Jubiläen, Meilensteine und der Karneval

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Der 21. Spieltag in der deutschen Bundesliga hält einige besondere Spiele, Jubiläen und Meilensteine bereit.

Der Nord-Süd-Gipfel zwischen dem HSV und Bayern München wird zum 100. Mal ausgetragen, die formstärksten Teams aus Augsburg und Bremen treffen im direkten Duell aufeinander und Thomas Schaaf darf sich künftig in einem Atemzug mit Rehhagel, Heynckes, Ribbeck und Lattek nennen lassen.

Das steht am Bundesliga-Wochenende auf dem Programm:

Das Duell des dopppelten Leids

Geteiltes Leid ist nicht immer halbes Leid. Was Dormund und Mainz derzeit eint, ist das Zittern um den Klassenerhalt. BVB-Coach Jürgen Klopp steckt nicht nur mit seinen Gelb-Schwarzen mitten drin im sportlichen Überlebenskampf, auch seiner alten Liebe geht es um keinen Deut besser.

"Ich habe ja noch einen relativ engen Draht nach Mainz, das ist logisch. Man guckt auch immer noch ein bisschen genauer hin, weil ich auch viele Leute kenne", meint Klopp, der elf Jahre Spieler und sieben Jahre Trainer der 05er war. Klopp ist sozusagen doppelt betroffen, wenngleich es naturgemäß in den 90 Minuten keine Freundschaft geben wird.

Unentschieden-König Mainz (10 Remis) gewann nur eines seiner letzten zwölf Spiele (das furiose 5:0 gegen Paderborn zum Rückrundenstart) und rutschte so immer tiefer in den Keller. Der BVB befindet sich indes im Aufbruch. "Die Stimmung ist nicht so gut, dass man das Gefühl hätte, die Jungs hätten schon wieder vergessen, worum es geht", realtiviert Klopp hinsichtlich der Freude über den Sieg in Freiburg, der aber "Zuversicht zurückgebracht hat".

Die Vertragsverlängerung von Marco Reus gab unter der Woche aber noch einmal ein Schub und könnte für eine spezielle Stimmung im Dortmunder Stadion sorgen. "Ich bin gespannt darauf, wie laut es werden wird, wenn Marco den Rasen betritt", meinte BVB-Chef Hans-Joachim Watzke bereits vorfreudig. 

Der Freitagabend hat aber ohnehin eine besondere Aura in Dortmund: Seit elf Jahren sind die Borussen in Freitagabend-Heimspielen ungeschlagen, die letzten fünf wurden gewonnen. Und vielleicht feiert Reus seine Vertragsverlängerung ja auch noch mit einem Tor. Sieben Mal traf er in der Bundesliga bereits gegen seine Mainzer Lieblingsgegner.

Das Duell der Teams der Stunde

Werder gegen Augsburg klingt im ersten Moment nicht nach einem Spiel, das man auf keinen Fall verpassen darf. Aber hier treffen die zwei Teams aufeinander, die man - neben Wolfsburg - als on fire bezeichnen darf.

Die graue Maus aus Augsburg hat bereits elf Siege auf dem Konto und liegt damit auf Rang vier. So kurios es klingt, aber die Fuggerstädter spielen ernsthaft um die Champions League. Nicht weniger verwunderlich ist, dass die Bremer mittlerweile auf Platz acht zu finden sind.

Am 16. Spieltag schwenkten die Nordlichter noch die Rote Laterne, doch mit einer Serie von vier Siegen ging es steil bergauf, außer Werder konnte kein Team alle drei Rückrundenspiele gewinnen. Ein fünfter voller Erfolg en suite wäre eine absolute Rarität - das gab es für Werder letztmals in der Spielzeit 2006/07.

"Sie haben zwar keinen Star in der Mannschaft, wissen aber genau, was sie tun", meint Coach Viktor Skripnik, unter dem die Bremer im Weser-Stadion noch ungeschlagen sind.

Raul Bobadilla könnte man aktuell allerdings doch als Star sehen. Je ein Treffer gelang dem Südamerikaner in jedem der letzten vier Spiele.

Brisantes Derby am Rhein

Das Prestige-Duell zwischen Gladbach und Köln gilt ohnehin als Risikospiel, umso unverständlicher finden Exekutive und Fanbeauftragte die Ansetzung des Rheinischen Derbys am Karnevals-Wochenende. "Ein Maskierungsverbot an Karneval ist schlecht umsetzbar", zeigt sich etwa Polizeisprecher Willy Thevese gegenüber dem "SID" wenig begeistert.

Bis zu 1400 Beamte, rund zehn Mal so viele wie bei normalen Bundesligaspielen, werden im Einsatz sein. Sie sollen Ausschreitungen wie beim Hinspiel, wo es 93 Ingewahrsamnahmen, sechs leicht verletzte Personen und 22 Strafanzeigen gab, verhindern. 

"Es wird in jedem Fall ein ganz besonderes Spiel für beide Mannschaften. Man spürt regelrecht, wie es bei allen im Umfeld kribbelt", weiß auch Patrick Herrmann. Der 24-Jährige ist bislang der einzige Gladbacher Torschütze in der Rückrunde, seine zwei Treffer reichten aber immerhin zu zwei Siegen. "Der FC steht in dieser Saison enorm kompakt in der Defensive und lauert auf Fehler des Gegners. Gerade auswärts sind sie zudem bei Kontern brandgefährlich", beschreibt er die Stärke der Kölner treffend.

Peter Stögers Team ist 2015 noch ungeschlagen und ohne Gegentor, nach vorne ging aber nur sehr wenig. Vor allem in den beiden torlosen Heimspielen gegen Stuttgart und Paderborn - den Nullnummern vier und fünf auf eigenem Platz. Auch wenn Stöger das nicht hören möchte, zum Glück darf man nun wieder auswärts spielen. Während die "Geißböcke" in der Heimtabelle nämlich nur Platz 17 (8 Punkte) einnehmen, sind sie auswärts (16 Punkte) hinter den Bayern das beste Team.

In Gladbach hofft man noch auf die Rückkehr von Martin Stranzl. Der Abwehrchef und Kapitän hat seine Schädelprellung zwar überstanden, litt im Anschluss aber auch noch an einer Magen-Darm-Grippe. "Martin hat mehr als eine Woche nicht trainiert. Ich muss erst mit ihm sprechen, dann entscheiden wir, ob ein Einsatz zu früh kommt", so Borussen-Coach Lucien Favre.

Das Duell der Werksklubs

Nur wenige Sekunden war die Saison alt, als Leverkusen in Dortmund sein erstes Tor bejubeln durfte. Deutschland war begeistert vom überfallsartigen Fußball a la Roger Schmidt, den Kenner der heimischen Bundesliga bereits gewohnt waren. Die Lobeshymnen erweckten den Eindruck, dass der ehemalige Salzburg-Trainer das Spiel völlig neu erfunden hätte, so schwärmte man vom Offensivspektakel. Und wahrlich präsentierte sich Bayer in so manchem Spiel als Tormaschine.

Mittlerweile ist aber Ernüchterung eingekehrt in Leverkusen. In den letzten sieben Spielen gab es nie mehr als einen eigenen Treffer, nur zwei Siege schauten in diesem Zeitraum heraus. Die Saison ist noch lange, aber Platz sechs, den die Werkself aktuell einnimmt, wäre die schlechteste Platzierung seit der Saison 2008/09 unter Bruno Labbadia. Ob der offensiven Flaute setzen Schmidt und Co. daher auch große Hoffnungen in die Heung-Min Son, der zuletzt wegen des Asien Cups fehlte.

Den umgekehrten Weg nahm Wolfsburg. Der VW-Klub stotterte in die Saison, entwickelte sich dann aber zum Bayern-Verfolger Nummer eins. Ein Status, der dauerhaft werden soll, wie die letzten Transfes belegen. Acht Spiele sind die Wölfe bereits ungeschlagen und somit Favorit im Duell der Werksklubs.

100. Mal Bayern gegen HSV

Zum 100. Mal steigt das Traditionsduell zwischen dem FC Bayern und dem HSV. Und die Hamburger reisen schon fast mit Euphorie an, immerhin gelangen zuletzt - erstmals seit 20 Monaten - wieder zwei BL-Siege in Serie. "Wir müssen so lange wie möglich die Null halten. Es ist Fußball, dann ist alles möglich", glaubt Ex-Bayer Ivica Olic gegenüber "Sport Bild" sogar an eine Überraschung.

Sein Trainer Joe Zinnbauer absoliverte in der Hinrunde mit einem 0:0 gegen den FCB sein Debüt und ist somit gegen die Münchner noch ungeschlagen, gibt aber zu: "Jedes Team, ob national oder international, fährt ungern in die Allianz Arena."

Zurecht, denn die Bayern haben ihre Mini-mini-Krise überstanden und am vergangenen Wochenende den ersen Rückrundensieg eingefahren. Spielerisch war der Rekordmeister immer noch nicht in der Spur, aber wenn sonst nichts läuft, gibt es ja einen Arjen Robben. Der Niederländer traf in den vergangenen sechs BL-Spielen sechs Mal, in den letzten sieben Partien gegen den HSV sieben Mal.

Schaaf im Klub der großen BL-Trainer

Thomas Schaaf ist eine Institution in der Bundesliga. Der langjährige Werder-Coach empfängt mit Eintracht Frankfurt am Samstag den FC Schalke 04 und wird dabei sein 500. Spiel als Trainer im deutschen Oberhaus bestreiten. Auch sein Debüt 1999 gab er gegen die "Knappen" und durfte sich damals über einen 1:0-Sieg freuen. 

"500 Spiele, das ist eine große Zahl, die zeigt, dass man schon ein bisschen dabei ist und einiges erlebt hat. Viel wichtiger am Samstag ist mir aber das Ergebnis", zeigt sich Schaaf gegenüber dem "kicker" pragmatisch.

Mit dem Erreichen dieser Marke tritt der 53-Jährige in den erlesenen 500er-Klub auf, dem bislang nur Otto Rehhagel (832 Spiele), Jupp Heynckes (642), Erich Ribbeck (569) und der kürzlich verstorbene Udo Lattek (522) angehören.

Mit einem Dreier könnte Schaaf gleich ein doppeltes Jubiläum feiern, es wäre der 230. Sieg seiner Trainerlaufbahn.

 

Christoph Kristandl

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