"Beschimpfungen gehen nicht"

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Stöger bescheiden: "Platz 15 ist realistisch"

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Für Peter Stöger läuft es seit seinem Wechsel zum 1. FC Köln im Sommer 2013 ganz nach Wunsch.

In seiner ersten Saison führte der ehemalige Austria-Meistermacher den Traditionsclub in die deutsche Bundesliga, wo man sich nach dem Sieg in Bremen im Tabellen-Mittelfeld etablierte.

Allzu große Erwartungen lässt der Wiener deswegen aber nicht aufkommen, wie er im Interview erklärte.

Frage: Sie betonen ständig, dass der Klassenerhalt das Ziel ist, derzeit liegt Köln aber auf Rang 10. Ist in dieser Saison mehr als nur Platz 15 möglich?

Peter Stöger: "Eigentlich nicht. Platz 15 ist realistisch. Wir gehören ganz klar zu den fünf, sechs Mannschaften, die um die letzten drei Plätze spielen. Es ist im Grunde auch egal, ob wir 15. oder 13. werden. Aber wenn es uns gelingen würde, über einen langen Zeitraum in einem relativ gesicherten Bereich zu sein, fällt die Arbeit leichter. Dann kann man etwas probieren oder riskieren."

Frage: Der 1. FC Köln ist ein großer Verein mit anspruchsvollen Fans - reicht den Anhängern diese Zielsetzung?

Stöger: "Grundsätzlich ja. Der Klassenerhalt ist ein realistisches Ziel, und das sehen die Leute auch. Aber man muss verstehen, dass es in dieser Stadt nur den Karneval, den Dom und den FC gibt. Die Menschen stehen unglaublich auf diesen Verein, und wenn man auf etwas extrem steht, will man auch das Optimum herausholen. Diese Einstellung will ich Ihnen auch gar nicht nehmen."

Frage: Die Leidenschaft mancher Anhänger ging allerdings so weit, dass auf Ihrer Facebook-Seite Köln-Spieler unter der Gürtellinie angegriffen wurden. Wie gehen Sie mit dieser Situation um?

Stöger: "Ich will auf meiner Facebook-Seite nicht nur Huldigungen und Ja-Sager haben. Es soll eine Diskussionsplattform sein, aber auf sachlicher Ebene. Dass meine Spieler auf meiner Seite beschimpft werden, geht gar nicht."

Frage: Sie stehen seit Ihrem Wechsel nach Köln weit stärker im Rampenlicht als in Österreich. Sehnen Sie sich manchmal nach den ruhigen Zeiten in Wiener Neustadt?

Stöger: "Nie. Meinen privaten Freiraum habe ich trotzdem, und wie ich ihn gestalte, ist meine Sache. Wenn ich es in meiner Freizeit komplett ruhig haben will, muss ich mittlerweile daheimbleiben. In die Stadt zu gehen und zu glauben, dass nicht etliche Leute ihre Selfies mit mir haben wollen, ist absurd. Ich mache es dann auch, denn ich weiß, was auf mich zukommt, wenn ich in der Stadt bin und meinen Kaffee oder mein Kölsch trinke. Und die tägliche Medienarbeit finde ich super und befruchtend. Ich brauche nicht jeden Freitag zu erklären, was die ganze Woche passiert ist, weil die Journalisten eh jeden Tag da sind. Doch ich weiß auch, dass die Medienarbeit wahrscheinlich einmal unangenehmer sein wird."

Frage: Welche gravierenden Unterschiede zu Österreich gibt es abgesehen von der Presselandschaft noch?

Stöger: "Die Infrastruktur. Alle Stadien sind top. Aber Deutschland ist eben ein zehnmal größerer Markt als Österreich, daher kann man viel mehr Geld lukrieren, was sich wiederum auf die Infrastruktur auswirkt."

Frage: Wie groß ist der Unterschied im sportlichen Bereich?

Stöger: "Die österreichischen Spitzenclubs könnten in der deutschen Bundesliga mitspielen, auch wenn sie wahrscheinlich ihre Probleme hätten. Generell ist die Konkurrenz in Deutschland eine andere, außerdem sind die Kader breiter aufgestellt."

Frage: Sind Vergleiche zwischen österreichischer und deutscher Bundesliga aufgrund des Größenunterschieds nicht unfair?

Stöger: "Man kann die Ligen einfach nicht vergleichen. Und was die tägliche Arbeit und die Entwicklung der Spieler betrifft, machen wir in Österreich für unsere Rahmenbedingungen einen guten Job, da brauchen wir uns nicht zu verstecken. Die österreichischen Spieler, die in Deutschland gut unterwegs sind, sind ja auch irgendwann von österreichischen Trainern trainiert worden. Also kann nicht alles so falsch sein, sonst würde sich in Deutschland keiner durchsetzen."

Frage: Österreich ist zwar mit vielen Spieler, aber nur mit einem Trainer in der höchsten deutschen Liga vertreten. Könnten Sie diesbezüglich als Türöffner fungieren?

Stöger: "Das weiß ich nicht. Aber ich würde mich freuen, wenn es so wäre. Viele meiner Kollegen in Österreich leisten großartige Arbeit. Und dass es für österreichische Trainer in Deutschland einigermaßen funktionieren kann, zeigen Manfred Schmid (Anm.: Stögers Co-Trainer bei Köln) und ich. Wir haben unsere Arbeit nicht wahnsinnig umgestellt, haben nach wie vor die selbe Philosophie und Ideen, wie man mit Spielern umgeht, und das greift auch halbwegs. Also kann man davon ausgehen, dass sich auch andere österreichische Trainer durchsetzen würden."

Frage: Themenwechsel zur Nationalmannschaft: Teilen Sie die Meinung einiger Experten, dass sich das ÖFB-Team durch die gestiegene EM-Teilnehmerzahl für die EURO 2016 qualifizieren muss?

Stöger: "Ich weiß nicht, ob es sein muss. Aber irgendwann sollten wir es schon schaffen. Wir reden immer davon, dass wir eine gute Mannschaft haben, also wäre es an der Zeit, dass wir uns wieder einmal qualifizieren. Ich hoffe es auf jeden Fall."

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