Skandale, Dramen, Sauereien: Aufreger der Saison

Aufmacherbild

Und wieder ist eine Bundesliga-Saison Geschichte.

Es war die 49. in der Geschichte und dazu eine, die von Rekorden gespickt war.

Borussia Dortmund schnappte sich den Meistertitel mit einem neuen Punkte-Rekord (81 Zähler) und blieb zugleich 28 Spiele in Folge ungeschlagen.

Levan Kobiashvili (336 Bundesliga-Spiele) zog mit Ze Roberto als am häufigsten eingesetzter Ausländer gleich, während Kaiserslautern für einen Negativ-Wert sorgte und keinen Spieler im Kader hatte, der häufiger als drei Mal traf.

Pulverfass Hertha

Doch nicht nur auf dem Platz hatte die abgelaufene Spielzeit jede Menge Schmankerl zu bieten, sondern auch abseits.

Die Hertha sorgte mit dem größten Trainerverschleiß der Saison für ungläubiges Staunen bei der Konkurrenz. Fans des 1. FC Köln warfen mit Fäkalien auf gegnerische Fans.

Brutaler Guerrero

Manuel Neuer wurde ausgeraubt, als sich der Torhüter auf dem Weg zum Nationalteam befand. Zudem sorgten Jermaine Jones mit einem Tritt auf Marco Reus' Fuß und Paolo Guerrero mit einer Brutalo-Grätsche von hinten gegen Stuttgarts Sven Ulreich für die meistdiskutierten Fouls der Saison.

Das war jedoch längst nicht alles. Wir haben weitere Dramen, Skandal und Sauereien zusammengefasst:

Peszko hat einen über den Durst getrunken

Trinkfeste Absteiger

Es war ein starkes Stück, das sich Slawomir Peszko leistete. Der Profi des 1. FC Köln feierte das 1:1 seiner Mannschaft gegen den SV Werder Bremen etwas zu überschwänglich und wurde in einem Taxi ausfällig. Der Pole, der jede Menge Alkohol konsumiert hatte, legte sich mit dem Fahrer an und wurde prompt einbuchtet. „Wir können bestätigen, dass er vorübergehend in Gewahrsam genommen wurde“, so ein Sprecher am Tag danach. Nach seinem Ausflug in die Ausnüchterungszelle bekam er eine Geldstrafe in nicht genannter Höhe aufgebrummt.

Als wäre es für die „Geißböcke“ nicht schon peinlich genug, gab es einen weiteren Vorfall eines zu durstigen Spielers. Nach der Karnevalsfeier des FC verursachte Miso Brecko einen Autounfall. Die Exekutive rückte an und stellt beim Alkohol-Test einen Wert von 1,6 Promille fest. Dieses „unprofessionelle Verhalten in der Öffentlichkeit und wegen der Verletzung seiner Vorbildfunktion“ verhängten die Kölner Bosse auch in diesem Fall harte Sanktionen.

Sippel: Nach Fahrerflucht doch noch einsichtig

Nur noch den wenigsten Fans dürfte ein Vorfall aus der Vorbereitungszeit in Erinnerung sein. Kaiserslauterns Tobias Sippel war mit zwei Teamkollegen unterwegs und rammte mit 1,4 Promille im Blut ein parkendes Auto. Der Torhüter beging Fahrerflucht, um sich seinem ursprünglichen Ziel zu widmen: Sippel wollte in ein Bordell unweit der Unfallstelle. Mit etwas Abstand gestand der Täter dann doch noch. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Strafe über 36.000 Euro und neun Monate Führerscheinentzug.

Schlagkräftige Profis

Auf dem Spielfeld war er längst nicht mehr zu sehen und dennoch sorgte der damals noch für den FC Augsburg kickende Michael Thurk im Herbst für Schlagzeilen. Ein Besuch auf dem Münchner Oktoberfest entwickelte sich in die falsche Richtung. „Wir wurden beim Hinausgehen angepöbelt, ich bekam einen Schlag auf den Hinterkopf. Es kam zu einer Rangelei, aber die Security hat uns vorbildlich beschützt“, so der Angreifer bzw. in diesem Fall Angegriffene nach dem Vorfall, der glücklicherweise glimpflich ausging.

Zumindest mit Ribery versteht sich Hoeneß

Hoeneß ignorierte Lemkes verbalen Tiefschlag, musste er doch weitere Attacken hinnehmen. Jene aus Dortmund. „Ich muss nicht alles ernst nehmen, was er (Hoeneß) sagt. Das ist auch schon mal widersprüchlich“, so BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „An uns prallt es definitiv ab. Unsere Spieler lachen sich darüber schlapp.“ Hoeneß konterte: „Die Märchen, die Herr Watzke erzählt, mit seinen 45 Mio. Personalkosten nächstes Jahr, die kann er jemandem erzählen, der sich nicht auskennt im Geschäft.“ Das Ganze zog sich über Wochen hin, inzwischen herrscht Waffenstillstand zwischen den Streithähnen.

Heiß her ging es auch zwischen Markus Babbel und Michael Preetz. Der Ex-Hertha-Trainer wollte seinen Vertrag nicht verlängern und flog am Ende vorzeitig raus. Eine Schlammschlacht mit gegenseitigen Schuldzuweisungen war die Folge. Gewonnen hat dabei keiner, im Gegenteil: Vor allem Preetz ist aufgrund der hohen Trainerfluktuation in Berlin von den Fans als Hauptverantwortlicher für die sportliche Misere ausgemacht worden.

Wie schon 2001, als Schalke aka „der Meister der Herzen“, knapp hinter dem FC Bayern landete, blieben die Knappen auch diesmal zweiter Sieger. Nur wenige Tage, nachdem sich Franck Ribery sein kongeniales Pendant Arjen Robben in der Kabine vorknöpfte, schlug man sich auch in Gelsenkirchen die Köpfe ein. Jermaine Jones und Klaas-Jan Huntelaar bekamen sich beim „fünf gegen zwei“ in die Haare. Im Gegensatz zum Vorfall der Münchner – Robben trug ein Veilchen davon – blieb die Auseinandersetzung der Königsblauen ohne körperliche Folgen.

Streitlustige Alpha-Männchen

Uli Hoeneß feierte seinen 60er und die ganze (Fußball-)Welt gratulierte. Alle – bis auf einen. Willi Lemke, seit jeher Intimfeind des gewichtigen Bayern-Präsidenten, hatte selbst zum runden Jubiläum keine Lust, sich positiv zu äußern. „Kein Mensch hat mich über fast drei Jahrzehnte so niedergemacht wie Uli Hoeneß“, lederte er in der „SportBild“ los. „Das hat Spuren hinterlassen und mich in meiner Überzeugung bestätigt: So wie er, so will ich nie.“

Ballack stellte sich seinen Abgang anders vor

Michael Ballacks Abschied in Leverkusen wurde zur Demontage. Ex-Trainer Robin Dutt sortierte den "Capitano" gnadenlos aus, um ihn wenig später wie aus dem Nichts wieder in die Startelf zu befördern. Sein Berater Michael Becker schimpfte auf Trainer und Verantwortliche von Bayer Leverkusen. Irgendwann wurde es Sportdirektor Rudi Völler zu bunt: „Ich erwarte von Michael, dass er sich selbst äußert und nicht seinen Berater vorschickt, der Jurist ist und meint, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.“

Brandheiße Verdachtsmomente

Breno allein zu Haus: Das ging nicht gut. Der Brasilianer musste nach einem Brand in seinem Haus mit leichter Rauchvergiftung ins Krankenhaus. Schnell war klar: Da war etwas faul! Das Wort Brandstiftung machte die Runde, Breno musste in U-Haft und kam erst auf Nachdruck des FC Bayern, der darüber hinaus die Kaution (500.000 Euro) für den Verteidiger berappte, wieder raus. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den häufig verletzten 22-Jährigen erhoben. Für den Tatbestand der schweren Brandstiftung drohen ihm im schlimmsten Fall bis zu 15 Jahre Gefängnis.

Markus Miller hat den Weg zurück geschafft

Persönliche Schicksalsschläge

Hannover. Torwart. Burnout. Alarmglocken!!! Bei den Niedersachsen wurden sofort Erinnerungen an Robert Enke wach, der auf so tragische Weise freiwillig aus dem Leben schied. Umso mitfühlender reagierte der Klub, als Markus Miller kurz vor dem psychischen Kollaps stand. „Seit einiger Zeit habe ich immer seltener das Gefühl, dass ich der Mannschaft wirklich helfe“, gestand er im September. Miller nahm eine Auszeit, um sich vollständig zu erholen. Inzwischen steht er längst wieder voll im Training und hat seine Probleme überwunden.

Schier unglaublich auch die Meldung vom Rücktritt Ralf Rangnicks als Schalker Übungsleiter. „Nach langer und reiflicher Überlegung bin ich zum Entschluss gekommen, dass ich eine Pause brauche“, gestand der Trainer. Die Liga war geschockt und zollte Rangnick zugleich Respekt für den Mut, sich an die Öffentlichkeit zu wenden. Besonders erfreulich: Seine mittlerweile überstandene Krankheit ist kein Thema mehr, nicht umsonst soll er auf dem Wunschzettel mehrerer Klubs stehen.

Rafatis Selbstmordversuch schockte die Liga

Noch dramatischer entpuppte sich der Fall von Schiedsrichter Babak Rafati. Der Unparteiische sollte das Spiel 1. FC Köln gegen FSV Mainz pfeifen, doch dazu kam es nicht mehr. Rafati war seines Lebens müde und startete einen Selbstmordversuch, der misslang. „Persönliche Gründe“ waren die Ursache, hieß es zunächst lapidar, nach seiner Genesung nahm der 41-Jährige selbst Stellung und gestand der „Bild“, unter Depressionen gelitten zu haben. Diese gehören der Vergangenheit an: „Ich bin wieder gesund.“

Lustige Randnotizen

Aufreger und Felix Magath – das gehört einfach zusammen. So zeichnete der Trainer des VfL Wolfsburg in dieser Saison mit einer ungewöhnlichen Maßnahme für Furore: Medienberichten zufolge führte er einen Strafenkatalog ein, der seine Mannen auch bei taktischen Verfehlungen zur Kasse bat. Ein unnötiger Rückpass soll 1.000 Euro gekostet haben, wer nach Ballverlust nicht nach hinten arbeitete, musste demnach gar das Zehnfache berappen.

Guerrero sollte die Finger von Wetten lassen

Paolo Guerrero und Claudio Pizarro sind seit Jahren befreundet. Die beiden Peruaner teilen zudem eine Leidenschaft: Sie züchten Pferde. Um die Spannung vor dem Nord-Derby HSV-Werder anzuheizen, schlug Guerrero eine Wette vor: „Wer gewinnt, bekommt ein Pferd vom anderen.“ Pizarro lehnte ab und dürfte sich darüber grün und weiß geärgert haben – Werder gewann mit 3:1.

Jürgen Klopp ist ein Sprücheklopfer – im positiven Sinne. Seine Schlagfertigkeit stellte der zweifache Meistertrainer beim 20-jährigen Dienstjubiläum seines langjährigen Weggefährten Christian Heidel entgegen. „Der Drecksack gab mir als Spieler einen Vertrag – mit dem Geld konnte ich mir die Autos, die er verkauft hat, nicht mal leisten“, schimpfte er mit einem Augenzwinkern über den Mainz-Manager, um nachzulegen: „Wir waren früher so oft zusammen – die Leute dachten schon, wir hätten ein Verhältnis.“

 

Christoph Nister

Zum Seitenanfang» 0 Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen