Zahlreiche Probleme locken das Abstiegsgespenst an

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Dank des übermächtigen FC Bayern ist der Kampf um die Meisterschaft einmal mehr spannungsfrei. Ihren Reiz zieht die deutsche Bundesliga daher wieder aus dem Abstiegskampf. Der könnte dafür spannender kaum sein.

Neben den bereits in den letzten Jahren hart am Abstieg schnuppernden Großklubs Werder, HSV und Stuttgart, gesellt sich diesmal auch der BVB in den Kreis jener, die den kalten Atem des Abstiegsgespenstes spüren.

Genaugenommen befindet sich ohnehin mindestens die halbe Liga im Kampf um den Klassenerhalt, denn zwischen dem 16. Dortmund und dem zehntplatzierten 1. FC Köln liegen nur vier Punkte.

Selbst Klubs die aktuell von der Europa League träumen, dürfen sich keine Niederlagenserie leisten. Der Abstand vom Relegationsplatz zum letzten EL-Rang beträgt neun Punkte. Enger geht es in keiner der Top-Ligen zu.

Fünf Klubs sind in der Bundesliga derzeit am akutesten vom Abstieg bedroht und allen könnte am letzten Spieltag der Hinrunde das Horro-Szenario blühen, die Rote Laterne durch den Winter tragen zu müssen.

Bei HSV, VfB, BVB, Freiburg und Werder besteht Handlungsbedarf:

Liga Abstiegszone Europacup-Zone Abstand
Bundesliga BVB 15 Punkte Augsburg 24 Punkte 9 Punkte
Premier League QPR 14 Punkte Southampton 26 Punkte 12 Punkte
Serie A Cagliari 12 Punkte Sampdoria 26 Punkte 14 Punkte
Primera Division Cordoba 11 Punkte Villarreal 27 Punkte 16 Punkte

 Probleme: Der stetige Absturz des Hamburger SV setzt sich auch in dieser Saison fort. Nach nur einem Punkt aus den ersten drei Spieltagen trennte man sich wieder einmal vom Trainer. Mirko Slomka war nicht mehr erwünscht, Joe Zinnbauer bekam die Chance. Auch unter ihm zeigt sich aber, dass sich der Kader der Nordlichter hart an der Grenze der Bundesliga-Tauglichkeit bewegt. Selbst Neuzugänge wie Lewis Holtby, Nicolai Müller oder Valon Behrami fügen sich nahtlos in die verunsicherte und enorm fehleranfällige HSV-Truppe ein. Zwar konnte man eine Serie von drei Heimspielsiegen in Folge verbuchen, der letzte Auftritt zuhause gegen den direkten Konkurrenten Stuttgart offenbarte aber wieder die größte Schwäche der Hamburger: Fehlende Torgefahr.

Gelungene Offensiv-Aktionen sind absolute Mangelware, in 16 Spielen erzielte der HSV nur unfassbare neun Treffer. Schlusslicht Bremen zum Vergleich hat 24 auf dem Konto. Kein Wunder, gibt der HSV mit 3,1 pro Spiel doch auch die wenigsten Schüsse aufs Tor ab. Sturmtank Pierre-Michel Lasogga, in der Vorsaison noch die Lebensversicherung des HSV, hängt bislang völlig in der Luft, 634 Minuten wartet er schon auf einen Treffer. Mit Artjoms Rudnevs ist auch der zweite Stürmer im Kader alles andere als ein Torgarant. Aus dem Mittelfeld kommt wenig Kreativität, wenig Zug zum Tor.

Was wird passieren?

Da Investor Klaus-Michael Kühne, dessen 25 Millionen Euro in den letzten Jahren wirkungslos verpufften, keine Lust mehr hat, Geld nachzuschießen, hängt Hamburg finanziell in der Luft. Neuzugänge wird es eher nicht geben, stattdessen könnten mehrere Spieler gehen. Marcel Jansen soll Angebote aus England haben und könnte das sinkende Schiff im Winter verlassen, für Ivo Ilicevic, Gojko Kacar, Tolgay Arslan, Slobodan Rajkovic und Valmir Nafiu sucht der HSV seit geraumer Zeit händeringend einen Abnehmer.

 Probleme: Turbulenzen standen beim VfB erneut an der Tagesordnung. Sportdirektor Fredi Bobic gefeuert, Wunsch-Trainer Armin Veh zurückgetreten, weil ihm laut eigenen Angaben das Glück fehlte. Daher zurück zum Retter der Vorsaison, hallo Huub "die Null muss stehen" Stevens. So ganz wird der "Knurrer aus Kerkrade" seinem alten Ideal noch nicht gerecht, der VfB stellt mit 32 Gegentoren immer noch die zweitschlechteste Defensive der Liga. Das liegt auch daran, dass man sich das Leben mit individuellen Fehlern, vor allem bei Standards, oft schwer macht. Die häufigen Wechsel in der Viererkette, teilweise Sperren und Verletzungen geschuldet, ist der Stabilität auch nicht zuträglich.

Zudem fehlt den Schwaben ein echter Stürmer. Notlösung Martin Harnik macht seine Sache mitunter gut und ist mit fünf Toren Top-Schütze, hat er einen schlechten Tag, wird es aber schwierig. Vedad Ibisevic (Ermüdungsbruch) und Moa Abdellaoue (Knorpelschaden) sind langzeitverletzt, Daniel Ginczek ist nach seinem Comeback nach Kreuzbandriss noch nicht bei 100 Prozent. 

Was wird passieren?

Finanziell sind dem VfB Grenzen gesetzt, daher wird man auf große Sprünge verzichten und auf die Winterpause hoffen. In dieser hat man die Möglichkeit, Ginczek aufzubauen, zudem erwartet man die Rückkehr von Kreativspieler Daniel Didavi. Sind und bleiben alle fit, hat der Kader genug Qualität für den Klassenerhalt. Wenn nachgebessert wird, dann am ehesten auf der Innenverteidigerposition.

 Probleme: Der BVB ist der Überraschungs-Gast auf der Abstiegs-Party. Und da zeigt sich schon die erste Schwierigkeit. Diese Dortmunder Generartion ist es nicht gewohnt, gegen den Abstieg zu spielen. Die lähmende Verunsicherung ist mittlerweile jedem einzelnen anzusehen. Mats Hummels und Neven Subotic sind meilenweit von ihrer Bestform entfernt, was die 24 Gegentore teilweise erklärt. Im Mittelfeld ist die Schaltzentrale nach Verletzungen von Nuri Sahin und Ilkay Gündogan noch nicht wiederhergestellt und die alte Abschlussschwäche offenbart sich nach dem Abgang von Robert Lewandowski prekär wie nie. Die Neuzugänge konnten nicht wie geplant in eine funktionierende Mannschaft integriert werden, weil eine solche in dieser Saison schlicht inexistent ist.

Der BVB hat seinen Spirit verloren, jede Situation noch umbiegen zu können - in neun Spielen, in denen man zurück lag, holte man nur einen Punkt. Hinzu kommt, dass die Nerven so sehr flattern, dass Vorsprünge in der Schlussphase durch kapitale Stellungsfehler verspielt werden, wie gegen Paderborn oder zuletzt Wolfsburg. Es krankt im wahrsten Sinn des Wortes hinten und vorne.

Was wird passieren?

Ein Trainerewechsel steht in Dortmund nicht zur Debatte. Stattdessen hofft man, dass die Spieler endlich zu ihrer Form zurückfinden bzw. erst einmal fit werden. Breite ist im Kader genug vorhanden, was fehlt, sind qualitative Spitzen. Neuzugänge werden auf der Stürmerposition ghandelt, weiterhelfen würde dem BVB aber nur ein gestandener Angreifer, der Tore garantiert. Ein solcher ist entsprechend teuer. Paulo Dybala (Palermo) und Andrej Kramaric - dessen Vertrag von Rijeka per Option verlängert wurde - sind in der aktuellen Situation als Neuzugänge daher ebenso unrealistisch wie, dass Kevin Kampl oder gar Alan die Red-Bull-Familie in Richtung Dortmund verlassen.

Probleme: Abstiegskampf ist für die Breisgauer Business as usual. Die letzten Wochen haben Freiburg aber zugesetzt. 1:4-Schlappe gegen Stuttgart und nur remis gegen Aufsteiger Paderborn und den HSV. Nur zwei Siege durfte der Sportclub feiern, weniger als jedes andere Team. Ein Kernpunkt ist die Ladehemmung von Admir Mehmedi. Der Schweizer Nationalspieler traf vergangene Spielzeit noch zwölf Mal, im Herbst 2014 hat er bislang nur ein Tor auf dem Konto

Zudem schwanken die Leistungen der wenigen Freiburger Fixpunkte. So fand sich Kapitän Julian Schuster mehrere Spiele lang nur auf der Bank wieder. Bereits drei mal schwächte sich der SC durch einen Platzverweis. Ebenfalls auffällig: Freiburg ließ schon mehrmals durch Gegentore in der Nachspielzeit Punkte liegen.

Was wird passieren?

Eine Veränderung auf dem Trainerstuhl ist auch in Freiburg nahezu ausgeschlossen, die Breisgauer würden mit Christian Streich womöglich sogar in die 2. Liga gehen. Traditionell ist Ruhe angesagt im beschaulichen Breisgau, zum einen, weil man die Situation kennt, zum anderen, weil man mit den spielerischen Darbietungen über weite Strecken der Hinrunde zufrieden war. Es bleibt das Hoffen darauf, dass sich auch die Ergebnisse einstellen.

Probleme: 38 Gegentreffer in 16 Spielen sprechen eine klare Sprache - Werder ist offen wie ein Scheunentor. Der Trainereffekt hat nach dem Wechsel von Robin Dutt zu Viktor Skripnik mit drei Siegen aus vier Spielen voll eingesetzt, ist mittlerweile aber ebenso schnell wieder verpufft. Die Bremer Hintermannschaft ist gewohnt vogelwild und kassierte allein in den letzten drei Spielen nicht weniger als 12 Gegentore. Das kann die überschaubar besetzte Offensive nicht ansatzweise ausgleichen. Zlatko Junuzovic sticht zwar aus der Werder-Truppe heraus, rackert wie ein Wahnsinniger und hat schon 3 Tore auf dem Konto, ist aber kein Spielmacher, wie ihn Bremen brauchen würde.

Was wird passieren?

Glaubt man den Gerüchten, dürfte sich von allen Abstiegskandidaten bei Bremen am meisten tun. Früh in der Saison zeigte man sich bereit, vom Sparkurs der letzten Jahre etwas abzuweichen und im Winter Geld in die Hand zu nehmen. Der Name Bryan Ruiz (Fulham) geistert immer wieder an der Weser herum. Mit Nathan Ake bemüht man sich um ein Innenverteidiger-Talent vom FC Chelsea, auch M'Baye Niang (Milan) und Jozy Altidore (Sunderland) sollen ein Thema sein. Von einer Rückkehr von Aaron Hunt träumen wohl viele Werderaner, diesem Transfer schob Wolfsburg-Manager Klaus Alofs vorerst aber einen Riegel vor. Als Spielmacher-Alternative gilt Zvjezdan Misimovic, allerdings halten sich Zweifel, ob der 32-Jährige (Guizhou Renhe) noch gut genug für die Bundesliga ist.

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