Hertha BSC Berlin legt nach Skandalspiel Einspruch ein

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Die Relegations-Rückpartie zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC hat wegen der Fan-Tumulte ein sportrechtliches Nachspiel.

Hertha BSC legt Einspruch gegen die Wertung der Begegnung ein.

"Ein regulärer Spielbetrieb war für uns nicht mehr möglich", begründet Manager Michael Preetz diesen Schritt, "mit einem sportlichen Geschehen hatte dies nichts mehr zu tun." Es gehe darum, dass die "irregulär zustande gekommene Spielwertung" aufgehoben werde.

Die Berliner sind nach dem Remis am Dienstag zum sechsten Mal abgestiegen, Düsseldorf kehrt nach dem 2:1-Hinspielerfolg nach 15 Jahren in die Fußball-Bundesliga zurück.

"Wenig Aussicht auf Erfolg"

Über den Einspruch und damit auch den Aufstieg der Düsseldorfer entscheidet nun das DFB-Sportgericht. Bis Freitag, 24.00 Uhr, muss dafür eine schriftliche Begründung beim Verband eingehen.

Sportrechtler Siegfried Fröhlich hält es für einen Fehler, dass die Spieler von Hertha BSC nach dem Spielabbruch auf den Platz zurückgekehrt sind.

"Sie haben das Spiel noch zu Ende gespielt. Ein Protest hat daher wenig Aussicht auf Erfolg", sagte der Jurist im Gespräch mit der Nachrichtenseite n-tv.de.

"Chancen wären höher, hätte Hertha sich geweigert"

Die Chancen auf ein Wiederholungsspiel oder eine nachträgliche Wertung der Begegnung zugunsten der Berliner wären höher, wenn sich der Verein gegen eine Fortsetzung geweigert hätte. In diesem Fall hätte ein Sportgericht über die Ursache des Abbruchs verhandeln müssen.

"Grundsätzlich verliert dann die Mannschaft, deren Fans für den Abbruch sorgen", sagte Fröhlich. Wäre das Gericht zu dem Ergebnis gekommen, dass die Sicherheit der Spieler gefährdet und eine Fortsetzung des Spiels nicht zumutbar gewesen ist, "hätte man das Spiel 2:0 für Hertha werten müssen".

Fröhlich geht davon aus, dass der Protest scheitert und der Abstieg der Berliner in die zweite Fußball-Bundesliga besiegelt ist.

Nun kämpft Hertha am Grünen Tisch um die BL

Kobiaschwili soll Schiedsrichter geschlagen haben

Der DFB ermittelt unterdessen gegen zwei Spieler. Wie die "Sport Bild" berichtet, stehen der Herthaner Levan Kobiaschwili sowie Düsseldorfs Andreas Lambertz unter Beobachtung.

Der Berliner soll Schiedsrichter Wolfgang Stark nach Abpiff der Partie in den Stadion-Katakomben einen Schlag ins Gesicht versetzt haben.

Gegen Lambertz wird ermittelt, weil er den BL-Aufstieg mit dem Abbrennen eines bengalischen Feuers auf dem Spielfeld gefeiert hat.

Platzsturm aus Freude

Die Partie vor 51.000 Zuschauern in der ausverkauften Esprit-Arena, bei der Fortuna-Goalie Robert Almer verletzungsbedingt fehlte, stand in der Nachspielzeit am Rande des Abbruchs, weil Hunderte von Fans auf den Rasen gestürmt waren.

Die Spieler und das Schiedsrichtergespann unter der Leitung von Wolfgang Stark gingen daraufhin in die Kabinen. Erst nach 20-minütiger Unterbrechung setzte der Referee die Begegnung fort. Zu absolvieren waren zu diesem Zeitpunkt noch 90 Sekunden der offiziell siebenminütigen Nachspielzeit. (Hier geht es zum ausführlichen Bericht)

Polizei will Blutbad verhindern

Die Mannschaft von Hertha kehrte anschließend nur auf Bitten der Polizei aufs Spielfeld zurück.

"Der Schiedsrichter hat die Mannschaft nicht wegen des Fußballs auf den Platz zurückgeführt, sondern nur auf Bitten der Polizei, um eine Eskalation - man hat von einem Blutbad gesprochen - zu verhindern", sagte Klub-Anwalt Christoph Schickhardt am Mittwoch.

Hertha habe seinen Beitrag dazu geleistet. "Es ging nur darum, Schlimmeres für den deutschen Fußball zu verhindern."

Fortuna von Aufstieg überzeugt

Trotz des Hertha-Protests sind die Fortuna-Verantwortlichen fest davon überzeugt, nicht nachträglich am Grünen Tisch den Aufstieg abgesprochen zu bekommen oder ein Wiederholungsspiel bestreiten zu müssen.

"Ich gehe fest davon aus, dass wir aufgestiegen sind", sagte Manager Wolf Werner. "Die Fans sind nach einem geglaubten Abpfiff auf das Spielfeld gelaufen. Das sind unschöne Szenen, die sind unnötig."

Aber der Schiedsrichter habe wieder angepfiffen. "Der Spielablauf kann nicht infrage gestellt werden."

"Herthas Reaktion überzogen"

Kritik übte Werner an der Aussage von Schickhardt, dass das Spiel nur auf Anraten der Polizei fortgesetzt worden sei, weil sie ein Blutbad befürchtete.

"Ich finde das total überzogen", sagte Werner. Den Vorwurf, dass es zu wenig Ordner im Stadion gegeben habe, wies er zurück.

"Es waren eine Unzahl von Ordner da. Die Massen in dieser Form waren nicht zu bändigen gewesen", so Werner. "Ich weise darauf hin, dass es hier nicht um Gewalt gegangen ist, sondern um die Freude, weil die Fans glaubten, das Spiel sei abgepfiffen."

Berliner angeblich in Todesangst

Stark unterbrach die Partie und schickte die Spieler in die Kabinen. Auf dem Platz wurden unter anderem Bengalische Feuer gezündet. Nur mit Mühe konnten Ordner und Polizei die Fans zurückdrängen.

Schickhardt sprach davon, dass sich die Hertha-Mannschaft in Todesangst befunden habe. Die Spieler seien "ungeschützt in einem Mob" auf dem Spielfeld gestanden.

Nach dem Spiel blieb es laut Düsseldorfer Polizei in der Stadt friedlich. Allerdings wurde ein Sonderzug mit 750 Hertha-Fans auf der Rückreise angehalten. Der Zug sei wegen zerschlagener Fensterscheiben drei Stunden im Bahnhof Hamm gestanden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Einer der elf Waggons musste abgehängt und ersetzt werden.

Letztes Spiel für "König Otto"

Unterdessen lobte Hellmut Krug, der Schiedsrichterchef bei der Deutschen Fußball Liga (DFL), die Vorgehensweise von Stark und war froh, dass sich Hertha zum Weitermachen entschied.

"Die Berliner hätten sich keinen Gefallen getan, wenn sie nicht zurückgekommen wären. Nur der Schiedsrichter hat das Recht, das Spiel abzubrechen."

Anerkennung gab es auch für Hertha-Trainer Otto Rehhagel, der sein letztes Spiel auf der Bank der Berliner erlebte. "Rehhagel hat sich eingeschaltet und Frieden geschaffen", sagte Fortuna-Manager Werner. Hertha-Präsident Werner Gegenbauer ließ einen Protest zunächst offen und sprach dem in der Kritik stehenden Preetz sein Vertrauen aus.

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