Alles Roger beim Traum-Debüt

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"Das war eine außergewöhnliche Leistung"

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Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun Sekunden.

Sein erstes Spiel als Trainer in der deutschen Bundesliga wird Roger Schmidt niemals vergessen. Mit seinem neuen Klub Bayer 04 Leverkusen gewann der Trainer bei seinem Debüt in der Weltmeister-Liga in Dortmund 2:0 und durfte sich über das schnellste Tor in der Bundesliga-Geschichte freuen.

„Das war eine außergewöhnliche Leistung“, freute sich der Ex-Salzburg-Coach mit seinem neuen Team, „wir haben viele Dinge super gemacht. Die Mannschaft hat den Gegner immer attackiert.“

„Kein Zufall“

In der Mozartstadt hat es der Deutsche mit seinen Spielern oft versucht, in Deutschland ist es ihm nun gelungen, nämlich mit dem ersten Angriff nach eigenem Anstoß gleich ein Tor zu erzielen.

Dass Karim Bellarabi nach nur neun Sekunden traf, war freilich glücklich, aber nicht unbeabsichtigt.

„Das frühe Tor ist kein Zufall, wir hatten das vorher besprochen und wollten sofort nach vorne spielen“, ließ Schmidt wissen. Österreichische Fußball-Fans erkannten durchaus mehrere Parallelen.

Abseits des Feldes etwa der modisch sichere Auftritt, praktisch gleich wie in der Mozartstadt. Nur vor 80.667 Menschen wie im Signal-Iduna-Park coachte Schmidt noch nie. Vergangene Saison waren es in Wiener Neustadt beim Saison-Auftakt der österreichischen Bundesliga übrigens noch 2.696.

Der entscheidende Look

Auf dem Feld aber der entscheidende Look, nämlich jener seiner Mannschaft, der Schmidt seine offensive Spielphilosophie geprägt von Balleroberung offenkundig erfolgreich vermitteln konnte.

„Wir spielen vogelwild gegen den Ball. Jeder will ihn unbedingt haben“, meinte Stefan Kießling, der in der Schlussminute mit dem 2:0 den sprichwörtlichen Deckel drauf machte. Nachdem Bellarabi eben Weltmeister Erik Durm den Ball entscheidend abnahm und den WM-Zuschauer ideal bediente.

Bellarabi: „Die ganze Vorbereitung hat sich heute ausgezahlt. Es macht jetzt richtig Spaß, Fußball zu spielen.“ Willkommen in Rogers Welt. 110 Mal jubelte Salzburg in der Liga-Saison 2013/14 – Rekord.

Das brauchte in Österreich seine Zeit und auch bei Bayer wird es dauern, bis wirklich alles klappt. Ein 2:0-Sieg in Dortmund ist für den ehemaligen Paderborn-Trainer aber schon einmal ein Anfang.

Optimistisch für die Zukunft

Neben dem Offensivdrang durch Gegenpressing setzt Schmidt weiterhin auch auf den Teamgeist: „Wir sind ein geiles Team. In der letzten Saison hatten wir in der Endphase keinen Spirit. Heute habe ich elf Spieler gesehen, die Verantwortung übernommen haben“, jubelte auch Tormann Bernd Leno.

Vergangenen Dienstag gewann Leverkusen sein CL-Playoff-Hinspiel in Kopenhagen 3:2 und öffnete damit die Tür zur Gruppenphase. Die Verantwortlichen zeigen sich sehr optimistisch für die Zukunft.

„Wir erhoffen uns, dass wir mit Roger Schmidt einen Trainer haben, den wir viele Jahre erleben dürfen und der natürlich auch erfolgreich sein wird“, sagte Sportchef Rudi Völler, der seinen Landsmann für 1,5 Millionen Euro Ablöse holte und dabei von einer Ausstiegsklausel profitierte.

Besonderer Sieg gegen das Vorbild

Schmidt, der acht Jahre als Projekt-Ingenieur arbeitete und gar nicht Fußball-Trainer werden wollte, ist eigentlich Schalke-Sympathisant, eiferte aber als Trainer dem Dortmunder Vorbild nach.

„Dortmund ist ein sehr gutes Beispiel dafür, was man erreichen kann, wenn man ein wenig anders spielt. Man hatte es geschafft, Bayern zwei Mal hintereinander hinter sich zu lassen. Es ist etwas, wo man die individuelle Qualität der Spieler zu der bestmöglichen Teamleistung bündeln kann.“

Das sagte Schmidt bei seiner Eröffnungs-Pressekonferenz am 30. Juni in Leverkusen. Fast zwei Monate später feierte der Ex-Salzburger einen „Statement-Sieg“ (Spox) gegen Jürgen Klopps BVB.

Es war sicherlich auch für ihn persönlich ein ganz besonderer, aber Schmidt rückte die Mannschaft in den Vordergrund. Wie er es auch in Salzburg tat und am Ende nicht nur deswegen so populär war.

 

Bernhard Kastler

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