Metamorphose der Engstirnigen

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Bayern "neu": Die Metamorphose der Engstirnigen

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Engstirnig, rechthaberisch, unbelehrbar.

Die Führungs-Ebene des FC Bayern genießt außerhalb der eigenen Fan-Gemeinde nicht den allerbesten Ruf.

Für gewöhnlich hielt man dagegen: „Erfolg schafft viele Neider.“ Doch der große Erfolg blieb in der jüngeren Vergangenheit aus.

„Mia san traurig“ statt „mia san mia“

Auf nationaler Ebene setzte Borussia Dortmund zu einem Höhenflug an und zeigte den Münchnern gleich zwei Mal die lange Nase. International sorgte das viel zitierte „Drama dahoam“, die Endspielniederlage in der Champions League gegen den FC Chelsea, für hängende Köpfe.

Dem „mia san mia“-Selbstverständnis wich das „mia san traurig“-Gefühl. Dieser Tiefpunkt wurde zum Anlass genommen, um alles und jeden zu hinterfragen.

Rund vier Monate später lässt sich freilich noch kein abschließendes Fazit ziehen, ein Zwischenresümee aber allemal. Und dieses stellt den Granden des deutschen Rekordmeisters ein positives Zeugnis aus. München erlebt die Metamorphose der Engstirnigen.

K(aum) ein Stein auf dem anderen

Mit Matthias Sammer wurde ein neuer Sportvorstand installiert, der detailbesessen nach Progress-Möglichkeiten sucht und dabei auch die Konfrontation mit den Klubbossen nicht scheut.

Für kolportierte 40 Millionen Euro wurde Javi Martínez vom spanischen Europa-League-Finalisten Athletic Bilbao abgeworben. Die Entscheidungsträger sind menschlich wie fußballerisch „total überzeugt“ vom Basken, der Bastian Schweinsteiger entlasten und zugleich Beine machen soll.

Martínez und Shaqiri: Ein Gewinn für den deutschen Rekordmeister

Zudem gelang es, mit Dante, Xherdan Shaqiri, Claudio Pizarro und Mario Mandzukic den ohnehin hochwertigen Kader nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ noch einmal um die manchmal entscheidenden Prozentpunkte zu verbessern.

Mehr Qualität, mehr Quantität

Trainer Jupp Heynckes, Präsident Uli Hoeneß und Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge wussten, wo sie die Hebel ansetzen mussten und behalten vorerst damit Recht.

Mario Gomez, David Alaba und Diego Contento zählen zu den Langzeitverletzten. Arjen Robben und Franck Ribery kämpfen ebenfalls immer wieder mit kleineren Wehwehchen. Personeller Engpass herrscht in den Reihen der Bayern dennoch nicht.

Im Gegenteil: Mandzukic ließ Gomez bislang vergessen, Shaqiri sorgt bei jedem Einsatz für Wirbel in den gegnerischen Abwehrreihen und mit Dante ist die Defensive noch flexibler geworden.

Rotation ist „kein Problem“

Sechs Pflichtspielen (drei Mal Bundesliga sowie je einmal Supercup, DFB-Pokal und Champions League) sahen sich die Münchner bislang ausgesetzt, jedes einzelne wurde gewonnen.

„Wir haben heuer einen qualitativ guten, breiten Kader“, analysierte Bastian Schweinsteiger nach dem 2:1-Sieg über den FC Valencia, um etwas Entscheidendes nachzuschießen:

„Es ist überhaupt kein Problem, wenn rotiert wird. Man möchte ja auf allen Hochzeiten Spiele gewinnen.“

Neues Selbstverständnis beim FCB

Robben verzichtete freiwillig

War man in der Vergangenheit noch gezwungen, angeschlagene Spieler mit ins Boot zu holen und zum Teil sogar in die Startformation zu befördern, kann Heynckes inzwischen sogar den Ausfall von Superstars der Kategorie Ribery und Robben ohne großen Qualitätsverlust verkraften.

Letzterer verzichtete beispielsweise sogar auf einen Einsatz beim Kantersieg über den VfB Stuttgart (6:1), da er körperlich nicht topfit war. Eine Entscheidung, die zugleich für den guten Charakter der Mannschaft spricht.

Dieser ist auch von Nöten, wollen die Bajuwaren ihrer titellosen Zeit ein Ende bereiten. Die „englischen Wochen“ fordern ihren Tribut, weshalb es wichtig ist, dass vereinsinterne Baustellen erst gar nicht geöffnet werden.

Schalke „ein echter Prüfstein“

Bereits am Samstag (ab 15:30 Uhr LIVE im LAOLA1-Ticker) wartet in Gelsenkirchen ein harter Brocken auf die Mannen von Heynckes. Die „Knappen“ sind bis dato ungeschlagen und strotzen nur so vor Selbstvertrauen.

Der Bayern-Trainer ist daher vor der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte, 2003/04 fungierte er als Trainer auf Schalke, gewarnt: „Schalke wird sicher die bis dato schwierigste Aufgabe, ein echter Prüfstein.“

Zwar muss er auf Gomez, Alaba und Ribery verzichten. Wäre den Bayern früher Angst und Bange geworden, regiert inzwischen die Leichtigkeit des Seins. In München haben sie schließlich aus der Vergangenheit gelernt.

 

Christoph Nister

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