"Hey Baby" oder lieber beten?

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Scharner: "Lachen bringt die Leute zusammen"

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Paul Scharner blickt aus dem Spielerausgang und erblickt ein Dutzend Fans.

Wie jeder andere Spieler des Hamburger SV lässt auch der ÖFB-Legionär die zumeist jungen Anhänger nicht verdutzt zurück, schreibt Autogramme und lässt Fotos mit sich schießen. Der Schmäh darf dabei nicht fehlen, zumal der in Deutschland bekanntlich auch gut ankommt.

Angekommen ist der Niederösterreicher auch endgültig bei seinem neuen Klub, bei dem der 32-Jährige im August für zwei Jahre unterschrieben hatte. Nachdem ihn ein Innenbandriss zwei Monate Zwangspause bescherte, gab Scharner vergangenen Sonntag beim 0:1 gegen Stuttgart sein Debüt.

Somit trennen ihn auch nur noch wenige Tage von seinem Einstandsabend, wo das vom ÖFB ausgeschlossene Enfant terrible (Hier geht’s zum ersten Teil des Interviews über ÖFB)auch vor versammelter Mannschaft ein Lied zum Besten geben muss.

Vorab traf sich Scharner mit LAOLA1 in der Hamburger Imtech-Arena, wo der sechseinhalbjährige England-Legionär über seine ersten Monaten im Norden Deutschlands und die nahe Zukunft sprach.

LAOLA1: Wie bewertest du dein Debüt im Hinblick auf deine doch lange Verletzungspause?

Paul Scharner: Es war schon einmal gut, dass ich gegen Stuttgart fit und bereit war, sogar dann auch gespielt habe. Mit dem habe ich aufgrund des Spielverlaufs nicht rechnen dürfen. Der Fahrplan passt, wenn es so weiter geht. Ich werde mich im Training aufdrängen und dann wird man sehen, wie der Trainer entscheidet.

LAOLA1: Die Tradition des HSV verlangt, dass ein jeder Spieler nach seinem Debüt singen muss. Wann wirst du, wie angekündigt, „Hey Baby“ von DJ Ötzi zum Besten geben?

Scharner: Ich habe nächste Woche meinen endgültigen Einstand. Wir werden im „Wilden Kaiser“, einem deutsch-österreichischen Lokal, feiern, das Stüberl für die Mannschaft haben und es wird auch österreichische Spezialitäten geben. Irgendwann werde ich dann „Hey Baby“ singen, das ist schon in England gut angekommen. Da haben wir auch auswärts gegen Arsenal 3:2 gewonnen. Vor dem Spiel gegen Bayern kein schlechtes Omen. Obwohl: Vielleicht hilft hier mehr beten als singen (lacht).

Scharner erfüllt gerne Autogrammwünsche

LAOLA1:Was macht die Faszination des Klubs aus?

Scharner: Die Stadt und der Verein sind einfach Wahnsinn. Beim Heimspiel gegen Hannover haben die Fans anlässlich des 125-jährigen Geburtstages 45.000 Doppelhalter in Händen gehalten, die sie drei Wochen in der Stadion-Garage besprüht haben. Auch die Feier dann vor zehntausend Zuschauern und tausend geladenen Gästen in der O2-Arena, wo alle mitgegangen sind, war einfach riesig. Es ist der größte Verein, bei dem ich je gespielt habe. Der Klub ist in Deutschland von der Größe unter den Top-Vier, die Tageszeitungen haben jeweils zwei Journalisten, die nur über den HSV schreiben. Das ist schon eine andere Welt.

LAOLA1: Wo siehst du dich selbst auf Dauer beim HSV?

Scharner: Ich sehe mich auf der Innenverteidiger-Position, weil ich auch als solcher geholt wurde. Ich hatte damals mit Thorsten Fink am Flughafen Wien ein super Gespräch. Ich werde hart daran arbeiten, dass es für mich funktioniert. Ich hatte einen blöden Einstand mit der Verletzung, aber das passiert eben, dafür bin ich auch routiniert genug, um mich davon nicht verrückt machen zu lassen. Ich werde hart daran arbeiten, dass ich den sehr wichtigen körperlichen Level erreiche. Die Match-Fitness ist das, was zählt, die kannst du nicht trainieren. Dahingehend habe ich mich auch in den beiden Testspielen in der Länderspielpause gleich einmal richtig ausgepowert.

LAOLA1: Vergangenes Jahr war hier Abstiegskampf angesagt. Was ist heuer drin?

Scharner: Wir haben vor Transferschluss wirklich noch einmal nachgerüstet, vor allem mit Rafael Van der Vaart, sozusagen dem König von Hamburg, Milan Badelj und Petr Jiracek. Das war wichtig, dass wir zwei, drei gestandene Spieler bekommen haben. Wir sind wirklich ein junges Team, vier, fünf Spieler sind unter 20, der Großteil unter 25. Bei ihnen sind die Erfahrung und die Ruhe einfach nicht gegeben. Ziel ist sicherlich einmal ein gesicherter Mittelfeldplatz und dass es nach hinten keine Probleme gibt. Aber es ist auch die Möglichkeit für eine Überraschung da. Auch wenn es gegen Stuttgart jetzt nicht so gelaufen ist, die Saison ist noch lange. Vom Kader sind wir auf jeden Fall dabei.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

LAOLA1: Wie hast du dich in den ersten beiden Monaten in die Mannschaft eingefügt?

Scharner: Ich bin super aufgenommen worden. Ich wurde aber auch als Führungsspieler geholt, das merkt man insofern, als dass wir wirklich ein junges Team haben. Die meisten Spieler sind nicht älter als 25 Jahre, ich bin der älteste Feldspieler und fühle mich da auch in der Pflicht, die Jungen einzuteilen und zu motivieren.

LAOLA1: Auf welche Weise hast du als neuer Spieler gleich das Kommando übernommen?

Scharner: Es kommt einfach drauf an, wie man es rüberbringt. Ich mache es auf eine witzige Art. Das Lachen bringt die Leute zusammen. Es geht ja am Anfang auch gar nicht anders. Wenn du gleich mit Kritik beginnst, dann fragen sie sich: Was ist denn das für ein Vogel? Am Platz geht es dann aber um den Erfolg und da muss man ab und zu auch einmal härter sein.

LAOLA1: Wie viel Wertschätzung erfährst du von den Kollegen für sechseinhalb Jahre auf der Insel?

Scharner: Wenn sie die Statistik von 207 Premier-League-Spielen und 21 Treffern hören, dann würdigen sie das schon, zumal ich auch als Defensivspieler diese Anzahl an Toren erzielt habe.

LAOLA1: Du hattest in Zeiten deines Wigan-Engagements ein Büro mit Blick auf Old Trafford. Wie traurig bist du darüber, dass dein damaliger Plan nicht umgesetzt werden konnte?

Scharner: So etwas kann man nicht planen. Das Problem ist der letzte Schritt, der passiert oder nicht. Es war bei mir natürlich nicht vorteilhaft, dass ich so viele Positionen gespielt habe. Es war nicht absehbar, wohin ich mich entwickeln würde. Es hätte auch noch verschiedene Möglichkeiten von Wigan weg gegeben, da hat aber Präsident Dave Whelan, eine große Nummer in England, so viel Einfluss, dass nichts passierte. Ich bin aber nicht enttäuscht und wer weiß, was hier noch alles passiert. Ich glaube, es gibt weitaus Schlimmeres als hier beim HSV zu spielen (lacht).

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