Die zehn wichtigsten Fragen an Pep Guardiola

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Am Mittwoch, um 17 Uhr, ist es so weit.

Pep Guardiola wird die erste Trainingseinheit des FC Bayern München leiten.

Schon davor bittet der Erfolgscoach zu einer Pressekonferenz und darf sich auf ein kaum übertroffenes Echo freuen.

Über 200 Journalisten aus aller Welt haben sich akkreditiert, um dem Fußball-Philosophen aus Santpedor zu lauschen.

Bevor sich der 42-Jährige vors Mikrofon setzt, stellt LAOLA1 schon einmal die zehn wichtigsten Fragen und versucht zugleich, auf selbige eine Antwort zu geben.

In welcher Sprache wird Guardiola kommunizieren?

Diese Frage wird sich in den ersten Sekunden bereits beantworten, wobei mittlerweile ein Großteil der Medien davon ausgeht, dass der Katalane mit seinem Deutsch brillieren wird. Pep habe „wie ein Irrer“ jeden Tag vier Stunden mit einem Privatlehrer gelernt, eröffnete sein Bruder Pere dem deutschen „Spiegel“. Wer die Obsession und das Sprachtalent des einstigen Legionärs in Italien, Katar und Mexiko kennt, weiß, dass Deutsch-Interviews a la Giovanni Trapattoni unter Guardiola nicht an der Tagesordnung stehen werden. Internationalen Medienvertretern werde der Coach wie gewohnt in Englisch, Spanisch, Katalanisch oder Italienisch Auskunft geben.

 

Wie gut kennt Guardiola sein neues Umfeld?

Als extrem ehrgeiziger und akribischer Arbeiter verschrien, soll der Glatzenträger kein Bayern-Spiel der abgelaufenen Saison verpasst haben, zudem ließ er sich zahlreiche Video-Aufzeichnungen der U19-Mannschaft schicken. Guardiola kennt seine künftigen Schützlinge zumindest von der Mattscheibe genauestens. Die persönlichen Eigenschaften der Spieler und ihren Charakter wird der Übungsleiter aber ebenso wie die Strukturen der Münchner Vereinsführung erst kennenlernen müssen.

Bayern hat drei Titel zu verteidigen

Was ändert Guardiola am Triple-Sieger?

„Ihr habt eine super Mannschaft, an der man nicht dramatisch etwas zu verändern braucht“, zitierte die „Sport Bild“ vor wenigen Tagen eine Aussage Guardiolas gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden der Bayern, Karl-Heinz Rummenigge. Wahrhaftig hat Jupp Heynckes ein mehr als nur bestelltes Feld hinterlassen. Neben den unzähligen Erfolgen in der Rekord-Saison 2012/13 konnte der FCB vor allem auch spielerisch durch Elemente, die man aus Barcelona kennt, überzeugen: Eine auf Ballbesitz ausgelegte Offensive, Gegenpressing und Variabilität im Raum waren Mitgrund für die 14 Titelgewinne mit Barca.

 

Auf welche Spieler setzt Trainer Guardiola?

Zum Trainingsauftakt stehen Dante, Luiz Gustavo, Javi Martinez (Confed Cup) sowie Arjen Robben, Mario Mandzukic und David Alaba (nach Nationalteam-Einsätzen noch frei bis Ende Juni) nicht zur Verfügung. Nach ihrer Rückkehr stehen inklusive der Neuen Mario Götze und Jan Kirchhoff insgesamt 27 Profis im Kader. Dass wirklich alle ihren Platz dort auch behalten, darf bezweifelt werden. Vor allem Robben wurde ob seiner eigensinnigen Art als erster Streich-Kandidat genannt, Mario Gomez ist ohnehin Medienberichten zufolge „so gut wie weg“ und hinter anderen Spielern wie Rafinha oder Claudio Pizarro, dessen Vertrag ausläuft, stehen dicke Fragezeichen. Will der Neo-Coach weitere Wunschspieler verpflichten, muss der eine oder andere zwangsläufig gehen.

 

Wo spielt David Alaba künftig?

Sollte vom FC Bayern kein hochkarätiger Linksverteidiger – und so viele gibt es nicht – verpflichtet werden, ist diese Position weiterhin mit dem ÖFB-Teamspieler besetzt. Alabas Wunsch, wie im Nationalteam im defensiven Mittelfeld zum Einsatz zu kommen, bleibt damit weiterhin unerhört. Auch weil die interne Konkurrenz mit Bastian Schweinsteiger, Javi Martinez und Luiz Gustavo keineswegs gering ist. Schon auf der Trainerbank des FC Barcelona hatte Guardiola Alaba für die Außenposition im Visier, Jordi Alba bekam schließlich den Vorzug. Erkennt der Taktik-Guru im täglichen Training allerdings das Potenzial des mit Montag 21-Jährigen im Zentrum, ist eine Umfunktionierung durchaus möglich. Was das bedeutet, kann Javier Mascherano, der als Mittelfeldspieler den umgekehrten Weg ging, bestens beantworten.

Schöpf will sich aufdrängen

Welche Chancen erwarten Österreichs Nachwuchs-Bayern?

Mit Sergio Busquets und Pedro darf sich Guardiola auf die Brust heften, aus zwei Nachwuchs-Spielern Weltmeister geformt zu haben. Im Bayern-Nachwuchs tummeln sich zahlreiche Talente, denen eine ähnliche Karriere-Entwicklung zuzutrauen ist, und die dem Amtsantritt des bekannten Jugend-Förderers deshalb äußerst wohlwollend entgegenblicken. „Mal sehen, was Pep Guardiola von mir hält“, stellte etwa Alessandro Schöpf im Interview mit LAOLA1 in den Raum. Während der U19-Teamspieler die Vorbereitung mit den Profis absolvieren darf, müssen Kevin Friesenbichler, Christian Derflinger, Oliver Markoutz und Co. noch auf ihre Chance warten.

 

Kann Guardiola mit den Alpha-Tieren der Bayern umgehen?

Auf der Suche nach möglichen Gründen für ein Scheitern des als Heiland gefeierten Fußballlehrers wird in erster Linie die Führungsebene der Münchner genannt. Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge oder Matthias Sammer gelten als Schwergewichte, die sich in ihre Kompetenzen nur ungern reinreden lassen. Guardiola weiß aber, dass die klar gesteckte Hierarchie und der persönliche Einsatz der Protagonisten in der bayrischen Hauptstadt aus dem FC Bayern auch in wirtschaftlicher Hinsicht ein Vorbild gemacht haben. Die Finanzkraft und daraus resultierende Planungssicherheit trugen letztlich ihren Teil zur Entscheidung des viel umworbenen Trainers pro Bayern bei. Dass der neue starke Mann nun gleich Grabenkämpfe anzettelt, scheint deshalb auszuschließen zu sein.

Vertrauensperson Manuel Estiarte

Wen holt Guardiola in sein Betreuerteam?

Von Raul über Christoph Metzelder bis hin zu Stefan Effenberg wurden zahlreiche große Namen als mögliche Co-Trainer genannt. Letzen Endes besteht das Team Guardiolas aus mehr oder minder Unbekannten. Neben dem seit 2001 in München tätigen Hermann Gerland befördert „Don Pep“ auch seinen jahrelangen Spielbeobachter und Analyst Domenec Torrent zum „Co“. Carles Planchart ist für Scouting und Gegner-Beobachtung zuständig, Lars Kornetka verlässt Schalke 04 und kümmert sich gemeinsam mit Michael Niemeyer um Spiel- und Video-Analysen. Lorenzo Buenaventura sorgt wie schon bei Barca für die Fitness der Spieler und Manuel Estiarte, Wasserball-Olympiasieger von 1996, fungiert als Berater.

 

Wie geht Guardiola mit den Medien um?

Der einstige Mittelfeldstratege passt sich den Gegebenheiten an der Säbener Straße an und hält einen Großteil der Trainingseinheiten, anders als zu seiner Zeit in Barcelona, öffentlich ab. Dies bestätigte Präsident Uli Hoeneß schon im März: „Wir haben beim FC Bayern die Tradition, dass die Fans ihre Idole hautnah zu sehen bekommen. Das werden wir auch nicht ändern.“ Was ebenso gleichbleibt, sind Guardiolas Interview-Gewohnheiten. Einzel-Termine wird es mit ihm nicht geben – aus dem einfachen Grund, niemanden zu benachteiligen.


Welche Ziele steckt sich Guardiola?

Angesichts der letzten Saison kann es nur eine Antwort geben: Triple. In jedem Bewerb Titel-Favorit zu sein, ist für den Ex-Barca-Coach allerdings auch nichts Neues.

Christian Eberle

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