Herthas 1. und 1001. Bundesliga-Spiel mit Rehhagel

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„Tausendmal berührt, tausendmal ist nix passiert, Tausend und eine Nacht und es hat Zoom gemacht.“

Die Hertha misst sich zwar schon am Samstag-Nachmittag im Duell der Nachzügler mit Augsburg, aber im 1001. Bundesliga-Spiel der „Alten Dame“ soll es wieder „Zoom“ wie im Schlager-Hit von Klaus Lage machen.

Ähnlich wie in der ersten Partie am 24. August 1963, als die damals neugegründete Bundesliga ihren Premieren-Spieltag feierte, soll zumindest nicht verloren werden.

Damals trennte sich die Hertha im Olympiastadion von Nürnberg 1:1. Dieses Ergebnis wäre in Augsburg bereits ein Erfolg: Denn die Hauptstädter warten 2012 noch immer auf einen vollen Erfolg.

Coup des noch jungen Jahres

Otto Rehhagel soll das richten. Hertha-Sportdirektor Michael Preetz ist mit seiner Verpflichtung der Coup des noch jungen Jahres geglückt, nachdem Michael Skibbe nach nur fünf Spielen entlassen wurde.

Für Rehhagel schließt sich in jedem Fall ein Kreis, denn der Trainer mit den meisten Bundesliga-Spielen (820) an der Seitenlinie war bei der 1. BL-Partie der Hertha als Spieler selbst dabei.

Nun kehrte die personifizierte Erfahrung nach Berlin zurück – Rehhagel soll der Retter des in den Abstiegsstrudel geratenen Aufsteigers sein.

Mit Aufsteigern kennt sich Rehhagel, der lange Zeit Werder Bremen und kurze Zeit die Bayern trainierte aus: Kaiserslautern führte der ehemalige griechische Nationalteamtrainer 1998 als eben solchen zum Meistertitel.

Vor Zweitem Weltkrieg geboren

In Berlin heißt das Ziel freilich Klassenerhalt. Und das soll mit seiner Routine gelingen.

Stolze 73 Jahre ist Rehhagel mittlerweile alt, am 9. August 1938 erblickte die Trainer-Legende das Licht der Welt und ist damit…

...noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs geboren worden.

...nur zwei Jahre jünger als das am 1. August 1936 eröffnete Olympiastadion.

....in jenem Jahr geboren, in der BBC das erste Fußballspiel der Fernsehgeschichte, eine Begegnung zwischen England und Schottland, überträgt.

...in jenem Jahr geboren, als Schauspiel-Legende Spencer Tracy den Oscar für seine Rolle in Manuel erhielt.

...hinter Fred Schulz (Bremen, 74 Jahre, 184 Tage, 1978) zweitältester Bundesliga-Trainer der Geschichte (73 Jahre, 184 Tage, 2012).

Wer glaubt, Rehhagel fehlt es an Energie, der irrt. Bereits beim ersten Auftritt legte der über 200-fache Bundesliga-Profi so los, wie er 2000 vorerst von der Bundesliga-Bühne abtrat.

Andreas Herzog spielte unter Rehhagel in Bremen und bei den Bayern

Disziplin und Systemfanatismus

„Ab Montag bin ich bei Hertha das Gesetz“, hielt „König Otto“ nach seiner Inthronisierung fest.

Auf Disziplin legt Rehhagel bei seiner Mission größten Wert. Aktuell dürfen die Spieler auch keine längeren Interviews geben.

LAOLA1 hatte zwar Marco Djuricin unter der Woche erreicht, doch der blau-weiße ÖFB-Legionär durfte über die ersten Trainingseinheiten mit „König Otto“ nichts berichten.

Dafür hat Otto Schneehagel, wie er in Berlin aufgrund der Witterung nach den ersten beiden Einheiten getauft wurde, genug zu sagen. Oder auch nicht, wenn es etwa um Taktik geht.

"Ihr übertreibt es mit eurem Systemfanatismus. Die Viererkette kann pendeln und hoch stehen. Aber wenn der Gegner den Ball in die Nahtstelle, wie es so schön neudeutsch heißt, spielt und du am Ende 1:3 verlierst, schaut dich deine Frau abends trotzdem schief an“, meinte Rehhagel im „Kicker“.

Engagement pur

Dafür fehlt es dem Europameister von 2004 sicher nicht an Engagement, wie er der „Bild“ schildert: „Meine ganze Person gehört Hertha, und das Tag und Nacht. Alle können sich hinter meinem breiten Kreuz verstecken. Aber ich will gewinnen, sonst haben die Jungs keine Ruhe vor mir. Wir brauchen Punkte!“

Bislang ist Rehhagel mit dem Engagement seiner neuen Mannschaft zufrieden, Augsburg (17.) wird aber gleich die erste große Herausforderung für den Tabellen-15., der nur zwei Punkte Vorsprung hat und inklusive Cup sechs Spiele en suite verloren hat

Nach 4165 Tagen Bundesliga-Pause kehrt Rehhagel am Samstag endgültig auf die größte deutsche Fußball-Bühne zurück.

Und eines ist gewiss: „König Otto“, der von der CDU aus bei der Bundesversammlung am 18. März den deutschen Bundespräsidenten mitwählen wird, steht im absoluten Rampenlicht.

Der möglicherweise größte Vorteil für eine strauchelnde Mannschaft. Samt ihrer gewonnenen Erfahrung.

 

Bernhard Kastler

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