"Donis hat alle Voraussetzungen"

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"Win-Win-Situation für beide Vereine und Avdijaj"

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Der österreichische Fußball ist in Gelsenkirchen tendenziell öfter ein Gesprächsthema als an manch anderen Standorten der deutschen Bundesliga.

Und damit ist nicht zwingend gemeint, dass der Wiener Edi Frühwirth immer noch der letzte Meistertrainer von Schalke 04 ist. Das Jahr 1958 liegt dann doch schon eine Weile zurück.

Auch nach dem Abgang von ÖFB-Kapitän Christian Fuchs in Richtung Leicester sind die rot-weiß-roten Kontakte gegeben.

Michael Gspurning rückte in den Profi-Kader der „Königsblauen“ auf, Sport-Vorstand Horst Heldt und Teammanager Jan-Pieter Martens haben bekanntlich eine Vergangenheit bei Sturm Graz.

„Heldt ist ganz klar der Frontman“

Hierzulande vielleicht etwas weniger bekannt, aber bei allen sportlichen Entscheidungen des Traditionsvereins mittendrin statt nur dabei, ist mit Gerhard Zuber ein Kärntner, der sich in den vergangenen Jahren in Deutschland auf Funktionärsebene die Karriereleiter hochgearbeitet hat.

Schon beim VfB Stuttgart arbeitete er an der Seite von Heldt, den er während dessen Zeit in Graz kennengelernt hatte. Zuber, dem als Aktiver eine Profikarriere versagt blieb, kickte damals für den FC Gratkorn. Seit Februar 2011 ist er auf Schalke angestellt.

„Ich bin als Direktor Sport unter unserem Vorstand Sport Horst Heldt mit für den sportlichen Bereich zuständig. Wir teilen uns viele Aufgaben, die mit der Lizenzspieler-Abteilung zu tun haben, auf - etwa das Scouting. Ich versuche Horst alles abzunehmen, was er nicht schafft“, schildert der 39-Jährige im Gespräch mit LAOLA1 seine Aufgabengebiete.

Während Heldt naturgemäß mehr in der Öffentlichkeit steht, kann Zuber seine Arbeit im Hintergrund verrichten: „Das ist ja das Schöne. Er ist ganz klar der Frontman und geht voraus, trifft auch in der Öffentlichkeit alle Entscheidungen, dort darf ich mich ein wenig zurückhalten. Das ist für mich eigentlich ganz angenehm. Ich kann mich auf andere Dinge konzentrieren und ihm natürlich viel Arbeit abnehmen.“

„Auf jeden Fall ist alles viel professioneller“

In seiner Heimat arbeitete Zuber unter anderem beim GAK im Marketingbereich und während der Heim-EURO 2008 für den ÖFB. In Deutschland tun sich freilich nicht nur wegen der finanziellen Überlegenheit ganz andere Möglichkeiten auf:

„Auf jeden Fall ist alles viel professioneller. Viele Fußball-Vereine sind ja schon vor mehr als 100 Jahren entstanden. Da gibt es Riesen-Unterschiede. In Österreich hat man nur ein paar Traditionsvereine, die sich noch gehalten haben. In Deutschland sind die Strukturen über die Jahre mitgewachsen und haben sich verbessert.“

Gerade auf dem strukturellen Gebiet gibt es in Österreich Aufholbedarf. Was die Professionalisierung betrifft, ist für Zuber „immer mehr möglich“:

„Man muss die Rahmenbedingungen schaffen und das finanzielle Umfeld haben. Wenn das geschaffen wird, hat man auch mehr Möglichkeiten, um professioneller zu arbeiten – so wie beispielsweise bei Red Bull Salzburg. Mit solch einem finanziellen Background ist vieles möglich. Aber auch andere Teams haben mitgezogen. Das spiegelt sich ja auch teilweise im Europacup wider. Ich hoffe, dass sich die Entwicklung positiv fortsetzt.“

„Österreich ist ein sehr interessanter Markt für uns“

Auf sportlicher Ebene hat Österreich in den vergangenen Jahren bereits eine Aufholjagd gestartet, was sich inzwischen vor allem an der Spitze beim Nationalteam niederschlägt.

Zuber ist als Scout Stammgast bei Länderspielen des ÖFB-Teams und bestätigt, dass Schalke das Geschehen im Nachbarland mit mehr als einem Auge im Blick hat:

Zuber gefällt Avdijajs Entwicklung

„Es ist ja immer so, dass Talent das eine und Biss, Durchsetzungskraft und Entwicklungspotenzial das andere sind. Aber Donis hat alle Voraussetzungen, um eine sehr gute Entwicklung nehmen zu können.“

„Könnte noch eine Verabschiedung für Fuchs geben“

Keine Rolle mehr auf Schalke spielt Fuchs, der sich von seinem Abschied von den „Knappen“ sehr enttäuscht zeigte.

„Meine persönliche Situation war am Schluss nicht zufriedenstellend. Da bin ich ehrlich gesagt auch sehr enttäuscht. Ich habe bis jetzt auch keine Verabschiedung bekommen. Nicht dass ich eine brauche oder dem nachweine, aber da geht es um eine Art des Umgangs und Respekts. Man verbringt vier Jahre seines Lebens dort und dann gibt es nicht einmal ein Tschüss“, ärgerte sich der Linksverteidiger nach seinem feststehenden Wechsel in die Premier League.

Zudem habe er im Saison-Finish vom damaligen Trainer Roberto di Matteo versprochene Einsätze nicht erhalten.

Zuber schlägt versöhnliche Töne in Richtung des 29-Jährigen an: „Er hatte hier vier wunderbare Jahre, wir waren mit ihm echt sehr zufrieden. Dass er sich umorientiert und noch einmal eine neue Herausforderung sucht, ist legitim. Wir hatten in den letzten Spielen und mit dem Trainer-Wechsel ein bisschen Stress, hätten uns aber natürlich auch gewünscht, dass es ein bisschen anders zu Sache geht. Im Profifußball steht die Türe jedoch immer offen und wir sind nach wie vor in Kontakt. Wenn es von beiden Seiten gewünscht wird, könnte es noch eine schöne Verabschiedung geben.“

„Habe den Weg von Gspurning immer verfolgt“

Bei den Profis willkommen heißt man inzwischen Gspurning, der im Frühjahr noch das Tor der zweiten Mannschaft in der Regionalliga gehütet hat.

Michael Gspurning steht im Profikader von Schalke

„Michi ist einer von drei Torhütern im Profibereich, man braucht immer einen erfahrenen Backup. Ich habe ja selbst noch mit ihm zusammengespielt und kenne ihn schon seit langer Zeit. Ich habe seinen Weg immer verfolgt. Es freut mich extrem, dass er jetzt bei uns ist, uns hilft und zur Seite steht“, erklärt der gebürtige Wolfsberger.

Nach dem enttäuschenden Frühjahr herrscht in Gelsenkirchen wieder Aufbruchstimmung. Di Matteo ist Geschichte, mit Andre Breitenreiter wurde aus Paderborn ein neuer Coach verpflichtet.

Laut Zuber sei auf Schalke definitiv etwas in Bewegung: „Wir haben uns dazu entschlossen, einen neuen Weg zu gehen. Wir haben einiges umstrukturiert und verändert und hoffen natürlich, dass das erfolgsorientiert sein wird. Wir sind ein volksnaher Verein – die Nähe zu den Fans ist uns wichtig. Wir haben einen Weg mit jungen, ambitionierten Spielern gepaart mit guten Profis eingeschlagen und wollen wieder in die Spur zurückfinden.“

„Auf Schalke passiert immer etwas“

Ermöglichen soll dies Breitenreiter, den der Kärntner wiefolgt charakterisiert: „Ein sehr emotionaler, junger Trainer, der irrsinniges Potenzial hat, seinen nächsten Schritt gehen wird und bei uns den richtigen Verein gefunden hat. Wir werden hoffentlich auf lange Zeit erfolgreich zusammenarbeiten.“

Ob erfolgreiche oder wie in den vergangenen Monaten eher turbulente Zeiten, langweilig wird einem bei einem der größten Traditionsvereine in Deutschland ohnehin nie: „Auf Schalke geht es sowieso nie ruhig zur Sache, da passiert immer irgendetwas.“

Allzu lange dauert es nicht mehr, bis die letzte königsblaue Meisterschaft 60 Jahre her ist. Der Traum vom Titel lebt ungebrochen weiter. Angesichts von Frühwirth könnte man mit Augenzwinkern meinen, Schalke müsse sich am österreichischen Trainer-Markt umschauen.

Ob er diesbezüglich schon mal internes Lobbying betrieben habe? Zuber grinst: „Da gibt es ja einige, die gar nicht so weit von uns entfernt als Trainer arbeiten. Aber Spaß beiseite: Wir sind sehr zufrieden mit Andre Breitenreiter und sind uns sicher, dass er eine lange Zukunft bei uns hat.“

Peter Altmann

„Das ist ein sehr interessanter Markt für uns! Österreich leistet eine überragende Nachwuchsarbeit. Das hat damals noch vor der EURO begonnen und zahlt sich jetzt natürlich aus. Die Talente sind da. Die Sprache ist natürlich ein wichtiger Bestandteil, da hat man keine Anpassungsprobleme. Wir sind immer bestrebt, junge gute Österreicher zu holen.“

„Donis ist ein überragender Spieler“

Dieser Spielerfluss muss jedoch beileibe keine Einbahnstraße sein, sondern funktioniert auch in die andere Richtung, wie das Beispiel Donis Avdijaj beweist. Der 18-jährige übersiedelte im Winter aufgrund der naheliegenden Kontakte nach Graz zu Sturm und entwickelte sich bislang gut, weshalb er auch in dieser Saison das Trikot der „Blackies“ tragen wird.

„Donis ist ein super Spieler, der bei uns im Nachwuchsbereich richtig gut war. Da hat er Torrekorde en masse aufgestellt. Für ihn ist es jetzt wichtig, dass er spielt, den nächsten Schritt macht und sich so entwickelt, dass er nach seiner Rückkehr auch für Schalke 04 eine gute Rolle spielen kann. Das macht er zurzeit sehr, sehr gut. Bei Sturm Graz hat er auch ein sehr gutes Umfeld und einen sehr guten Trainer. Wir glauben, davon profitieren zu können. Es ist eine Win-Win-Situation für beide Vereine und auch für Donis“, glaubt Zuber, der Avdijaj durchaus eine größere Karriere zutraut:

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