengladbach, wo er 2010/11 auch für die zweite Mannschaft auflaufen durfte. Im Sommer 2011 übersiedelte Malli schließlich nach Mainz, wo zunächst ebenfalls die Amateure sein Alltag waren.

Doch schon im Oktober 2011 folgte das Pflichtspiel-Debüt – er wurde gegen die Hertha anstelle von Andreas Ivanschitz eingewechselt. Doch obwohl der junge Mann in den Nachwuchs-Auswahlen des DFB Stammgast (U17-Europameister 2009) und alle seiner Jugendtrainer von seinem Potenzial überzeugt waren, ließ der Durchbruch auf sich warten.

Behäbig, körperlich nicht robust genug, nie so richtig im Erwachsenen-Fußball angekommen, irgendwie zu nett – Malli musste sich dieselben Vorwürfe immer und immer wieder anhören, konnte sie auf dem Platz nie so recht entkräften, spielte zwar recht oft, aber eben nie regelmäßig. Bis Dezember 2013 musste er manchmal sogar noch bei den Amateuren ran.

Mittlerweile ist Yunus Malli in der Mainzer Zentrale gesetzt

Im Sommer wurde Malli erstmals auch für die Konkurrenz so richtig interessant. "Ich habe mir einige Angebote angehört. Aber dann bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich mich in meinem gewohnten Umfeld am besten weiterentwickeln kann. Ich fühle mich hier wohl. Ich habe hier meine Freiheiten und spüre den Rückhalt der Mannschaft, des Trainers und des Vereins", sagt er.

"Ich bin niemand, der große Töne spuckt"

Und nun die Leistungsexplosion – fünf Tore in den vergangenen drei Runden. "Er hat es sich auch verdient, denn er hat hart dafür gearbeitet. Man merkt einfach, dass er Selbstvertrauen hat. Ich würde ihm eine goldene Saison gönnen", meint Kapitän Julian Baumgartlinger.

„Er hat die technischen Voraussetzungen. Und wenn das Körperliche und das Technische zusammenkommen, dann gibt das in der Regel einen guten Bundesligaspieler“, lobt Mainz-Manager Christian Heidel.

Gleichzeitig ist er aber bemüht, den Shootingstar am Boden zu halten: "Es gibt viele, viele Dinge, die auch ein Yunus Malli noch verbessern kann. Es wäre ja schlimm, wenn er mit 23 schon an der Grenze wäre. Der Trainer spricht viel mit ihm, gerade auch, was das Verhalten nach hinten betrifft."

Trainer Schmidt stößt ins selbe Horn: "Mit dem Ball macht er schon sehr viel richtig, aber an seinem Defensiv-Verhalten müssen wir weiter intensiv arbeiten. Dann kann er das erreichen, was er selbst möchte - nämlich den nächsten Schritt zu machen."

Es scheint aber sowieso nicht so zu sein, dass Malli zum Abheben neigt. "Ich bin niemand, der große Töne spuckt und rumschreit. Das überlasse ich anderen", erklärt er in seiner bescheidenen Art.


Harald Prantl

"Ich habe meine Zeit gebraucht"

Der Mittelfeldspieler steckte den Kopf aber nicht in den Sand, arbeitete weiter an sich und schaffte unter Thomas Tuchels Nachfolger Kasper Hjulmand einen Schritt nach vorne. Seit Martin Schmidt in Mainz das Zepter schwingt, geht es steil bergauf. Sechs Tore und einen Assist konnte Malli im vergangenen Frühjahr verbuchen. Erstmals in seinem Leben war er Bundesliga-Stammspieler. "Ich habe meine Zeit gebraucht, die wurde mir hier gegeben. Dafür bin ich dankbar", sagt er.

"Tore und Vorlagen sind natürlich wichtig, aber heimlich, still und leise hat er sich auch zu einem super Defensivspieler gemacht. Er läuft unwahrscheinlich viel, läuft schlau. Das hat er vor zwei Jahren noch nicht so gehabt", weist sein Mitspieler Niko Bungert auf Qualitäten hin, die nicht am Statistik-Blatt abzulesen sind.

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